Zürich

Wie guet kännsch din Dialäkt?

Forschende der Uni Zürich haben ein Game entwickelt, um Dialektkenntnisse der Bevölkerung zu ergründen

Jeder kann spielerisch beim Forschen mithelfen.


Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Es sind alte Stimmen, sie erzählen vom ländlichen Leben, vom Kriegsausbruch, von traditionellen Kochrezepten. Manchmal hört man auch Kuhglocken-Gebimmel im Hintergrund. Oder sind es Geissenglocken? Egal. Hauptsache, die Stimmen sprechen markant Schweizer Dialekte.

Der Zuhörer kann diese per Mausklick auf einer Schweiz-Karte verorten. Trifft er genau den richtigen Ort, gibts 100 Punkte. Liegt er 11 Kilometer daneben, gibts 89 Punkte, und so weiter.

Das Spiel heisst «Tour de suisse: din daläkt». Forschende der Universität Zürich haben es entwickelt, um die Dialektkenntnisse der Schweizer Bevölkerung zu untersuchen – in der Deutsch- und Welschschweiz. Vor Kurzem ist das Spiel unter der Internet-Adresse dindialaekt.ch online gegangen.

Kleinräumige Gliederung

Wer es spielt, wird sich darüber bewusst, wo und wie er in der Schweiz sprachlich-biografisch verortet ist. Ein Selbstversuch des Schreibenden ruft Erinnerungen wach an den Turnlehrer mit dem ausgeprägten Thurgauer Dialekt, an Lehr- und Wanderjahre im Glarnerland, an den Freund mit dem schönen Bündnerdeutsch, an die Freundin aus dem Wallis.

Hinter dem Spiel stecken auch wissenschaftliche Interessen.

Und es zeigt sich: Fehlen solche biografisch-sprachlichen Bezüge, lässt die Treffsicherheit beim Verorten von Dialekten deutlich nach. Während im heimatlichen Zürcher Dialekt die Trefferquote manchmal dorfgenau ist, liege ich bei mir fremderen Dialekten oft zig Kilometer daneben. Gleichzeitig wird mir dabei bewusst, wie kleinräumig die Schweiz mit Dialekten gegliedert ist.

«Din Dialäkt» ist ein Spiel. Doch dahinter stecken auch wissenschaftliche Interessen. «Wie gut Schweizerinnen und Schweizer die verschiedenen Landesdialekte erkennen, wurde bislang noch nicht flächendeckend mit vielen Leuten erforscht», sagt Projektleiterin Marianne Hundt. Sie ist Professorin am Englischen Seminar der Universität Zürich und leitet das Zürcher Kompetenzzentrum Linguistik. Von dort sei die Anregung ausgegangen, die Kommunikation über Sprachforschung mit der Bevölkerung zu verstärken. Hundt hofft, mit dem Online-Spiel möglichst viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer aller Altersklassen zu erreichen.

Zum Computerspiel gehört auch eine Diskussionsplattform und eine Rubrik zur Verschriftlichung von Dialekt. So soll spielerisch mituntersucht werden, welche Varianten festzustellen sind, wenn aus Mundart geschriebene Sprache wird. Dafür gibts Bonuspunkte.

«Dialekte haben hierzulande noch einen grossen, identitätsstiftenden Stellenwert.»

Dass die Tonaufnahmen in dem Online-Sprachspiel älteren Datums sind, hat laut Hundt mit der Verfügbarkeit entsprechenden Materials zu tun: Die Aufnahmen waren im Deutschen Seminar der Uni Zürich bereits vorhanden.

Doch vermischen sich mit zunehmender Mobilität gegenwärtig nicht auch die Dialekte? «Ja und nein», sagt Hundt. «Die Leute passen sich, wenn sie mobil werden, ein Stück weit an.» Gleichzeitig würden sie ihren Dialekt flexibel handhaben. Mit anderen Worten: «Sie reden je nach Umfeld mehr oder weniger ausgeprägt Dialekt.»

Ein Jahr lang mitgamen

In der Schweizer Bevölkerung sei, verglichen mit Deutschland, ein sehr differenziertes Wissen über die Eigenheiten der verschiedenen Dialekte vorhanden, sagt Hundt, die vor neun Jahren aus Deutschland nach Zürich zog. «Dialekte haben hierzulande noch einen grossen, identitätsstiftenden Stellenwert.» Mit wachsender Mobilität könnte sich diese Vielfalt der Dialekte jedoch allmählich verändern. So gesehen, ist das Spiel «Din Dialäkt» auch eine Bestandesaufnahme darüber, welche Dialekte im Bewusstsein der Bevölkerung wie stark präsent sind.

In einem Jahr soll die Auswertung der gesammelten Daten beginnen. So lange kann die Bevölkerung noch mitgamen. Der Schreibende, ein sprachlicher Bastard und Einwanderer, brachte es dabei übrigens auf 776 von 2000 möglichen Punkten. Wie viele Punkte schaffen Sie?

(Der Landbote)

Erstellt: 19.04.2017, 15:22 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Den Landboten digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!