Eishockey

Und wieder sieht es nicht gut aus

Die Kloten Flyers sind wie schon in der letzten Saison ungenügend unterwegs. Ein Sieg nach fünf Spielen gegen Teams, die nicht zur nationalen Spitze gehören, ist viel zu wenig.

Roland JauchSean Simpson und die Kloten Flyers haben schwere Zeiten hinter sich. Gibt es Wege und Möglichkeiten, die Situation zu korrigieren?

Roland JauchSean Simpson und die Kloten Flyers haben schwere Zeiten hinter sich. Gibt es Wege und Möglichkeiten, die Situation zu korrigieren? Bild: Keystone

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«Jetzt können wir loslegen», hatte Vincent Praplan nach dem erknorzten und erzitterten ersten Saisonsieg gegen Langnau am Freitag gesagt.

Von wegen loslegen: Tags darauf lagen die Flyers in Lausanne nach 18 Minuten 0:3 zurück. Das 2:4 aus ihrer Sicht (via 1:3 und 1:4) sieht gar nicht so schlimm aus, die Leistung auf dem Eis aber war es. Biel, Fribourg, Zug, Langnau und Lausanne waren die Gegner der Kloten Flyers im ersten Zehntel der Meisterschaft. Alles Mannschaften, deren Saisonziele viele Bezeichnungen tragen dürfen, aber nicht «Meister». Die starken Gegner kommen erst noch.

Und so kann eine erste Bilanz der Kloten Flyers nach einem Zehntel der Qualifikation nur vernichtend ausfallen. Auch wenn diese Spielerei vielleicht verpönt ist: Die bisher geholten Punkte (3) auf 50 Runden hochgerechnet, ergäben 30 Zähler. 43 und 39 erreichten die Rapperswil-Jona Lakers in den zwei letzten Saisons in der NLA, bevor sie abstiegen. In der letzten Saison holten die Flyers in Spiel 6 ihren ersten Punkt, die akuelle Ausbeute sieht nicht wirklich besser aus.

Paradies Klotener Zone

Drei ausländische Stürmer und nur ein Verteidiger stehen im Team. Drei Stürmer, so begründete Sean Simpson, der Sportchef und Trainer, weil die Offensive in der vergangenen Saison zu wenig durchschlagskräftig und effizient gewesen ist. Das Ergebnis bisher ist ernüchternd. Mit 14 erzielten Toren liegt der Klotener Offensiv-Ertrag gering über dem letztjährigen Mittel. Mit 23 kassierten Treffern aber repräsentieren die Klotener die mit Abstand schwächste Defensive des Landes.

Die Klotener Zone wurde mehr und mehr zum Paradies für die gegnerischen Angreifer. Offene Räume und beliebig viel Platz tun sich vor ihnen auf. Allen voran tut sich René Back schwer, er ziert mit minus 7 die Plus-Minus-Statistik auf dem abgefallenen letzten Platz. Die Abwehrquote von Martin Gerber beträgt ungenügende 86,75 Prozent – es passt einfach nichts zusammen. Erik Gustafsson, vom Namen her eigentlich die beste Neuverpflichtung, ist als neuer «Abwehrchef» überhaupt noch nicht in die Gänge gekommen.

Chad Kolarik zeigte zuletzt zwei höchst bescheidene Auftritte und war im ersten Drittel von Lausanne Zuschauer aus nächster Nähe, als zwei gegnerische Treffer fielen. Mark Olver kann kaum Akzente setzen, Tommi Santala muss mit irgendetwas unzufrieden sein, so oft suchte er letzte Woche die Strafbank auf.

Stillstand seit 2012

Seit die Nationalverteidiger Félicien Du Bois und Eric Blum gegangen sind (oder Ende Saison 2013 ziehen gelassen wurden), kränkelt das Flyers-Spiel. Und eben nicht nur die Defensive.

Die Klotener täten gut daran, ihre Strategie noch einmal zu überdenken. Die aktuelle Bilanz müsste eher dafür sprechen, einen zweiten starken ausländischen Verteidiger zu holen. Einen, der mithilft, das Paradies aus der Klotener Zone zu vertreiben, und der auch noch in der Lage ist, im Spiel nach vorne etwas zu bewegen.

Dass die Flyers in den letzten Jahren nicht nur älter geworden sind, sondern auch noch Substanz verloren haben, ist leicht nachvollziehbar. 2012 wurde der Verein zwar vor dem Konkurs gerettet, das sportliche Know-how (Sportchef Jürg Schawalder, Trainer Anders Eldebrink und Felix Hollenstein) aber wurde auf einen Schlag entfernt. Das, was funktionierte, wurde mutwillig zerstört. Ein Entscheid, an dem die Flyers noch heute beissen und an dem sie noch lange beissen werden. Denn der Stillstand seit 2012 bedeutet nichts anderes als Rückschritt.

An guten Transfers getätigt wurden in diesen Jahren: die Rückkehr von Denis Hollenstein und die Ankunft Martin Gerbers 2013. Simpson übernahm kurz vor Weihnachten 2014, ausser bei den Ausländern hatte er kaum noch Spielraum; Simon Bodenmanns Abgang zum SCB stand fest.

Diese Woche sind die kanadischen Besitzer in Kloten, es wird einiges zu diskutieren geben. Die Defensive muss dabei das Hauptthema sein.

Erstellt: 21.09.2015, 09:51 Uhr

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