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Kommentar zum WintertourismusVergesst die Ausländer – die Ski-Muffel sollen den Winter retten

Die Verbände weibeln in Bern für Corona-Tests an den Flughäfen, um Briten und Holländer anzulocken. Dabei wohnen die Retter in der Nachbarschaft. Aber Achtung, sie sind anspruchsvoller als auch schon.

Lieber in die Beiz statt ständig auf die Piste: Kommenden Winter fahren wohl auch weniger begeisterte Schneesportler in die Berge.
Lieber in die Beiz statt ständig auf die Piste: Kommenden Winter fahren wohl auch weniger begeisterte Schneesportler in die Berge.
Foto: Marco Zanoni (Lunax )

Am Montag forderten die Tourismusverbände vom Bundesrat kess «offene Grenzen» für den Winter. Möglich machen sollen das zum Beispiel Corona-Tests am Flughafen. Sie sollen Touristen aus wichtigen Märkten wie Grossbritannien eine allfällige Quarantäne ersparen. Ansonsten drohten tiefe Löcher in den Kassen, mahnten die Verbandsvertreter. Der Präsident von Gastrosuisse, Casimir Platzer, polterte: «Wenn das so weitergeht, ist das der Killer der Wintersaison

Allerdings machen es sich die Touristiker damit zu einfach – und sie setzen den Fokus auf die falsche Gästegruppe. Erstens kann aufgrund der tagelangen Inkubationszeit auch ein negativer Test nicht ausschliessen, dass jemand das Virus in sich trägt. Zweitens droht bei einer Zuspitzung der Lage die Gefahr, dass die Touristen dem Gesundheitswesen die dort dringender benötigten Tests streitig machen. Und drittens würden sowieso kaum Ausländer in die Schweiz fahren, wenn die Fallzahlen hier zu hoch sein sollten – da können die Grenzen noch so offen sein.


«Geschlossene Grenzen sind in diesem einen Fall eine Chance. Die Touristiker müssen sie aber auch wahrnehmen.»

Stattdessen sollte sich die Branche auf jene konzentrieren, die sie in den letzten Jahrzehnten verloren hat. Jene Unterländer, die in den vergangenen Wintern in die Wärme flogen und es dieses Jahr nicht tun können. Geschlossene Grenzen sind in diesem Fall eine Chance. Die Touristiker müssen sie aber wahrnehmen.

Die neue potenzielle Kundschaft will nicht mit der ersten Gondel auf den Berg und hält nicht bis zur letzten Abfahrt durch. Sonst wäre sie schon in den letzten Jahren in die Berge gefahren. Sondern sie sucht Kunst und Kultur, Gastronomie, Wellness – und vielleicht ein bisschen Schneesport. Und das alles zu einem guten Preis.

Verzichten die Touristiker auf Panikmache und finden den richtigen Ton, heisst es zwar noch lange nicht «Alles fahrt Schi». Aber immerhin könnte das auch Ski-Muffel und damit zusätzliche Menschenmassen in die Berge locken. Das könnte reichen, damit nach dem Sommer auch der Winter für die Branche versöhnlich wird.

21 Kommentare
    Peer Wilander

    Das mit den Renovationsbedürfnissen von Schweizer Hotels stimmt natürlich, Vintage und vielfach teuer. Ich frage mich allerdings wieso das so ist. Ist es möglich dass unsere Hoteliers Mühe haben vernünftige Kredite zu erhalten und werden sie von unseren Banken ganz einfach ignoriert? Mir ist es schleierhaft dass bei unserem Bauboom die Hotels irgendwie auf der Strecke bleiben, ausgenommen die internationalen Hotelketten.