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ABB will vor allem im Raum Zürich sparen

Die massiven Einsparungen beim Personal würden vor allem die Zürcher Zentrale treffen, sagte ABB-Konzernchef Ulrich Spiesshofer an einer Telefonkonferenz am Mittwoch in London.

Die ABB will bis Ende 2017 eine Milliarde Dollar einsparen. Betroffen sein wird vor allem die Firmenzentrale in Zürich-Oerlikon.
Die ABB will bis Ende 2017 eine Milliarde Dollar einsparen. Betroffen sein wird vor allem die Firmenzentrale in Zürich-Oerlikon.

Wie viele Stellen wegfallen werden, liess der ABB-Chef offen. Unklar ist auch, ob es Entlassungen geben wird oder ob der Abbau über natürliche Fluktuationen und Umschulungen geschieht. Entlassungen seien nicht ausgeschlossen, sagte eine ABB-Sprecherin auf Nachfrage der Nachrichtenagentur sda.

Ende Juli hatte Spiesshofer in einem Interview mit der «Sonntagszeitung» auf die Frage nach einem Stellenabbau noch Entwarnung gegeben: «Das sehen wir im Moment nicht», sagte er. ABB versuche Mitarbeitende in nicht so gut laufenden Bereichen anderswo einzusetzen: «Im Servicegeschäft etwa, das wir in der Schweiz sehr gezielt ausbauen.» Über Weiterbildung und Umschulung versuche man die Mitarbeiter zu halten.

«Schlanker und beweglicher»

Abgebaut werden soll nun in der Verwaltung - in jenen Bereichen, «die nicht unmittelbar in der Produktion angesiedelt sind», wie es in der Mitteilung zu einem Investorentag in London vom Mittwoch heisst. Man werde sich «als Team insgesamt schlanker, schneller und beweglicher aufstellen», wird Spiesshofer in der Mitteilung zitiert. Der Konzern beschäftigt weltweit zirka 140'000 Mitarbeiter.

Die Gewerkschaft Unia bezeichnete die massiven Kürzungen, «die direkt zum Verlust von Arbeitsplätzen führen würden», als «nicht akzeptabel». Sie fordert die ABB auf, den Dialog mit den Gewerkschaften zu suchen. Es müsse möglich sein, die Arbeitsplätze in der Schweiz zu erhalten, heisst es in einer Mitteilung vom Mittwoch.

Vier statt fünf Sparten

Das Sparprogramm erfolgt im Rahmen eines kompletten Konzernumbaus. ABB will schlanker werden. Aus den bisher fünf Divisionen sollen bis Anfang nächsten Jahres vier werden. Die drei bisherigen Energiesparten gehen in den beiden neu geschaffenen Divisionen Stromnetze und Elektrifizierungsprodukte auf. Die beiden bisherigen Divisionen Industrieautomation und Antriebe sowie Prozessautomation werden angepasst.

Die Kosten des Programms betragen rund 1,2 Milliarden Dollar. Der Konzernumbau ist Teil von ABBs sogenannter Next-Level-Strategie. Mit dieser will ABB bei der operativen Leistung zu den besten Konkurrenten aufschliessen, wie es in der Mitteilung heisst.

ABB hat bereits ein Sparprogramm am Laufen: Jährlich sollen drei bis fünf Prozent der Umsatzkosten eingespart werden. Die angestrebten Einsparungen von einer Milliarde beim Personal bis Ende 2017 kommen nun noch dazu.

Prognose gesenkt

Sparen muss ABB auch deshalb, weil die Ölpreise weiter tief sind, die Weltwirtschaft nur gering wächst und die Konjunktur in den Schwellenländern - insbesondere in China - schwächelt. Konzernchef Spiesshofer hat daher am Mittwoch erneut die Umsatzprognose gesenkt.

Bis 2020 geht ABB nun von einem Umsatzplus von je drei bis sechs Prozent aus. Bisher rechnete der Konzern mit Wachstumsraten von vier bis sieben Prozent. Bereits nach seinem Amtsantritt im Jahr 2013 hatte Spiesshofer die Zielsetzungen seines Vorgängers Joe Hogan gesenkt.

An den Gewinnzielen will der Konzernchef aber nicht rütteln. Die operative Rendite (Ebita) seines Hauses soll nach wie vor 11 bis 16 Prozent erreichen. Der Gewinn je Aktie soll jährlich im Schnitt um 10 bis 15 Prozent zulegen. Auch der laufende, vier Milliarden Dollar schwere Aktienrückkauf werde fortgesetzt.

Der ABB-Chef betonte zudem, sein Haus werde wieder verstärkt zukaufen. Spiesshofers Vorgänger Hogan war ein leidenschaftlicher Firmenkäufer gewesen, der Milliarden ausgeben hatte, um ABB internationaler aufzustellen. Spiesshofer trennte sich indes zuletzt von einigen Randgeschäften in Übersee.

Keine Aufspaltung

Spekulationen über eine anstehende Aufspaltung von ABB in die beiden Hauptbereiche wies Spiesshofer erneut zurück. «Bei ABB bleiben Energietechnik und Automatisierung zusammen», sagte er.

Auch der neue Grossaktionär, die schwedische Beteiligungsgesellschaft Cevian, habe nichts dergleichen gefordert. Bislang höre Cevian zu und habe ABB als gutes Unternehmen gelobt. Es seien keine Forderungen an die Konzernspitze herangetragen worden.

Die Beteiligungsgesellschaft hatte sich kürzlich bei ABB eingekauft und hält gut fünf Prozent der Anteile. Cevian gilt als Investor, der sich aktiv in die Geschäftspolitik bei seinen Beteiligungen einmischt, um den Börsenwert nach oben zu treiben.

Die am Mittwoch vorgelegten Sparpläne von ABB steigerten den Börsenwert nur leicht. Der Aktienkurs legte zwar im frühen Handel auf über 19 Franken zu, sank danach aber wieder. Am frühen Nachmittag lag er noch bei 18,7 Franken, was gegenüber dem Vortag einem Plus von etwa einem Prozent entspricht. Der Gesamtmarkt gemessen am Swiss Market Index (SMI) legte derweil um über zwei Prozent zu.

SDA/mst

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