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400 tote Fische im TobelbachUnachtsamer Landwirt nach Güllen-Vorfall verurteilt

Auf einem Bauernhof in der Nähe von Neftenbach sind im März 25’000 Liter Gülle ausgelaufen. Nun hat ein 24-Jähriger eine bedingte Geldstrafe erhalten.

Bis zu 25’000 Liter Gülle pumpte die Feuerwehr hier in Neftenbach aus dem Tobelbach.
Bis zu 25’000 Liter Gülle pumpte die Feuerwehr hier in Neftenbach aus dem Tobelbach.
Foto: Urs Jaudas

Für den 24-jährigen Bauern muss es ein Schock gewesen sein. Als er auf den Hof zurückgekehrt war, bemerkte er, dass die Elektropumpe noch immer Gülle von einer Jauchegrube in ein offenes Silo pumpte. Das Silo war längst voll, und die Flüssigkeit war übergetreten. Insgesamt flossen rund 25’000 Liter Tierfäkalien – im Verhältnis eins zu eins mit Wasser vermischt – über Meteorschächte in den Tobelbach.

Sogleich alarmierte der Landwirt die Feuerwehr. Diese pumpte in Neftenbach die Gülle aus dem Bach auf ein Feld. So konnte sie verhindern, dass eine grössere Menge Gülle in die Töss gelangte und noch mehr Schaden anrichtete. Doch für die Tiere im Tobelbach kam die Hilfe zu spät: Mehr als 400 Fische und Tausende kleine Tiere verendeten qualvoll.

Bedingte Geldstrafe

Diese Details über den Vorfall im März gehen aus dem inzwischen rechtskräftigen Strafbefehl gegen den 24-Jährigen hervor. Sie bestätigen Recherchen des «Tages-Anzeigers» (lesen Sie hier dazu mehr). Die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland hat den Mann zu einer bedingten Geldstrafe von 90 Tagessätzen à 80 Franken wegen eines fahrlässigen Vergehens gegen das Gewässerschutzgesetz sowie fahrlässiger Tierquälerei verurteilt. Ausserdem muss er die Verfahrenskosten von 800 Franken bezahlen.

Der Bauer hatte den Umpumpvorgang nicht überwacht, sondern währenddessen in der Werkstatt Maschinen repariert. Als ihn eine Landmaschinenfirma anrief und sagte, er könne bestellte Traktorpneus abholen, verliess er gar den Hof, holte die Reifen ab und kaufte noch in der Landi ein. Erst dann kehrte er auf den Hof zurück.

18 Vorfälle pro Jahr

Dass Gülle in Gewässer läuft, ist im Kanton Zürich in den vergangenen zehn Jahren im Schnitt 18-mal pro Jahr vorgekommen. Meist sind es kleinere Mengen, und Fische sterben dabei selten. Dass gleich 25’000 Liter Gülle auslaufen, ist in zwischen 2010 und 2019 nie festgestellt worden. In diesem Jahr kam es jedoch weniger als zwei Wochen nach dem Vorfall bei Neftenbach zu einem zweiten, noch gravierenderen Vorfall. Dabei liess ein Bauer in Birmensdorf seine Pumpe laufen, als er zu Bett ging. In der Nacht flossen gar 80’000 Liter Gülle über das Hintere Steigbächli durch eine Grundwasserschutzzone in die Reppisch. Fischer zählten Tage danach 80 tote Fische, es dürften aber weit mehr verendet sein. Das Strafverfahren im Birmensdorfer Fall ist laut der Staatsanwaltschaft noch pendent.

Solche Vorfälle mit Gülle sind vergleichsweise selten. Verheerender sind Verschmutzungen durch ätzendes Baustellenwasser, ausgelaufenes Motorenöl oder Schadstoffe von Industrie und Gewerbeanlagen, die in Gewässer fliessen. Die Kantonspolizei rapportiert jährlich weit über hundert solche Verstösse gegen das Gewässerschutzgesetz.

14 Kommentare
    Peter Zürcher

    Ist doch schlimmer als 10min Parkzeit überziehen, gibt aber eine bedingte Geldstrafe? Das ist jetzt aber ein Witz hoffe ich.