Zürich

Anforderungen steigen, Profit sinkt

Trotz guter Verkaufszahlen herrscht im Autogewerbe zurzeit keine Jubelstimmung. Vor allem für mittelgrosse Betriebe ist die Situation in letzter Zeit spürbar anspruchsvoller geworden.

Der Verkauf von Autos floriert zwar, aber die Margen sind tief. Am Eurobonus müssen sich die Händler meist beteiligen.

Der Verkauf von Autos floriert zwar, aber die Margen sind tief. Am Eurobonus müssen sich die Händler meist beteiligen. Bild: shotshop

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Knapp 162 000 Autos wurden in der Schweiz im ersten Halbjahr 2015 immatrikuliert, das sind fast 8 Prozent mehr als in der ersten Hälfte des Vorjahres.

Trotz der positiven Verkaufszahlen ist die Stimmung im Garagengewerbe derzeit aber nicht die beste. «Die Luft wird überall dünner», sagt Fritz Bosshard, Präsident der Zürcher Sektion des Autogewerbe-Verbands der Schweiz (AGVS) und Inhaber der Kalchbühl-Garage in Wollishofen, auf Anfrage. Die Anzahl verkaufter Neuwagen sei tatsächlich fantastisch. «Aber bei der Marge sieht es dann ganz anders aus.» Schon letztes Jahr sind die Preise für Neuwagen gesunken. Laut Bosshard hat sich diese Entwicklung nach der Aufhebung des Euromindestkurses im Januar noch verstärkt. «Am Eurobonus, der auf vielen Neuwagen gewährt wird, müssen sich die Händler meist beteiligen.»

Die Anzahl Konkurse im Autogewerbe ist in der ersten Jahreshälfte laut dem Wirtschaftsinformationsdienst Bisnode D&B sprunghaft angestiegen. 81 Konkurseröffnungen schweizweit entsprechen im Vergleich zum ersten Halbjahr 2014 einer Zunahme um 72 Prozent. Bosshard kann sich vorstellen, dass die Aufhebung des Mindestkurses für den einen oder anderen Betrieb das Fass zum Überlaufen gebracht hat. Eigene Verbandsmitglieder waren laut Angaben des AGVS allerdings keine darunter.

Auch Occasionen betroffen

Die direkten Auswirkungen der Frankenstärke, unter der auch etliche andere Branchen leiden, ist aber nicht das einzige Problem der Garagisten. Die sinkenden Preise für Neuwagen belasten indirekt nämlich auch das Occasionsgeschäft. Gebrauchtwagen lassen sich nun ebenfalls nicht mehr so teuer wie früher verkaufen. Und wenn ältere Leasingverträge auslaufen, müssen die Händler die Autos zu einem für heutige Verhältnisse hohen Restwert zurücknehmen.

Aber auch völlig unabhängig von der Frankenstärke gibt es Entwicklungen, die den Garagen Schwierigkeiten bereiten – vor allem den mittelgrossen mit 10 bis 30 Angestellten. «Die ganz kleinen Betriebe sind grundsätzlich resistenter, weil bei ihnen die Werkstatt einen vergleichsweise höheren Umsatz- und Gewinnanteil hat», sagt Bosshard. Die grossen wiederum hätten generell weniger Mühe, auf neue Entwicklungen zu reagieren.

Immer anspruchsvoller werden beispielsweise die Vorgaben der Fahrzeughersteller. Dies gilt sowohl im Bereich Technik wie auch im Verkauf. Weil die Technik in letzter Zeit grosse Fortschritte gemacht hat – und immer noch macht –, müssen die Mechaniker immer mehr Weiterbildungen absolvieren. «Für den Garagisten bedeutet das entsprechend mehr Arbeitsausfall und höhere Ausgaben für die Kurse», sagt Bosshard. Auch die Ausgaben für neue Werkzeuge und Diagnosegeräte würden ins Gewicht fallen.

Teure Vorgaben

Ein weiterer grosser Kostenfaktor sind die Anforderungen der Hersteller im Verkaufsbereich. Wie genau ein Auto in der Ausstellung präsentiert wird, liegt nämlich alles andere als im Ermessen der Garagisten – die Hersteller machen dazu zahlreiche Vorgaben. «Das kann so weit gehen, dass man die Autos beispielsweise nur auf dunklen Bodenplatten eines bestimmten Herstellers präsentieren darf», sagt Bosshard. Wenn ein Autohändler mit den Anforderungen nicht mehr Schritt halten kann, verliert er seinen Status als offizieller Markenvertreter.

Eine Besonderheit im Kanton Zürich ist laut Bosshard die grosse Dichte von Direktimporteuren und Occasionsplätzen, welche die traditionellen Autohändler mit Tiefstpreisen konkurrenzieren würden.

Schwarz sieht der AGVS-Zürich-Präsident für seine Branche trotz der verschiedenen Probleme nicht. Ein eigentliches Garagensterben etwa sei nicht in Sicht – aber die Zahl der Garagenbetreiber werde weiter sinken. Die grossen Händler, die bereits mehrere Garagen betreiben, würden laufend weiter wachsen, indem sie weitere, bisher unabhängige Garagen übernehmen. Nicht selten passiert dies, wenn ein eigenständiger Garagist keine Nachfolgelösung findet. «Das Autogewerbe ist ein hartes Business», sagt Bosshard. Dementsprechend schwierig sei es, Nachfolger für einen Betrieb zu finden, viele Junge wollten sich heute nicht mehr selbstständig machen.

(Der Landbote)

Erstellt: 29.07.2015, 22:00 Uhr

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