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Taxifahrt mit Uber wurde einer jungen Betrunkenen zum Verhängnis

Weil sie betrunken war, liess sich eine junge Frau nachts von einem Uber-Fahrer nach Hause bringen. Unterwegs kam es zu sexuellen Handlungen. Sie habe sich nicht dagegen wehren können, sagt sie. Er behauptet, die Frau habe es darauf angelegt.

Was in dem Uber-Fahrzeug geschah, ist umstritten. Die Staatsanwaltschaft See/Oberland wirft dem heute 48-jährigen Fahrer vor, er habe eine stark betrunkene Frau sexuell missbraucht.
Was in dem Uber-Fahrzeug geschah, ist umstritten. Die Staatsanwaltschaft See/Oberland wirft dem heute 48-jährigen Fahrer vor, er habe eine stark betrunkene Frau sexuell missbraucht.
Symbolbild, Keystone

An der Geburtstagsparty eines Freundes schlug sie über die Stränge: Eine 19-Jährige aus dem Bezirk Meilen trank so viel Alkohol, bis sie sich übergeben musste und ihre Freunde ein Taxi für sie bestellten, das sie sicher nach Hause bringen sollte.

Über sein Smartphone orderte einer ihrer Kollegen einen Wagen beim Unternehmen Uber, das via App zwischen Fahrern und Kunden vermittelt. Um drei Uhr morgens stieg die junge Frau ins Auto. Weil es ihr schlecht war, bestand der Fahrer darauf, dass sie sich auf den Beifahrersitz setzte.Was danach geschah, ist umstritten und wurde gestern – etwas mehr als ein Jahr danach – am Bezirksgericht Meilen verhandelt. Die Staatsanwaltschaft See/Oberland wirft dem heute 48-jährigen Fahrer vor, er habe die urteils- und widerstandsunfähige Frau sexuell missbraucht. Sie forderte vom Gericht, ihn der Schändung schuldig zu sprechen.

Gemäss Anklage hat der Mann – dessen Tochter fast gleich alt ist wie seine damalige Passagierin – die junge Frau noch während der Fahrt geküsst und unsittlich berührt. Dazu soll er gar einen Zwischenstopp auf einem Parkplatz in Küsnacht eingelegt haben. Statt die Frau direkt nach Hause zu bringen, fuhr er danach nach Zumikon, wie die Daten von Uber zeigen. Dort kam es in einer Seitenstrasse zum Geschlechtsverkehr.

«Sie hat mich provoziert»

Die Version des Beschuldigten lautet anders. Der ehemaliger Taxifahrer, der zum Zeitpunkt des Vorfalls bereits einen anderen Beruf ausübte, über den Dienst UberX aber noch nebenberuflich Fahrten durchführte, stritt alles ab. Der in der Schweiz geborene Italiener sagte in Anwesenheit des sichtlich aufgewühlten Opfers, deren Eltern und Freundinnen aus, es sei «alles im gegenseitigen Einvernehmen» erfolgt. Als die Frau gesagt habe, er solle aufhören, weil sie sich übergeben müsse, sei er zudem sofort von ihr gewichen. Auch behauptete er, die Initiative sei von ihr ausgegangen. «Sie sagte zu mir: Ich bin ein bisschen betrunken, sehe ich trotzdem gut aus? Würdest du mich küssen und berühren? – Sie hat mich provoziert.»

Dieses Verhalten stünde im Widerspruch zur Aussage des Freundes, der für die junge Frau das Taxi bestellt hatte. Er hatte zu Protokoll gegeben, die 19-Jährige habe aufgrund ihres Alkoholkonsums «kaum noch stehen und sprechen können». Die Eltern, vor deren Haus der Fahrer seine Passagierin schliesslich ablieferte, sagten ebenfalls aus, sie sei «sturzbetrunken» und komplett aufgelöst gewesen. Die Polizei berechnete rückwirkend eine Alkoholkonzentration zwischen 1,9 und 2,8 Promille.

«Er nutzte ihren wehrlosen Zustand aus.»

Staatsanwältin

«Ich habe sie zu nichts gezwungen», sagte der bereits vorbestrafte Beschuldigte beharrlich. Die Richterin erklärte ihm mehrmals, dass es nicht darum gehe, ob er Gewalt angewendet habe. «Wir prüfen, ob die Geschädigte in ihrem Zustand noch eigenständige Entscheide fällen konnte und falls nein, ob Sie ihre Urteilsunfähigkeit hätten erkennen müssen.»

Für die anklagende Staatsanwältin war klar: «Er nutzte ihren wehrlosen Zustand aus.» Der Beschuldigte habe zudem in der polizeilichen Einvernahme jeweils nur das gestanden, was man ihm nachweisen konnte. «Erst als er begriff, dass ihn ein DNA-Spurenabgleich der Lüge überführen könnte, hat er die sexuelle Handlung zugegeben.» Zuerst habe er sich nicht daran erinnern wollen, dass in jener Nacht etwas Ungewöhnliches vorgefallen sei.

Verteidiger will Freispruch

Die Staatsanwältin beantragte eine Freiheitsstrafe von 24 Monaten, wovon 8 Monate vollzogen und 16 Monate bedingt ausgesprochen werden sollen. Die Anwältin der Klägerin forderte überdies eine Genugtuung von 10 000 Franken sowie Schadenersatz in noch unbekannter Höhe für gegenwärtige und zukünftige therapeutische Behandlungen der jungen Frau.

Der Verteidiger verlangte einen Freispruch, andernfalls eine Verurteilung wegen sexueller Belästigung. Sollte sein Mandat dennoch wegen Schändung verurteilt werden, verlangt er eine Freiheitsstrafe von 18 Monaten, wovon der Fahrer sechs Monate absitzen müsste. Der Verteidiger sprach von einer «höchst unrühmlichen Taxifahrt», die Situation sei «aufgrund falscher Einschätzung ausgesendeter Signale ausgeufert». Die Klägerin könne sich zudem gar nicht mehr richtig erinnern, was vorgefallen sei – sie habe lediglich Vermutungen, die auf Gefühlen basierten.

Das Gericht fällte gestern noch kein Urteil. Der Fahrer befindet sich auf freiem Fuss, arbeitet aber nicht mehr für Uber. Das Unternehmen hat sein Konto nach dem Vorfall gesperrt.

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