Verkehrsverbunde missbrauchen ihr Monopol

Von Sparbilletten können Passagiere in den Agglomerationen kaum profitieren. Nun muss der Bund Druck aufsetzen.

Die SBB stellen dieses Jahr 100 Millionen Franken für Sparbillette zur Verfügung. Doch die ÖV-Kunden profitieren davon wenig. Foto: Christian Beutler (Keystone)

Die SBB stellen dieses Jahr 100 Millionen Franken für Sparbillette zur Verfügung. Doch die ÖV-Kunden profitieren davon wenig. Foto: Christian Beutler (Keystone)

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Die ÖV-Branche hat ein Problem. Jahr für Jahr schreiben die Unternehmen hohe Gewinne, die SBB etwa im vergangenen Jahr 568 Millionen Franken. Grund dafür sind zu hohe Preise vor allem für Abonnements. Der Preisüberwacher hat erreicht, dass dieses Geld nicht in den Unternehmenskassen verschwindet, sondern via Gutscheine und Sparbillette teilweise an die Kunden zurückfliesst. Die Summen sind erklecklich: 100 Millionen Franken stellen die SBB in diesem Jahr für Sparbillette zur Verfügung.

Das System hat aber einen Haken. Die Verkehrsverbunde weigern sich, Sparbillette einzuführen. Sie missbrauchen damit ihre Quasi-Monopolstellung, ÖV-Kunden in den Agglomerationen haben kaum Chancen, von den Wiedergutmachungsrabatten zu profitieren. Das hat eine Datenanalyse der «SonntagsZeitung» offengelegt. Ausgerechnet die zahlenstarke städtische Bevölkerung erhält also kaum etwas von dem Geld zurück, das sie zum Beispiel beim Kauf eines Generalabonnements zu viel bezahlt hat.

Diese Ungerechtigkeit ist nicht ein vernachlässigbarer Nebeneffekt, sondern betrifft die Mehrheit der ÖV-Kunden.

Diese Ungerechtigkeit ist nicht einfach ein vernachlässigbarer Nebeneffekt, sondern betrifft die Mehrheit der ÖV-Kunden. 2018 zählten die SBB 456 Millionen Passagierfahrten – der Zürcher Verkehrsverbund 660 Millionen. Die Verbunde machen es sich zu einfach, wenn sie Sparbillette als ineffektiv kritisieren. Erstens gehen die SBB von immerhin 2 Millionen vermiedenen Autofahrten aus. Zweitens gehört das Geld den Kunden, weil sie es zu viel bezahlt haben.

Der ganze öffentliche Verkehr muss begreifen, dass er in der Pflicht steht, bei der Rückverteilung zu helfen. Die Sparbillette stellen Verbunde vor Probleme, weil sie eine Vereinheitlichung der Tarife bedingen. Dagegen wehren sich die Verbunde seit Jahren, um nicht an Gestaltungsfreiheit zu verlieren. Doch ist die Harmonisierung zum Wohl der Kunden unumgänglich.

Es ist darum richtig, dass der Bund nun Druck aufsetzt. Auf Aufforderung des Walliser SP-Nationalrats Mathias Reynard prüft der Bundesrat derzeit gesetzliche Grundlagen, um die Verbunde zur Zusammenarbeit zwingen zu können. Endlich.

Erstellt: 01.12.2019, 20:49 Uhr

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