Rümlang

Zürich Openair schafft zwei Rekorde: an Besuchern und an Lärmklagen

82000 Gäste zählte das neunte Zürich Openair, das bis am frühen Sonntagmorgen über die Bühne ging. Rümlang habe das Festival «mit gewohnter Bravur» überstanden, sagt der Gemeindeschreiber.

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Nach vier Tagen ging gestern die neunte Ausgabe des Zürich Openair an der Flughofstrasse in Rümlang zu Ende. Insgesamt pilgerten gemäss Medienmitteilung von gestern rund 82000 Besucherinnen und Besucher auf das Festivalgelände – eine Zahl, die sogar den einstigen Spitzenwert von 80000 im Jahr 2017 übertrifft.

«Das Festival ist sehr gut gelaufen», zieht Rolf Ronner, Feschäftsführer der ZO Festival AG, Bilanz. «Es gab grossartige Shows und es herrschte eine tolle und friedliche Stimmung auf dem Gelände.» Diese Einschätzung teilt auch die Kantonspolizei Zürich. «Die Kapo erlebte das Openair als ruhig und friedlich und konnte die Sicherheit jederzeit gewährleisten», sagt Kapo-Mediensprecher Stefan Oberlin auf Anfrage.

«Neues Phänomen»

Ein Wermutstropfen bleibt indes: Noch nie sind so viele Lärmklagen eingegangen wie dieses Jahr. Die Kantonspolizei zählte zwischen vier und fünf Dutzend Lärmklagen zwischen Mittwoch und Freitag sowie ein bis zwei weitere Dutzend am Samstag. Rund die Hälfte der Anrufe gingen aus der Umgebung ein, die andere Hälfte aus der Stadt Zürich. In den vergangenen Jahren hatte die Festivalorganisation erfolgreich verschiedene Lärmschutzmassnahmen: 2015 lag die Anzahl Beschwerden noch bei 30, 2017 bei einem Dutzend, vergangenes Jahr noch bei «einer Handvoll».

So sieht sich auch Giorgio Ciroli, Gemeindeschreiber von Rümlang, vor ein neues Phänomen gestellt. «Wir bedauern jede Störung und nehmen die einzelnen Klagen ernst.» Er sei selber auf dem Gelände gewesen und habe sich mit der Organisation ausgetauscht. Dort habe man sich nicht erklären können, warum das Festival als so laut empfunden worden sei.

«Der Organisation kann man nichts vorwerfen: Sie haben sämtliche Anliegen aufgenommen und schnell reagiert.» Die Zusammenarbeit mit den Organisatoren, mit der Kantonspolizei, der Sanität und den weiteren Akteuren sei «vorbildlich» gewesen. «Die Gemeinde Rümlang hat das Festival mit gewohnter Bravur überstanden.»

Ciroli betont auch, dass das Zürich Openair für die Region nach wie vor einen grossen Mehrwert darstelle. «Der kulturelle Event zieht Tausende Menschen ins Unterland und schafft der Region einen Namen. Wir bieten ihm eine ungewohnte Kulisse – denn wo kann man sonst ein Konzert des Lieblingsmusikers verfolgen, während ein Langstreckenflugzeug über die Bühne dröhnt?» Alles in allem sei das Rümlanger Festival mit «bombastischer» Stimmung und Tausenden friedlichen Jugendlichen – und nicht mehr so Jugendlichen – über die Bühne gegangen.

Erstellt: 25.08.2019, 17:17 Uhr

Fulminanz und Selbstironie am Zürich Openair

Jorja Smith, Charli XCX, Tommy Genesis, Let’s Eat Grandma, Alli Neumann, Billie Eilish – die Liste könnte so weitergehen. Fest steht: Nie standen so viele Frauen auf der Bühne des Zürich Openair (ZOA) wie im Jahr 2019. Allen voran die 17-Jährige Eilish, die zu Recht als Zukunft des Pop gilt. Wenn sie in ihrem hellgrünen Overall auf die Bühne tritt, lernt man ihre jungen Fans um deren nonchalantes, selbstbewusstes Vorbild zu beneiden. Doch sie brachte die Festivalorganisation kurzzeitig an ihre Grenzen: Kurz vor ihrem Auftritt wurde die Schlange vor dem Festivalgelände so lang, dass die Veranstalter die Tore ohne Bändel-Kontrolle öffneten und Eilishs Konzertbeginn um 20 Minuten nach hinten verschoben.

Damit hatte es sich jedoch mit Chaos am Zürich Openair 2019. Die Organisatoren zeigten, dass sie in den Jahren an Erfahrung gewonnen haben. So funktionierte beispielsweise das bargeldlose Bezahlen über EC-Karten von Anfang an reibungslos. Es wurden mehr Helferinnen und Helfer fürs Mülleinsammeln eingesetzt. Liegengelassene Zelte werden zum Einen ordnungsgemäss entsorgt, zum anderen werden sie an Personen weitergegeben, die diese weiterverarbeiten wollen.

Tanz-Battle auf der Bühne

Den Besucherrekord von 82000 Menschen erreichte das grösste Festival der Region freilich nicht nur mit Billie Eilish. Da waren auch House- und Technogrössen wie The Chemical Brothers, Paul Kalkbrenner, Calvin Harris und die Swedish House Mafia, wobei letztere zwei einander nicht nur in der Höhe ihrer Podeste, sondern auch in der Fulminanz ihrer Bühnenshow konkurrierten (Feuerwerk und Lasershow). Demgegenüber bot Kalkbrenner am frühen Sonntagmorgen einen nahen, fast schon bescheidenen Abschied vom ZOA.

Die Sache mit DJs ist jedoch, dass sie selten Nähe zu ihrem Publikum herstellen. So mochte man sich zwischen all den hämmernden Beats und der Anonymität fast verloren fühlen – bis man, nach vier Tagen idealem Wetter und fast achzig Konzerten bei Macklemore landete. Und stolperte. Denn der Rapper, der mit bürgerlichem Namen Ben Haggerty heisst, zog am Samstagabend alle Register: Wenn er in Vokuhila-Perücke und Glitzer-Umhang auf die Bühne trat, kurzerhand zwei Zuschauerinnen auf die Bühne holte und zu einem Tanz-Battle herausforderte – dann war spürbar, wie selbstironisch und charmant der 36-jähriger Amerikaner und seine Live-Band sind.

Dabei kippte sein Auftritt zu keiner Zeit ins sinnentleerte Entertainment. Macklemore erinnerte mit priesterhaftem Ausdruck daran, dass die Welt «verrückt» sei, und dass der amerikanische Präsident Hass gegen Minderheiten schüre. Und dass es «egal ist, welche sexuelle Orientierung, Hautfarbe oder welchen Pass du hast: Hier bist du willkommen.»

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