Wetter

Wenn ein Hurrikan das Wetter in Winterthur ändert

Regen und Herbst statt Wölklein und Spätsommer: Die Hurrikan-Saison auf dem Atlantik wirkt sich in den nächsten Tagen auf das Wetter in der Region aus. Für die Wetterdienste ist das nicht einfach.

Satellitenaufnahme von Hurrikan «Arthur» im Juli 2014 vor der Ostküste der USA: Derzeit ist Hurrikan «Gaston» auf dem Atlantik unterwegs. Sein Einfluss wird sich bis Anfang nächster Woche auch bei uns bemerkbar machen.

Satellitenaufnahme von Hurrikan «Arthur» im Juli 2014 vor der Ostküste der USA: Derzeit ist Hurrikan «Gaston» auf dem Atlantik unterwegs. Sein Einfluss wird sich bis Anfang nächster Woche auch bei uns bemerkbar machen. Bild: Keystone

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«Am Montag trotz ausgedehnteren Wolkenfeldern zeitweise sonnig, aber auch ein paar Schauer möglich. Um 26 Grad.»: So lautete der Wetterbericht des Wetterdienstes Meteoschweiz für den Grossraum Zürich noch am Mittwoch. Warmes, allenfalls durch einen kurzen Regensprutz getrübtes Spätsommerwetter – für Anfang September wären das keine schlechten Aussichten gewesen.

Bereits gestern änderte sich dann aber die Prognose plötzlich. «Am Montag meist stark bewölkt und einige Niederschläge, besonders entlang der Alpen. Um 17 Grad.», war da zu lesen. So ähnlich lautet die Prognose bis zum jetzigen Zeitpunkt.

Also Regen statt harmlose Wolken und nass-kühle 17 Grad statt baditaugliche 26 Grad? Da stellt sich die Frage: Wie kann sich eine Wetterprognose in so kurzer Zeit so stark verändert?

Schuld ist ein Hurrikan

Die Antwort liefert Meteoschweiz gleich selber. Im aktuellen Wetterblog nimmt der Wetterdienst darauf Bezug. Schuld an der schlechten Prognose sei die Hurrikan-Saison auf dem Atlantik, heisst es da. Da drängt sich die nächste Frage auf: Kann ein Hurrikan über dem fernen Atlantik tatsächlich das Wetter am Zürichsee, in Winterthur oder in Bülach beeinflussen?

Die Antwort: Er kann!

Atlantische Hurrikane sind Wirbelstürme, die vor der Küste Nordwestafrikas, im Bereich der Passatwindzone entstehen. Sie bilden sich dann, wenn das Meer in diesem Bereich eine Oberflächentemperatur von mindestens 26,5 Grad erreicht hat. Die Stürme ziehen dann unter Verstärkung westwärts. Ihre Zugbahnen führen sie meist durch die Karibik und in den Golf von Mexiko, wo sie teils verheerende Schäden anrichten. Aber auch weite Teile der südlichen USA werden immer wieder von ihnen heimgesucht.

«Gaston» wirbelt alles durcheinander

Immer wieder kommt es aber auch vor, dass ein solcher Hurrikan nicht den «normalen» Weg nimmt. Das passiert dann, wenn der Weg nach Westen irgendwie blockiert ist, beispielsweise durch ein kräftiges Hochdruckgebiet über dem Atlantik. Dann werden die Stürme nach Norden abgelenkt. Irgendwo vor der Küste Neufundlands werden sie dann von der atlantischen Westwindzone, die zwischen Nordamerika und Europa verläuft, «aufgesaugt».

Die auf diese Weise in die Westwindzirkulation integrierten Hurrikane schaffen es zwar meistens nicht bis bis nach Europa und schon gar nicht bis nach Stäfa, Opfikon oder Brütten. Allerdings können sie wegen ihrer Energie das Gefüge auf dem Atlantik, der immerhin der Wettermotor Europas darstellt, stark durcheinanderbringen. Oder anders ausgedrückt: Sie pfuschen der «normalen» Zirkulation ins Handwerk. Die Wettermodelle haben Mühe, dies zu berechnen – so entstehen Probleme bei der Vorhersage im Lang- und Mittelfristbereich.

So ähnlich wird dies auch in den nächsten Tagen ablaufen. Wie Meteoschweiz schreibt, wird Hurrikan «Gaston», der derzeit noch über dem Atlantik unterwegs ist, am Wochenende und Anfang nächster Woche die Rolle des meteorologischen Störenfrieds übernehmen. In einem Punkt war er ja bereits sehr erfolgreich. Er hat die Wettermodelle und somit auch die hiesigen Meteorologen bei der Erstellung der Wetterprognose an der Nase herumgeführt.

Gastons Weg kann übrigens auf der Website des US-Amerikanischen National Hurricane Centers im Minutentakt verfolgt werden. (landbote.ch)

Erstellt: 02.09.2016, 14:15 Uhr

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