Zürich

Auf den Wurm gekommen

Damit Bioabfall nicht mehr im Müll landet, haben vier Zürcher einKompostsystem entwickelt, das geruchlos funktioniert, in jedem Haushalt Platz findet und erst noch besten Dünger liefert. Die Hauptarbeit leisten Würmer.

Mit ihrem Heimkomposter haben die Gründer von Wormup den Nerv der Zeit getroffen. Die erste Lieferung ist bereits ausverkauft.

Mit ihrem Heimkomposter haben die Gründer von Wormup den Nerv der Zeit getroffen. Die erste Lieferung ist bereits ausverkauft. Bild: pd

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Ob Salatblätter, verfaulte Äpfel, Reste von Gurken und Tomaten: Oft landet organischer Abfall im Müllsack. In der Schweiz rechnet man mit einer Jahresmenge von 500 000 Tonnen, die eigentlich im Kompost entsorgt werden sollten. Damit könnte der Zürcher Prime Tower fünfmal gefüllt werden. Vier junge Zürcher Unternehmer wollen Abhilfe schaffen. Ihr Ziel: kein Bioabfall mehr im normalen Kehricht. Statt vernichtet zu werden oder auf Deponien Methangase zu bilden, sollen die wertvollen Nährstoffe in einem geruchlosen Heimkomposter verarbeitet und in Form von wertvoller Erde wieder genutzt werden.

1000 Würmer an der Arbeit

Der Aufwand ist gering. Denn die Hauptarbeit leisten Würmer. Was beispielsweise vom Rüsten übrig bleibt, wird einfach in den «Wormup-Komposter» geworfen – einen dreiteiligen Tonbehälter, der mit einer Höhe von nur 35 Zentimetern und einem Durchmesser von 40 Zentimetern in jeder Küche Platz hat. Die rund 1000 Würmer, die sich im Komposter befinden, fressen sich von unten durch die drei Etagen nach oben Richtung frischer Abfall und wandeln diesen zu hochwertigem Dünger um, der schliesslich im untersten Behälter zurückbleibt (siehe Grafik).

Ein weiterer Vorteil: Die für den Gestank verantwortlichen und von den Tieren geliebten Mikroorganismen nehmen sie sich als Erstes vor. Allerdings müssen die Abfälle organisch sein. Speisereste, Fleisch und Zitrusfrüchte lassen die Würmer hingegen links liegen.

Die Erfinder von Wormup versichern, dass der Betrieb keine Hexerei sei. Sobald sich die Würmer nach zwei bis drei Monaten in den Tongefässen eingelebt hätten, sei der Komposter startklar. Gut gefüttert, könnten sie zwei bis drei Wochen ohne Nachschub auskommen. Dann bestehe auch keine Gefahr, dass die fleissigen Arbeiter abhauen und sich in der Wohnung ausbreiten. Die Würmer, die im Durchschnitt zwei Jahre alt werden, würden sich immer nur bis zum Erreichen der idealen Bevölkerungsdichte des Systems vermehren.

Vor allem für Städter

Die Idee des Wurmkomposters ist nicht neu. «In den USA wird sie beispielsweise auch auf industrieller Ebene angewendet», sagt Sarah Steiner von Wormup. Was bislang fehlte, war jedoch ein Gefäss, das sich insbesondere für städtische Haushalte eignet. So ist es nicht verwunderlich, dass die Gründer alle in Zürich wohnen. Auf den Wurm kamen die vier jedoch aufgrund unterschiedlicher Quellen und Erfahrungen. Sarah Steiner las in einem Buch über das Konzept des Wurmkomposters und ihr Kollege Nikolai Räber wurde durch einen Film inspiriert. Erfahrungen mit der Technik hatte einzig Erich Fässler gesammelt. Der Umweltingenieur experimentierte schon vor zehn Jahren mit Wurmkompostern.

Um die Umsetzung ihrer eigenen Idee zu finanzieren, wandten sich die vier an die Crowd­funding-Plattform Wemakeit. 32 000 Franken war die Zielsumme, um das Projekt aufzugleisen und die Produktion zu starten. Diesen Betrag hatten die Jungunternehmer bereits nach 32 Stunden beisammen. Die erste Lieferung mit 210 Stück ist schon ausverkauft. Und dies, noch bevor die Komposter überhaupt hergestellt sind. Derzeit laufen in einer Tonmanufaktur die Vorbereitungen für die Produktion der Behälter. Luiz Schumacher, der Vierte im Bunde, kümmert sich um das Design.

Systeme für Schulen

Der Home-Komposter eignet sich für einen Haushalt mit ein bis fünf Personen und kostet um die 300 Franken. Die vier Worm­up-Gründer tüfteln aber bereits an einer Weiterentwicklung. Getestet werden sechs grössere Systeme. Zielgruppen sind Kindergärten, Schulen sowie Wohn- und Arbeitsgemeinschaften. Ausserdem arbeitet das Start-up an Modellen, in denen Gastrobetriebe ihren biogenen Abfall entsorgen können. Ein weiteres Projekt ist die Aufbereitung von Pferdemist.

(Landbote)

Erstellt: 06.05.2016, 21:00 Uhr

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