Rapperswil-Jona

Wenn auch der Goldfisch mit ins Kino darf

Zur Schweizer Vorpremiere von «The Secret Life of Pets» dürfen Zuschauer ihre Haustiere mitbringen. Tierschützer finden das Experiment wenig lustig.

Karikatur: Owley

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Mit Struppi auf dem Kinosessel kuscheln, mit dem Hamster dem Filmende entgegenfiebern, der Katze statt dem Schatz das Pfötchen streicheln. Vorn auf der Leinwand spielt der Film, im Saal bellen Fifi und Bello um die Wette, Katzen miauen, Wellensittiche flattern über die Köpfe der Zuschauer: Was wie eine verrückte Szene aus einem Kinderbuch klingt, spielt sich vielleicht schon bald im Kino Rapperswil ab.

Die Kinoevent GmbH organisiert in der Kinobar Leuzinger eine Filmvorstellung für Haustiere. Zur Schweizer Vorpremiere eines Tier-Animationsfilms («The Secret Life of Pets») dürfen die Zuschauer ihre tierischen Freunde mitbringen: Erlaubt sind Hunde, Katzen und andere Kleintiere wie Hamster, Ratten oder Kaninchen ­­– Hauptsache, das Tier ist stubenrein. Auch wer seinen Kanarienvogel im Käfig bei sich trägt oder den Goldfisch im Mini-Aquarium ausführt, ist willkommen. «Im Kino wird ein Arche-Noah-Feeling aufkommen», sagt Cécile Simoness, Leitung Marketing und Events bei der Kinoevent GmbH.

Hunde müssen ins Parterre

Mit dem Vorhaben wage das Kino Rapperswil ein «kreatives und etwas schräges Experiment», sagen die Organisatoren. Die Idee kommt vom Film selbst: Dieser spielt mit der Frage «Was machen deine Haustiere, wenn du nicht zu Hause bist?». Es sei ein amüsanter Film, für den man sich ­etwas Spezielles habe einfallen lassen, sagt Simoness. «Wir sind bekannt für unsere ausgefallenen Ideen.» Im Zentrum stehe das besondere Kinoerlebnis.

Wie das Ganze in der Praxis aussieht, sei im Detail noch nicht ganz klar. Fest steht: Zwischen den tierischen Zuschauern und ihren Nachbarn werden jeweils zwei Kinosessel leer stehen ­­– sozusagen als Sicherheitsabstand. Wer mit seinem Haustier wo sitzen darf, entscheiden die Kino­betreiber vor Ort. Damit Katzen und Hunde nicht direkt aufeinandertreffen, werden die Katzen und ihre Besitzer auf dem Balkon, die Hundehalter unten im Parterre platziert. «Hunde werden die unkompliziertesten Gäste sein», sagt Simoness. «Sie werden sich vermutlich vor ihren Herrchen oder Frauchen auf den Boden legen.» Katzen erwarte sie nicht viele: Wenn, dann müsse es fast eine Wohnungskatze sein ­­– eine Katze bringe man schliesslich kaum dazu, still zu sitzen.

Schlangen und andere Exoten

Mit welchen Tierarten die Gäste letztlich ins Kino spazieren, davon lassen sich die Organisatoren überraschen: Man setze jedoch auf die Eigenverantwortung der Tierhalter. «Die Haustiere sollten daran gewöhnt sein, sich in einem Raum mit vielen Leuten aufzuhalten», sagt Simoness. Für den Fall, dass Besucher mit Exoten auftauchen, etwa einer Schlange, sind Fachpersonen vor Ort. Sie entscheiden, ob ein Tier ein Sicherheitsrisiko darstellt und besser draussen bleibt.

Vorher Gassi gehen

Damit Filou und Miezi die Kinosessel nicht schmutzig machen, wollen die Kinobetreiber die Sitze mit Decken überziehen. Den Hundehaltern werde nahegelegt, vorher schnell Gassi zu gehen, ­damit das Tier sein Geschäft verrichten kann. Zudem würde der Kinosaal hinterher ­­– wie nach jeder Vorstellung ­­– ausgiebig gereinigt. «Wir rechnen nicht damit, dass das Kino nachher speziell schmutzig ist», sagt Simoness: Kinder und Jugendliche würden das Kino mit Popcorn, Glace zwischen den Sitzen und ausgeleerten PET-Flaschen oft genauso verschmutzen.

Bedenken, dass das Vorhaben für die Tiere nicht artgerecht sein könnte, haben die Organisatoren keine: Im Kino sei es nicht lauter als im Einkaufszentrum oder im Restaurant, wo viele ihre Hunde regelmässig dabei hätten.

Kritik vom Tierschutz

Tierschützer sehen das anders. Hedy Kessler vom Tierschutz Linth kritisiert das Kinoexperiment: Haustiere mit ins Kino zu nehmen, das sei nun wirklich nicht angebracht. «Tierhalter sollten sich lieber zu Hause art­gerecht um ihr Haustier kümmern.» Im Kinosaal könnten Hunderassen aufeinandertreffen, die sich «nicht riechen» könnten und aufeinander losstürmen, warnt sie. Zudem hätten gerade Katzen ein sehr sensibles Gehör. Kessler appelliert an die Vernunft der Tierhalter und rät, von einem solchen Kinobesuch abzusehen.

Vorpremiere «The Secret Life of Pets»: Mittwoch, 27. Juli, 20 Uhr, Kinobar Leuzinger. Reservation: 055 210?73?33/ticket@kinoevent.ch. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 14.07.2016, 18:30 Uhr

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