Zürich

ZKB profitiert von Swisscanto

Die Übernahme der Fondsgesellschaft Swisscanto bescherte der Zürcher Kantonalbank 2015 einen Gewinnsprung. Der Kanton und die Gemeinden können sich auf eine höhere Ausschüttung freuen. Nur bedingt erfreulich ist hingegen der Ausblick auf das laufende Jahr.

Die Zürcher Kantonalbank im Geschäftshaus Hard.

Die Zürcher Kantonalbank im Geschäftshaus Hard. Bild: Keystone

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Die Zürcher Kantonalbank (ZKB) erzielte im Geschäftsjahr 2015 einen Gewinn in der Höhe von 722 Millionen Franken. Das sind 12 Prozent mehr als im Vorjahr. Etwas weniger als die Hälfte des Gewinns soll an den Kanton und die Gemeinden ausgeschüttet werden, was einer Steigerung von 22 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.

Erzielt wurde das Ergebnis in einem für die Bank schwierigen Umfeld. «Es gibt keine andere Universalbank, die von den Negativzinsen so stark betroffen ist wie die ZKB», sagte Martin Scholl, Vorsitzender der Generaldirektion, gestern vor den Medien. Die Bank habe im vergangenen Jahr «einen Härtetest bestanden». Mehr als die Hälfte der Erträge der ZKB stammen aus dem Zinsengeschäft. Weil die Zinsen schon seit Jahren tief sind, ist auch die Marge der Banken in diesem Geschäftsbereich geschrumpft. Dass die ZKB die Erträge des Zinsengeschäfts im vergangenen Jahr steigern konnte, ist auf das Wachstum bei den Hypotheken zurückzuführen. Die Hypothekarforderungen sind um 3,2 Prozent auf rund 73,6 Milliarden Franken gestiegen.

Positiver Einfluss der Swisscanto-Übernahme

Einen wesentlich grösseren Beitrag zum Gewinnsprung als das Zinsengeschäft leistete die Integration der zugekauften Fondsgesellschaft Swisscanto. Der im Vergleich zum Vorjahr um mehr als einen Viertel gestiegene Erfolg im Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft ist vor allem auf diese Akquisition zurückzuführen. Auch die Höhe der Kundenvermögen ist durch die Übernahme um rund einen Viertel angestiegen.

Swisscanto war früher der Fondsanbieter aller Schweizer Kantonalbanken. Im Frühling 2015 haben diese ihre Anteile an die ZKB verkauft. Vom 1. April 2015 an sind die Ergebnisse der Gesellschaft in die Rechnung der ZKB eingeflossen. Ab dem laufenden Jahr sollen sich auch erste Synergieeffekte bemerkbar machen. Mit der Übernahme von Swisscanto will die ZKB ihre Ertragsbasis diversifizieren, sprich, die Abhängigkeit vom anhaltend schwierigen Zinsengeschäft reduzieren.

Das dritte und kleinste Standbein der ZKB, das Handelsgeschäft, hat sich im vergangenen Jahr ebenfalls positiv entwickelt. Dazu beigetragen hat unter anderem ein reger Devisenhandel nach der Aufhebung des Euromindestkurses am 15. Januar 2015.

Dem Kanton wird die ZKB für das Geschäftsjahr 2015 eine Dividende von 200 Millionen Franken überweisen, die Gemeinden erhalten 100 Millionen Franken. Darüber hinaus erhält der Kanton 26 Millionen Franken für sein Dotationskapital sowie 21 Millionen Franken für die Abgeltung der Staatsgarantie.

Das positive Geschäftsjahr macht sich auch in gestärkten Kapitalisierung bemerkbar. Mit einer Gesamtkapitalquote von 17,9 Prozent gehört die Zürcher Staatsbank laut eigener Aussage zu den am besten kapitalisierten Banken weltweit. Die ZKB könnte also einiges an finanziellen Rückschlägen einstecken, ohne gleich ins Trudeln zu geraten.

Die Wirtschaft ist nicht gut ins neue Jahr gestartet

Verhaltener als das Jahresergebnis 2015 fiel an der gestrigen Bilanzmedienkonferenz der Ausblick auf das laufende Geschäftsjahr aus. «Die Wirtschaftsneuigkeiten der letzten Tage und Wochen waren alles andere als erfreulich», sagte Bankrats-Präsident Jörg Müller-Ganz. An den Börsen hat das neue Jahr mit Verlusten begonnen, vor allem Aktien von Banken gerieten stark unter Druck. Die Titel Credit Suisse etwa liegen 40 Prozent im Minus. Der Schweizer Wirtschaft droht infolge der Frankenstärke vor allem in der Industrie ein weiterer Stellenabbau. «Die Auswirkungen des 15. Januar 2015 sind noch nicht vollständig in der Volkswirtschaft angekommen. Die Arbeitsplatzverlagerung ist im Gange», sagte Scholl.

Trotzdem will die ZKB laut Scholl auch 2016 ein «ansprechendes Ergebnis erwirtschaften». Ob dieses sich auf der Höhe des Ergebnisses 2015 bewegen werde, hänge jedoch von der weiteren Entwicklung des Umfelds ab. «Es kann also durchaus auch darunter sein.» (Landbote)

Erstellt: 12.02.2016, 23:00 Uhr

Warten auf die Quittung aus den USA

Im Steuerstreit mit den USA ist für die ZKB und andere Schweizer Banken eine Einigung immer noch ausstehend.

Dutzende Schweizer Banken müssen dem US-Justizdepartement Rechenschaft über ihren Umgang mit Kunden aus den USA ablegen. Ursprünglich wollte das Justizdepartement die Angelegenheit schon bis Ende 2015 abgeschlossen haben. Eingehalten werden konnte dieser Zeitplan jedoch nicht. Ende Januar konnte sich mit der ehemaligen Hyposwiss Privatbank Zürich die letzte Bank aus der Kategorie 2 mit den US-Behörden einigen. Die Hyposwiss wurde 2014 in die St.?Galler Kantonalbank integriert. Zur Kategorie 2 gehören Banken, die davon ausgehen, US-amerikanisches Recht verletzt zu haben.

Nun kann sich das US-Justizdepartement auf die Arbeitung der Banken aus der Kategorie 1 konzentrieren. In diese Kategorie wurden Banken automatisch eingeteilt, falls gegen sie in den USA bereits eine Strafuntersuchung eingeleitet wurde. Zu den Kategorie-1-Banken zählen unter anderen die Zürcher Kantonalbank (ZKB) sowie die Basler Kantonalbank. Neuigkeiten zum Fortschritt der Verhandlungen gab die ZKB-Leitung gestern keine bekannt. «Zum Steuerstreit informieren wir, wenn es soweit ist», sagte ZKB-Chef Martin Scholl. Auch zur erwarteten Höhe einer Busse zur Beilegung des Steuerstreits machte die ZKB bislang keinerlei Angaben. Schätzungen dazu reichen von 200 bis 600 Millionen Franken. ple

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