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Anti-Lockdown-SongVan Morrison hat eine selten infantile Botschaft

Der irische Sänger kritisiert in einem Lied die Corona-Massnahmen als Sklaverei und Faschismus. Das Lied ist grossartig, der Text einfältig.

Van Morrison als Höhepunkt und Abschluss des dreitägigen Open-Air-.Festivals St. Gallen, aufgenommen am Sonntag, 27. Juni 1999.
Van Morrison als Höhepunkt und Abschluss des dreitägigen Open-Air-.Festivals St. Gallen, aufgenommen am Sonntag, 27. Juni 1999.
Foto: Arno Balzarini (Keystone)

Gäbe es einen Gott der schlechten Laune, Van Morrison würde sich ideal für seine Darstellung eignen. Bei seinen Konzerten stellt er eine Uhr gut sichtbar auf die Bühne, die ihm auf die Minute genau anzeigt, wie lange er noch spielen muss. Seine Mitmusiker ignoriert er, das Publikum sowieso.

Hat man das Glück, ihn einmal im Inspirationsmodus anzutreffen, singt dieser Sänger alle anderen an die Wand, und man erinnert sich noch Jahre später an die Gefühle, die er einem mit seiner Stimme und seinen Songs vermittelt hat.

Meistens verbreitet er aber wohlklingende Langeweile, weshalb die wenigsten, die ihn als Sänger lieben, sich seine Launen antun möchten. Der Griesgrämige, so scheint es, hadert mit der Welt und sich selber, und kaum etwas scheint ihn davon abzubringen. Nicht einmal sein eigenes Talent.

Also kann es nicht erstaunen, dass der Sänger ein Protestlied gegen den Lockdown geschrieben und eingespielt hat. Musikalisch und vor allem stimmlich haut er einen um damit, so kraftvoll trägt er das Lied vor, so biegsam und vielfältig klingt seine Stimme, so wirksam lässt er sich von Gospelpiano und Orgel begleiten. Es kommt einem vor, als müsse er mit allen Mitteln sicherstellen, dass wir seine Botschaft hören.

Und das genau ist das Problem. Denn der Text von «No More Lockdown» begnügt sich mit jener Sorte von Klagen, die einem von Demonstrationen und aus dem Netz entgegengellen. Bei ihm geht das dann wörtlich so:

No more lockdown
No more government overreach
No more fascist police
Disturbing our peace
No more taking of our freedom
And our God-given rights
Pretending it’s for our safety
When it’s really to enslave
Who’s running our country?
Who’s running our world?

Der Sänger setzt einen Lockdown nicht nur mit einer Überreaktion der Regierung gleich, sondern er sieht dahinter eine faschistische Polizei, die uns unter dem Vorwand der Sicherheit die Freiheit raubt, uns um unsere gottgegebenen Rechte bringt und unserer Freiheit beraubt. Und so weiter, man könnte meinen, hier würden laufend Demokraten versklavt und es gäbe dieses Virus gar nicht. Noch selten hat man eine so infantile Botschaft mit einer solchen Innigkeit vorgetragen gehört.

Van Morrisons Kollege Eric Clapton hat sich mit ihm solidarisiert. Er liest den Protest als Kritik am Auftrittsverbot, mit dem so viele Musiker während der Corona-Krise bedacht worden sind. Ein Aspekt im Übrigen, den Van Morrisons Song mit keiner Silbe erwähnt.

Was sich als Alternative zu einer Distanzkultur anbieten würde, das weiss keiner von beiden.

16 Kommentare
    M. Schneider1

    Da hat einer den Mut, eine andere Meinung zu äussern und er wird von den politisch Korrekten gleich als "infantil" bezeichnet. Anmassend und arrogant! Ob der Song überdauert, wird sich von alleine weisen. Da ist der B. zu wenig Musiker, um das zu beurteilen. Trotzdem nimmt er sich's heraus, zu urteilen.