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Verteidigung will Freispruch im Fall «Godzilla»

Die Fitnesstrainerin, die ihren Freund mit fünf Schüssen tötete, hat vor dem Zürcher Obergericht einen Freispruch gefordert: Der Kampfsportler habe sie angegriffen, sie habe sich in Todesangst gewehrt, machte sie geltend.

Im Verlaufe des Donnerstag wird das Obergericht Zürich das Urteil eröffnen.
Im Verlaufe des Donnerstag wird das Obergericht Zürich das Urteil eröffnen.
Keystone

Die Fitnesstrainerin, die ihren Freund mit fünf Schüssen tötete, hat vor dem Zürcher Obergericht einen Freispruch gefordert: Der Kampfsportler habe sie angegriffen, sie habe sich in Todesangst gewehrt, machte sie geltend. Der Staatsanwalt verlangt hingegen eine Freiheitsstrafe von achteinhalb Jahren.

Die heute 35-Jährige schoss auf ihren Freund. Fünfmal drückte sie am Abend des 17. Novembers 2012 ab. Bei den beiden letzten Schussabgaben lag der Türsteher und Kampfsportler, der unter dem Namen «Godzilla» bekannt war, bereits wehrlos am Boden.

Die Schweizerin machte am Donnerstag vor dem Obergericht Zürich - wie vor dem Bezirksgericht - geltend, dass der unter Drogen stehende Brasilianer sie angegriffen habe. Sie habe lediglich in Todesangst und Panik reagiert.

«Ich fühlte mich verfolgt»

Weshalb sie noch weiter gefeuert habe, als der unbewaffnete Mann am Boden lag, fragte der vorsitzende Richter. Dies habe sie gar nicht gesehen, gar nicht wahrgenommen, antwortete die Fitnesstrainerin. «Ich fühlte mich nach wie vor verfolgt, ich sah alles nur schemenhaft, es war wie Rauch.»

Sie ist nach wie vor überzeugt: «Er griff mich an, ich reagierte nur.» Dass es an jenem Abend so weit gekommen sei, sei die Schuld ihres aggressiven Freundes, sagte sie vor Gericht.

Das Gericht hakte mehrmals nach: Weshalb sei sie überhaupt zu ihrem Freund gefahren? Weshalb habe sie an jenem Abend überhaupt zum ersten Mal eine Pistole mitgenommen? Habe sich damals nicht ihr Freund, wie vorliegende SMS suggerieren, von ihr trennen wollen?

Die Beziehung der beiden war kompliziert. Die Beschuldigte bezeichnete sie als «On-Off-Beziehung». An jenem Abend habe sie - trotz Angst - ihren Freund, der eifersüchtig war, beruhigen wollen. Die Waffe habe sie aus einem unüberlegten Impuls heraus eingepackt. Zur Abschreckung, nicht für einen Einsatz, wie die 35-Jährige sagte.

Wie lange hielt Notwehrlage an?

Das Bezirksgericht Zürich hatte die Frau im März 2015 der vorsätzlichen Tötung schuldig gesprochen und sie zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren verurteilt, was dem Minimum entspricht. Bei den ersten Schüssen ging es von einer Notwehrlage aus. Bei den letzten sprach es von einem nicht entschuldbarem Notwehrexzess.

Vor Obergericht forderte die Verteidigerin der in der Sache an sich geständigen Beschuldigten einen Freispruch vom Vorwurf der vorsätzlichen Tötung. Ihre Mandantin habe sich vom 1.94 Meter grossen, doppelt so schweren Muskelmann bis zuletzt bedroht gefühlt, den sie als Schatten wahrnahm. Sie habe sich damit in einem Sachverhaltsirrtum befunden.

Der Staatsanwalt, der vor der ersten Instanz eine Freiheitsstrafe von 13 Jahren gefordert hatte, plädierte am Donnerstag für eine Strafe von achteinhalb Jahren. Er sprach von «völlig überflüssigen letzten Schüssen». Der Darstellung der Beschuldigten, dass sie alles nur schemenhaft wahrnahm, glaubte er nicht: «Es war ihr möglich, den Mann immer zu lokalisieren und immer zu treffen.»

Das Obergericht dürfte das Urteil voraussichtlich im Verlaufe des Donnerstags eröffnen.

SDA/mcp

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