Zürich

­­Das Kandidaten-Trio ist komplett

Die SVP-Delegierten nominierten gestern Hans-Ueli Vogt für den zweiten Wahlgang um den Ständerat. Die GLP teilte mit, dass sie weder Vogt noch Ruedi Noser (FDP) noch Bastien Girod (Grüne) für unterstützenswürdig hält.

Diese drei Kandidaten treten am 22. November nochmals zur Wahl um den Ständeratssitz an: Hans-Ueli Vogt (SVP), Ruedi Noser (FDP) und Bastian Girod (Grüne) (v.l.).

Diese drei Kandidaten treten am 22. November nochmals zur Wahl um den Ständeratssitz an: Hans-Ueli Vogt (SVP), Ruedi Noser (FDP) und Bastian Girod (Grüne) (v.l.). Bild: Marc Dahinden, Walter Pfäffli, Sandra Ardizzone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Hans-Ueli Vogt zieht sich zugunsten des FDP-Ständeratskandidaten Ruedi Noser zurück, wenn im Aargau dafür FDP-Kandidat Philipp Müller zugunsten des SVP-Konkurrenten verzichtet. SVP-Schweiz-Präsident Toni Brunner hatte nach dem ersten Wahlgang vom 18. Oktober für diese Idee geweibelt. Der Zürcher SVP-Kantonalpräsident Alfred Heer fand sie gut: «Wir sind nicht stur», liess er sich zitieren. Müller machte dann allerdings klar, dass er sich nicht dar­auf einlassen will. Und so wurde Vogt nun gestern Abend in Glattfelden von den Parteidelegierten offiziell als SVP-Kandidat für den zweiten Wahlgang nominiert. Der Parteivorstand hatte den entsprechenden Antrag bereits zwei Tage nach dem ersten Wahlgang verabschiedet. Die Delegiertenversammlung hat dem gestern Abend diskussionslos zugestimmt.

Schwierige Ausgangslage

Sowohl Vogt wie auch Parteipräsident Alfred Heer nutzten die Gelegenheit, um noch einmal auf die Punkte hinzuweisen, in denen die SVP Differenzen mit FDP-Kandidat Ruedi Noser hat. Genannt wurden etwa das Verhältnis der Schweiz zur EU, die Armee oder die Landwirtschaftspolitik.

«Wir wollen nicht nur noch einmal antreten, wir müssen sogar – das sind wir unseren Wählern schuldig», sagte Vogt. Heer bezeichnete die Wahlchancen des SVP-Kandidaten als intakt, auch wenn die Ausgangslage schwierig sei.

Um so wichtiger sei deshalb im zweiten Wahlgang nun die geschlossene Unterstützung aller SVP-Wähler. Vogt richtete sich in diesem Zusammenhang auch an die rund 6000 Wähler, die am 18. Oktober zwar die SVP-Nationalratsliste einwarfen, aber seinen Namen nicht auf auf den Ständeratswahlzettel schrieben. Es gehe bei der Wahl nicht um seinen «Grind, Bart oder Beruf», sondern um die politischen Positionen der SVP.

Nachdem Daniel Jositsch (SP) die Wahl bereits im ersten Anlauf geschafft hat, ist noch ein Zürcher Ständeratssitz frei. Neben Vogt und Noser tritt auch der Grüne Bastien Girod noch einmal an. Alle sind nun offiziell nominiert, keiner gilt als von vorneherein aussichtlos. Entscheidend wird sein, wer wie viele Stimmen von ausserhalb der eigenen Wählerschaft erhält.

Die Grünliberalen finden keinen der drei unterstützungswürdig. Ihr Kandidat Martin Bäumle hatte sich nach seinem enttäuschenden Abschneiden im ersten Wahlgang zurückgezogen. Gestern verschickte die Partei ihre Wahlempfehlung. An Noser wird bemängelt, dass er sich nicht klar und deutlich auf ökologische Anliegen festlegen lasse. Es sei unklar, ob er nun für oder gegen den Atomausstieg sei. Und jedesmal, wenn es konkret werde, stimme er mit der Gegenseite. Girod wiederum ist der GLP zu links. So habe er etwa die Volksin­itia­ti­ve 1:12 unterstützt, heisst es in der Medienmitteilung. Und weiter: «Sogar das völlig surreale und nur bei den äussersten Linken ankommende Anliegen eines bedingungslosen Grundeinkommens fand seine Unterstützung.»

Die Wahlempfehlung kontrastiert mit Aussagen Bäumles, als er selber noch im Rennen war und fand, dass er zusammen mit Noser die ideale Zürcher Standesvertretung abgeben würde. Sie kontrastiert auch mit der Wahlempfehlung, welche der Vorstand der Jungen Grünliberalen am Montag getroffen hat. Die Jungpartei der Grünliberalen unterstützt Girod.

Sollen die nicht jungen grünliberalen Wähler nun zu Hause bleiben am 22. November? «Nein, das ist nicht die Meinung», sagt Kantonalparteipräsident Thomas Maier. Es werde grünliberale Stimmen für Noser und für Girod geben. Für wen von beiden mehr, dazu will er sich nicht auslassen. Er selber werde Noser wählen.

Die CVP (im ersten Wahlgang mit Barbara Schmid-Federer mit von der Partie) und die EVP (welche mit Maja Ingold antrat) haben sich auf Nosers Seite geschlagen. Die BDP entscheidet heute Abend. Sie dürfte sich wie im ersten Durchlauf hinter Noser stellen. Die EDU wird wie im ersten Wahlgang vermutlich keine Empfehlung abgeben, wie Wahlkampfleiter Thomas Lamprecht sagt.

Linke nicht ganz geschlossen

Mit zwei Kandidaten im bürgerlichen Lager zersplittern sich die Stimmen, was Girod hoffen lässt. Allerdings präsentiert sich auch die Linke nicht durchweg geschlossen. Zwar gilt die SP-Wahlempfehlung des ersten Wahlgangs für Girod weiter. Aber es gibt nun auch SP-Exponenten im Unterstützungkomitee von Noser, etwa den früheren Zürcher Stadtpräsidenten Elmar Ledergerber oder Werber Hermann Strittmatter. Letzterer beschrieb in der «NZZ am Sonntag» das Duo Jositsch/Noser als ideale Mischung «liberaler Sozi und sozialer Liberaler». Alt-SP-Regierungsrat Markus Notter bezeichnete die Verhinderung von SVP-Kandidat Vogt als linkes Motiv für eine Wahl von Noser. (Der Landbote)

Erstellt: 28.10.2015, 23:03 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Den Landboten digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!