Umstrittenes Pestizid aus den Regalen verbannt

Fenaco verkauft kein Chlorothalonil mehr, bis der Bund über die Zulassung des Pestizids entschieden hat. Derweil sollen die Landwirte keine neuen Vorräte anlegen.

Ein ganz kurzes Zeitfenster könnte für jene Bauern mit Vorräten an Chlorothalonil teuer werden: Traktor mit einem Spritzgerät beim Einsatz mit Pflanzenschutzmitteln in Birmenstorf. Foto: Christian Beutler (Keystone)

Ein ganz kurzes Zeitfenster könnte für jene Bauern mit Vorräten an Chlorothalonil teuer werden: Traktor mit einem Spritzgerät beim Einsatz mit Pflanzenschutzmitteln in Birmenstorf. Foto: Christian Beutler (Keystone)

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Noch ist der Entscheid nicht gefallen. Der Bund überprüft aktuell, ob er Chlorothalonil aus dem Verkehr und so mit der EU gleichziehen soll. Die Behörden können bei Abbauprodukten von Pflanzenschutzmitteln mit diesem Wirkstoff eine Gesundheitsgefährdung nicht ausschliessen – eine neue Erkenntnis, die Chlorothalonil in diesem Jahr über Nacht zum breit anerkannten Problemfall gemacht hat.

In der Schweizer Landwirtschaft kommt das Fungizid seit rund 50 Jahren zum Einsatz, gegen Pilzbefall vor allem bei Getreide, Gemüse und Reben.  Es wird aber auch ausserhalb der Landwirtschaft verwendet, zum Beispiel auf Sportplätzen oder bei Zierpflanzen.

Nun wird den Bauern noch vor dem Beschluss des Bundes erschwert, an neues Chlorothalonil zu kommen. Der Grund liegt bei der Fenaco, die zu den wichtigsten Abnehmern landwirtschaftlicher Erzeugnisse gehört und vieles verkauft, was die Bauern auf ihren Betrieben brauchen.

Das genossenschaftlich organisierte Unternehmen hat entschieden, keine Chlorothalonil-haltigen Pflanzenschutzmittel zu verkaufen, bis die Zulassungsfrage geklärt ist. Das bestätigt Heinz Mollet, der bei Fenaco die Division Agrar leitet. «Zum Schutz der Kulturen empfehlen wir die Anwendung integrierter Pflanzenschutzmethoden, darunter auch den Einsatz von alternativen Wirkstoffen.»

Andere Wirkstoffe ausreichend

Auch der Schweizer Bauernverband (SBV) will «so rasch als möglich Klarheit schaffen». Er hat am 8. November die Bauernbetriebe aufgefordert, bis zum Entscheid der Zulassungsbehörden Produkte mit dem Wirkstoff Chlorothalonil nicht mehr einzusetzen. Für den Schutz der Kulturen stünden ausreichend andere Wirkstoffe zur Verfügung.

«Die Bauern füllen jeweils im Herbst ihre Lager wieder auf.»David Brugger, Bauernverband

Nur: Ausbringen dürfen die Landwirte Pestizide zwischen dem 1. November und 15. Februar ohnehin nicht. Ist der Aufruf des Bauernverbands damit reiner Aktionismus mit dem Ziel, in der Öffentlichkeit Goodwill zu gewinnen?

Nein, sagt David Brugger, der beim Bauernverband den Geschäftsbereich Pflanzenbau leitet. «Die Bauern füllen jeweils im Herbst ihre Lager wieder auf.» Mit seinem Aufruf will der Bauernverband laut Brugger auch verhindern, dass sich die Landwirte neue Vorräte anlegen – Vorräte, auf denen sie dann womöglich sitzen bleiben, wenn der Bund Chlorothalonil tatsächlich vom Markt nimmt. 

Dürfen Bauern Pestizid aufbrauchen?

 In der EU ist die Zulassung von Chlorothalonil am 31. Oktober ausgelaufen. Im Verkauf ist der Wirkstoff noch bis Ende April 2020 zugelassen. Die Bauern dürfen ihn im kommenden Frühjahr also nochmals einsetzen. Die Aufbrauchfrist endet am 20. Mai 2020. 

Wie das federführende Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) nach einem etwaigen Entzug der Zulassung vorgehen wird, ist noch offen. Gar kein oder nur ein ganz kurzes Zeitfenster könnte für jene Bauern mit Vorräten teuer werden, heisst es in Bauernkreisen. Brugger vom Bauernverband spricht von Beträgen, die im Einzelfall schnell in die Tausende von Franken gehen können.

Lesen Sie jetzt wieso Experten strengere Regeln zum Schutz des Grundwassers fordern und was das mit Pestiziden zu tun hat.

Erstellt: 19.11.2019, 10:52 Uhr

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