SVP

Wider Freiheitsneid und Freiheitsmüdigkeit

Die 31. Albisgüetli-Tagung stand im Zeichen des anbrechenden Wahljahres und des Verhältnisses zur EU. Was Letzteres angehe, werde 2019 zum Schicksalsjahr, sagte Christoph Blocher voraus.

Christoph Blocher: Er spannte in seiner Rede den Bogen aus der Geschichte ins Wahljahr 2019.

Christoph Blocher: Er spannte in seiner Rede den Bogen aus der Geschichte ins Wahljahr 2019. Bild: Keystone

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Man war unter sich. Der Bundespräsident, der regelmässig als Gastredner eingeladen wird, so er sich getraut, wie es jeweils heisst – es ist dieses Jahr Ueli Maurer (SVP). Traditionell hielt er die letzte der drei Reden, welche die Albisgüetli-Tagung der SVP jeweils prägen.

Die letzte, weil der Gast die Gelegenheit erhalten soll, auf Blocher zu reagieren und ihm allenfalls Paroli zu bieten. In der diesjährigen Konstellation war dies weniger angesagt. Wenn schon ging es darum, dem Gastredner vom letzten Jahr Konter zu geben. Es war der damals frisch erkorene FDP-Aussenminister Ignazio Cassis, von der SVP mit ins Amt gewählt und für Alain Berset (SP) im Albisgüetli eingesprungen.

Nach seiner Ansage vor der Wahl, in der Europa-Politik den «Reset-Knopf» drücken zu wollen, redete er im Ablisgüetli dann für die meisten Anwesenden enttäuschend unverbindlich.

Solche Ungemach blieb den 1160 Besuchern und Besucherinnen des Anlasses gestern erspart.1160 Personen sind etwas weniger als letztes Jahr. Das habe aber nicht damit zu tun, dass das Interesse gesunken sei, wie zu ­lesen war. Dies betonte Partei­sekretär Roland Scheck auf Anfrage. Der grosse Saal sei mit 1072 Personen voll besetzt, ebenso der Nebensaal Taverne, wohin die Veranstaltung übertragen werde und der 88 Plätze umfasse. Die Taverne sei beliebt, es habe sich dort eine Art Stamm gebildet.

Aus dem zweiten Nebensaal, dem Uertensaal, habe es aber stets negative Rückmeldungen gegeben. So habe man ihn dieses Jahr nicht geöffnet. Es seien eher mehr Anmeldungen eingegangen als 2018.

Forderungen

«Der Saal ist voll», rief denn auch Parteipräsident Konrad Langhart erfreut aus. Der Landwirt hatte den Öpfelmost für den Apéro spendiert. In seiner Rede gab er den Einpeitscher fürs Wahljahr 2019 mit den Urnengängen für Kantons- und Regierungsrat im März und für die eidgenössischen Räte im Oktober.

Für die SVP wird es schwierig, so lauten die Prognosen. Langhart reihte Forderung an Forderung, und dies offensichtlich so überzeugend, dass er mehrmals von Applaus unterbrochen wurde. Er propagierte unter anderem eine 5-prozentige Steuersenkung, den vollen steuerlichen Abzug der Krankenkassenprämien oder die Steuerbefreiung des AHV-Einkommens.

Einen Lacher erhielt er, als er vom Zürcher Ständeratsduo Nositsch sprach. Wie sich die zwei einig seien bezüglich EU, frage er sich zunehmend, ob die SVP nicht mit zwei Kandidaten für den Ständerat antreten solle, um so eine ungeteilte Zürcher Standesstimme zu ermöglichen. Er erinnerte daran, dass die parteiinterne Bewerbungsfrist noch bis Ende Monat läuft.

Ganz im Zeichen von Europa stand die Rede Blochers. Mit dem Rahmenabkommen werde 2019 zum Schicksalsjahr, so wie 1992 mit der EWR-Abstimmung, sagte er. Und für ihn ist klar: «Wir müssen in die Volksabstimmung.» Für eine selbstbestimmte Schweiz! ­ Er rufe es so laut, dass es auch Cassis im Tessin höre.

Mit Verweis auf die verlorene Selbstbestimmungsinitiative sagte er indes auch voraus, dass es schwierig werde. So vieles sei vom Abkommen tangiert, aber auch unklar daran. Das mache die Materie kompliziert, sodass es letztlich einfach auf ein Für oder Gegen die SVP ­hinauslaufen könnte.

Erinnerungen

Vor allem aber war seine Rede ein durchaus kurzweiliges Schweifen durch die Geschichte. Seine Botschaft: Der Druck auf die Schweiz ist eine Konstante, seit es sie gibt. Das müsse man den Jungen sagen.

Er sprach vom «ständigen Freiheitsneid des Auslandes» und von der «ständigen Freiheitsmüdigkeit im Inland». Er deklarierte die Begriffe als Zitate seines Nachredners Bundespräsident Maurer.

Dieser wiederum stellte zu Beginn seiner Rede klar, dass er nichts zur EU sagen werde. Denn er würde damit nur Blocher wiederholen. So sprach er durchaus nachdenklich über die Welt, die zunehmend aus dem Gleichgewicht ist. Der Twitter-Präsident fand Erwähnung, ebenso der chinesische Wissensdurst. Maurer nannte als Formel fürs Bestehen: Wurzeln, Werte, Weitsicht. Und über allem stehe die Unabhängigkeit. Er nannte sie ein Jahrhundertprojekt. (Zürcher Regionalzeitungen)

Erstellt: 18.01.2019, 23:02 Uhr

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