Bassersdorf

«Vier gewinnt» bei der SP – während die SVP viermal scheitert

Lange waren die Sozialdemokraten in Bassersdorf von der Bildfläche verschwunden. Am Sonntag sind nun gleich alle vier Kandidaten der SP gewählt worden. Ernüchterung herrscht dagegen bei der SVP, die den Knatsch bei der FDP nicht für sich nutzen konnte und in einem Tief steckt.

Die strahlende Überraschungsfrau Selina Stampfli ist in Bassersdorf die erste SP-Vertreterin im Gemeinderat seit über zehn Jahren.

Die strahlende Überraschungsfrau Selina Stampfli ist in Bassersdorf die erste SP-Vertreterin im Gemeinderat seit über zehn Jahren. Bild: Sibylle Meier

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Es ist ein Erfolg auf der ganzen Linie: viermal angetreten – viermal gewonnen. Neuerdings hält die SP in Bassersdorf mehr Sitze als die grosse SVP. In allen wichtigen politischen Gremien der knapp 12 000 Einwohner zählenden Kleinstadt ist die Linke nun mit einem Mann oder einer Frau vertreten. Was aufhorchen lässt: Allesamt sind sie als neue, nochunverbrauchte Kandidaten zur Wahl für die nächste Amtszeit von 2018 bis 2022 angetreten. Und alle vier SP-Kandidaten wurden am vergangenen Sonntag auch prompt gewählt.

Von so einem Wahlerfolg können die grössten Rivalen von der Rechten momentan nur träumen. Im Zeichen des «Sünnelis» sind nämlich nur drei Kandidaten gewählt worden. Zwei davon mussten sich nicht einmal einer Ausmarchung gegen weitere Kandidaten stellen, weil es bei der Schulpflege und der Sozial­behörde in Bassersdorf gar keine Kampfwahl gab – sondern exakt so viele Kandidaten, wie freie Sitze bereitstanden.

Einzig der bisherige Bauvorsteher der SVP im Gemeinderat, Christian Pfaller, hat es aktuell geschafft, eine umkämpfte Wahl gewinnen zu können. Der 41-jährige Malerunternehmer wurde auf dem fünften Platz ziemlich souverän wiedergewählt. Er bleibt somit einziger SVP-Vertreter in der siebenköpfigen Exekutive.

Doch wirklich jubeln mag bei der SVP nach den diesjährigen Wahlen niemand. Denn vier hoffnungsvolle Kandidaten der nationalkonservativen Rechten haben teils empfindliche Niederlagen hinnehmen müssen.

SVP-Präsident: «Das wars»

«Ich bin enttäuscht und ernüchtert», sagt Dieter Scheuermeier, Präsident der örtlichen SVP-Sektion. Er selber war zur Wahl in die Rechnungsprüfungskommission (RPK) angetreten und erlebte ein Debakel. Zusammen mit Andreas Koller, dem Vizepräsidenten der SVP Bassersdorf, kam das Duo nicht über die beiden letzten Plätze hinaus. Beide erreichten zwar das absolute Mehr, haben aber die Wahl als Überzählige verpasst. Sie wurden von drei anderen Neuen – einem Freisinnigen (Lukas Müller), einem Parteilosen (Christian Schmid) und ganz knapp auch noch von einem Sozialdemokraten (André Schläfli) – geschlagen. Das schmerzt: «Ich werde sicher nicht mehr kandidieren, das wars», sagt der örtliche SVP-Präsident.

Von 3 auf 0 in vier Jahren

Scheuermeier hatte vor drei Jahren schon einmal versucht, einen RPK-Sitz in Bassersdorf zu erobern, als die SVP einen Sitz zu verteidigen hatte. Doch bereits damals schaffte er die Wahl nicht. «Es ist schon verrückt, bei den letzten Erneuerungswahlen vor vier Jahren hatten wir noch drei RPK-Sitze geholt», ruft er in Erinnerung. Nun hält die vermeintlich wählerstärkste Ortspartei nach den Rücktritten von Georg Fallegger und Ralph Weber gar keinen Sitz mehr in der RPK.

Seit die Bassersdorfer FDP im Gemeinderat kurz nach den Neuwahlen 2014 durch den Parteibeitritt der vormals parteilosen Gemeindepräsidentin Doris Meier plötzlich deutlich übervertreten war, konzentrierte man sich bei der SVP darauf, via RPK jener Macht des Freisinns etwas entgegenzustellen. Doch nun verliert man etwas überraschend auch noch den Einfluss in der RPK. Denn anscheinend hat der politische Wind im Dorf gedreht.

Obschon die FDP ihre absolute Vormachtstellung freiwillig aufgegeben hat und nach der Wahl vom Sonntag nur noch mit zwei offiziellen Mitgliedern im Gemeinderat vertreten ist, bleibt sie die insgesamt am stärksten vertretene Partei in Bassersdorf. Aber ausgerechnet der von der FDP nicht mehr portierte bisherige Gemeinderat Richard Dunkel hat es nun auf eigene Faust als parteiloser Kandidat geschafft, seine bisherige Partei und damit auch die amtierende Gemeindepräsidentin Doris Meier empfindlich zu treffen. Nicht nur wurde er als Siebter gerade noch wiedergewählt, er sorgte als einziger Herausforderer auch noch dafür, dass Meier in einen zweiten Wahlgang fürs Gemeindepräsidum muss. Denn weder er noch sie haben im ersten Anlauf das absolute Mehr erreicht.

Altersheim nicht privatisieren

Bei der SP sind Knatsch und Querelen weit weg. Da herrscht eher Aufbruchstimmung. «Es ist phänomenal», jubelte Selina Stampfli nach dem Triumph ihrer Genossen am Sonntag. Sie selber hat das geschafft, was zwei Neuen der SVP deutlich verwehrt blieb. Stampfli ist im ersten Anlauf in die Dorfregierung gewählt worden. Und zwar nicht irgendwie gerade noch auf dem letzten Platz. Nein, die 44-jährige Schulsozialarbeiterin ist vom Wahlvolk quasi noch auf das Podest gehievt worden und erreichte das drittbeste Ergebnis von elf Kandidaten.

Nebst ihr im Gemeinderat und Schläfli in der RPK ist die SP künftig auch mit Ömer Dursun (Schulpflege) und Adrian Hediger (Sozialbehörde) vertreten. Dies soll der Anfang einer stärkeren Präsenz sein, heisst es seitens der Partei in einer Mitteilung. «Bürgerpartizipation und Lebensqualität» wolle man stärken. Dutzende Gespräche mit Wählern hätten gezeigt, dass die SPin den Gemeindebehörden gebraucht werde. Als Nächstes gelte es nun einstweilen die Teilprivatisierung des Altersheims zu verhindern. (Zürcher Regionalzeitungen)

Erstellt: 17.04.2018, 10:27 Uhr

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