Zürich

«Züriwerk» schliesst drei Betriebe

Die grösste Institution für Behinderte im Kanton, die Stiftung Züriwerk, arbeitet defizitär. Nun schliesst sie Teilbetriebe in Zürich und Bubikon.

Einer der drei Teilbetriebe, den Züriwerk aufgibt, ist der Velo-Lieferdienst beim Sihlcity.

Einer der drei Teilbetriebe, den Züriwerk aufgibt, ist der Velo-Lieferdienst beim Sihlcity. Bild: Klaus Hoffmann / Züriwerk

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Das Behindertentheater Hora gehört zu den bekanntesten «Produkten» der Stiftung Züriwerk. Geistig Behinderte, etwa solche mit Downsyndrom, erhalten hier Gelegenheit, eine Schauspielkarriere zu starten. Daneben macht Züriwerk als grösste Behindertenstiftung im Kanton noch viel anderes: Fast 500 Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung erhalten die Chance zu arbeiten. Züriwerk erledigt im Auftrag von Firmen einfache manuelle Arbeiten wie schleifen, verpacken, reinigen, gärtnern und vieles mehr. Doch die in Zürich domizilierte Institution mit einem Jahresumsatz von gut 40 Millionen ist finanziell unter Druck. Seit vier Jahren schreibt sie Defizite von rund 300 000 Franken jährlich. Und die Aussichten sind düster. Unter anderem deshalb, weil der Kanton für die gleiche Leistung immer weniger zahlt, wie Direktorin Beata Hochstrasser sagt.

Um sich etwas Luft zu verschaffen, schliesst Züriwerk nun drei Teilbetriebe. Geschlossen wird auf Ende Jahr die Werkbar in Oerlikon. Es handelt sich um einen Gastrobetrieb, der Snacks und andere Verpflegungen anbietet. Betroffen sind acht Arbeitsstellen (verteilt auf mehr Teilzeitangestellte). Ebenfalls auf Ende Jahr schliesst Züriwerk die Gärtnerei in Bubikon, womit vier Arbeitsstellen wegfallen. Sowohl den Klienten als auch den Fachangestellten der beiden Betriebe würden intern andere Jobs angeboten. Oder man unterstütze sie, extern etwas neues zu finden. Bubikon bleibt auch ohne Gärtnerei ein wichtiger Standort für Züriwerk: Der Biohof mit seinem Laden, die Ateliers und Wohnangebote bleiben erhalten.

Pardoxe Situation

Der dritte Teilbetrieb, den Züriwerk aufgibt, ist der Velo-Lieferdienst beim Sihlcity. Das Angebot: Wer seine Einkäufe nicht selber nach Hause transportieren will, kann sie sich von Züriwerk-Leuten nach Hause liefern lassen. Hier gehen ab Mitte 2017 gut 20 Arbeitsstellen verloren. Im Unterschied zu den meisten anderen Projekten werden beim Lieferdienst nicht IV-Empfänger zu einem (bescheidenen) Lohn beschäftigt, sondern Sozialhilfebezüger. Das Paradoxe: «Die Dienstleistung wird sehr gut nachgefragt», sagt die Züriwerk-Medienverantwortliche Sabine Klapper. «Es melden sich zu wenig Fahrer. Um den Service stemmen und rentabel arbeiten zu können, benötigten wir mindestens 30 Leute.» Über die Gründe des Personalmangels rätselt sie. «Wir wissen wirklich nicht warum», so Klapper.

Die Schliessung der drei Betriebe schmerze sie sehr, sagt Direktorin Hochstrasser. Angesichts des finanziellen Drucks bleibe aber keine andere Wahl, als unrentable Bereiche zurückzufahren. Als Hauptverursacher der Geldknappheit nennt sie den Kanton. Gegenüber dem früheren Finanzierer, dem Bund, habe der Kanton das finanzielle Korsett verengt. So erhalte Züriwerk im Rahmen eines Benchmark-Projektes bis 2018 immer weniger Mittel. «Unter dem Regime des Bundes konnten wir noch innovativ sein und neue Angebote für Menschen mit einer Behinderung lancieren», sagt Hochstrasser. Das sei nun nicht mehr möglich.

Kritik am kantonalen Regime regt sich auch im Stiftungsrat, wo nebst anderen Politikern CVP-Kantonsrätin Yvonne Bürgin (Rüti) sitzt. «Ich bin ja sonst sehr fürs Sparen», sagt sie. «Aber hier habe ich grosse Mühe, weil ich sehe, dass Züriwerk jeden Rappen zweimal umdreht, bevor er ausgegeben wird.» Für das Benchmark-Projekt sei die Regierung verantwortlich, nicht der Kantonsrat, betont sie.

Laut Bürgin haben die Behinderten vom laufenden Sparprogamm (Lü16) nichts zu befürchten. Die Regierung habe «stabile Beiträge» versprochen. Sie werde darauf schauen, dass das so eingehalten werde, sagt Bürgin.

Erstellt: 31.08.2016, 19:28 Uhr

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