Gesundheit

Wenn das Auge unter Druck gerät

Wer auch in späteren Jahren noch lesen, Auto fahren und am Computer arbeiten will, sollte seine Augen regelmässig kontrollieren lassen.

Regelmässiges Messen des Augendrucks hilft bei der Früherkennung eines Glaukoms.Erste Messungen werden mit Luftstrahl ausgeführt.

Regelmässiges Messen des Augendrucks hilft bei der Früherkennung eines Glaukoms.Erste Messungen werden mit Luftstrahl ausgeführt. Bild: Shotshop

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Es ist eine heimtückische Erkrankung: Wenn der Druck im Auge zwischen Linse und Hornhaut ansteigt, kann der Sehnerv Schaden nehmen. Es kommt zu einem sogenannten Glaukom – im Volksmund auch grüner Star genannt. Betroffene spüren lange nichts von diesem fortschreitenden Prozess. Zwar wird das Gesichtsfeld zunehmend eingeschränkt, doch das Gehirn vermag die entstehenden Lücken anfangs noch zu kompensieren.

Ohne Behandlung droht Erblindung

Bis sich die ersten Symptome bemerkbar machen, ist der Sehnerv meist schon unwiderruflich geschädigt. «Wir können den Vorgang nur noch stoppen, aber nicht mehr rückgängig machen», sagt Helmut Binder, Augenarzt an der Pallas-Klinik in Winterthur. Ohne Behandlung droht die allmähliche Erblindung. Weltweit ist der grüne Star eine der häufigsten Ursachen für Erblindungen. Allein in der Schweiz verlieren deshalb jedes Jahr bis zu 200 Menschen ihr Augenlicht.

Der erhöhte Augeninnendruck entsteht durch ein Ungleichgewicht an Produktion und Abfluss von Kammerwasser – eine im ­Auge gebildete Flüssigkeit, die nichts mit der Tränenflüssigkeit zu tun hat. Die Produktion erfolgt im sogenannten Ziliarkörper, einer hinter der Iris gelegenen ringförmigen Struktur. Über das siebartige Trabekelwerk an der Vorderseite der Iris fliesst das Kammerwasser wieder ab. Normalerweise sind Produktion und Abfluss so eingestellt, dass der Druck stabil und ungefährlich ist. Bei einem Glaukom wird entweder zu viel davon gebildet oder der Abfluss ist behindert – oder beides.

Manchmal nimmt der Sehnerv aber auch Schaden, obwohl der Augeninnendruck im normalen Bereich liegt. Um diese Art von Glaukom zu entdecken, bedarf es spezieller Untersuchungen. Die Ursache ist bislang noch nicht vollständig geklärt. Umgekehrt muss ein erhöhter Druck nicht zwingend zu einer Schädigung des Sehnervs führen.

In seltenen Fällen kann sich ein Glaukom auch in kürzester Zeit entwickeln. Der sogenannte Glaukomanfall geht mit plötzlich auftretenden Kopfschmerzen und Übelkeit einher. Er muss notfallmässig behandelt werden: Wenn es mit medikamentösen Massnahmen nicht zu einer Besserung kommt, kann mit einem chirurgischen Eingriff oder einer Laserbehandlung eine schnelle Absenkung des Augeninnendrucks erzielt werden.

Grundversicherung zahlt zu spät

In der Schweiz sind etwa zwei Prozent der über 40-Jährigen von einem Glaukom betroffen. Mit der stärkeren Sensibilisierung der Bevölkerung seien schwerwiegende Verläufe in den letzten Jahren zwar seltener geworden, sagt Helmut Binder. Doch im Vergleich zu der Prävention von Krebserkrankungen sei die Früherkennung des Glaukoms immer noch ein vernachlässigtes Thema, bedauert der Augenarzt. «Man stirbt zwar nicht daran, aber eine starke Einschränkung des Sehvermögens oder gar eine Erblindung bedeutet eine grosse Einbusse an Lebensqualität», gibt Binder zu bedenken. Unverständlich findet er, dass die Krankenkassen ihre Versicherten nicht stärker aufklären. Denn die Früherkennung sei sicherlich günstiger als die Folgekosten bei einer fortgeschrittenen Erkrankung. Die Untersuchungen werden von der Grundversicherung nur übernommen, wenn bereits Symptome wie Einschränkung des Gesichtsfelds vorhanden sind.

Regelmässige Kontrollensind sinnvoll

Helmut Binder rät allen Personen ab 40, die Augen alle drei Jahre kontrollieren zu lassen. Ab 50 sogar alle zwei Jahre und ab 60jedes Jahr. Offizielle Empfehlungen zu einer flächendeckenden Untersuchung gibt es in der Schweiz jedoch nicht. Das Bundesamt für Gesundheit verweist auf Expertisen von ausländischen Regierungsstellen und internationalen Fachorganisationen. Diese erachten ein flächendeckendes Screening allesamt nicht für sinnvoll.

Tests zur Früherkennung werden lediglich Personen mit erhöhten Risikofaktoren empfohlen. Dazu gehört jedoch ein grosser Prozentsatz der Bevölkerung: Personen mit Kurz- oder Weitsichtigkeit, stärker pigmentierte Menschen wie Asiaten oder Afrikaner, solche mit Arteriosklerose oder Durchblutungsstörung sowie erblicher Vorbelastung.

Erste Messung des ­Augendrucks per Luftstrahl

Weil ab der zweiten Lebenshälfte sehr viele Menschen Sehhilfen benötigen, sind es häufig die Optiker, welche Personen mit einem auffälligen Befund an einen Augenarzt überweisen. Optiker führen meist routinemässig eine berührungsfreie Augendruckmessung per Luftstrahl durch. Diese gebe einen ersten, hilfreichen Anhaltspunkt, sagt Binder.

Um ein Glaukom vollständig auszuschliessen, braucht es weitere Untersuchungen, die nur ein Augenarzt durchführen kann. Genauere Hinweise liefert das ­sogenannte Tonometer, mit dem der Augeninnendruck durch leichtes Eindellen der Hornhaut gemessen wird. Zuvor betäubt der Arzt die Hornhaut mittels Augentropfen. Die Untersuchung dauere nur etwa eine Sekunde und sei völlig schmerzfrei, versichert Binder.

Zudem beurteilen Augenärzte den Sehnerv mit dem Mikroskop und messen die Dicke der Hornhaut. Weiter steht die Gesichtsfelduntersuchung zur Verfügung, welche einen wichtigen Hinweis auf den Verlauf liefert. Der Patient muss dabei auf Lichtpunkte reagieren, die innerhalb eines halbkugelförmigen Bildschirms aufleuchten.

Zur Behandlung reichen oft Tropfen

Die meisten Fälle eines Glaukoms können mittels Augentropfen gut behandelt werden. Die enthaltenen Wirkstoffe setzen je nach Ursache an verschiedenen Stellen an: Entweder vermindern sie die Produktion des Kammerwassers oder sie verbessern die Durchlässigkeit des Trabekelwerkes, um den Abfluss zu verbessern. Vermögen Augentropfen das Problem nicht zu entschärfen, stehen Operationen oder Eingriffe per Laser zur Auswahl. Eine noch relativ neue Methode ist die sogenannte Kanaloplastik. Dabei wird das natürliche Drainagesystem mithilfe eines Kunststofffadens erweitert. Es handle sich um eine effektive Behandlungstechnik, sagt Binder. «Ein Glaukom kann man gut operieren, auch wenn die landläufige Meinung anders lautet.»

In den Pallas-Kliniken, die ihren Hauptschwerpunkt auf die Augenheilkunde setzen, erfolgen die meisten Augenoperationen ambulant. So auch die Behandlung des sogenannten grauen Stars, der bei über 60-Jährigen sehr häufig ist. Es handelt sich um eine fortschreitende Trübung der Linse, sodass Betroffene ihre Umgebung wie durch einen Nebel wahrnehmen. Seit wenigen Jahren kann man den grauen Star auch mit einer neuartigen Lasermethode operieren. Ausserdem könne man damit gleichzeitig auch Hornhautverkrümmungen korrigieren, erklärt Helmut Binder. «Danach sieht der Patient wieder scharf und klar.»

(Landbote)

Erstellt: 12.07.2016, 14:34 Uhr

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