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Tösstaler WasserfälleVom Dachsgubel bis zum Schreizen

Rudolf Bolliger beschreibt in einem neuen Buch über 200 Giessen im Tösstal. Die Recherche erlebte er als eine faszinierende Jagd bis in die hintersten Winkel.

Rudolf Bolliger mit seinem neuen Buch «Giessen im Tösstal»: «Unglaublich schöne Formen.»
Rudolf Bolliger mit seinem neuen Buch «Giessen im Tösstal»: «Unglaublich schöne Formen.»
Foto: Madeleine Schoder

Rudolf Bolliger hat sie alle gesehen: Ragengubel, Kaltentobelbach oder Chämerligiessen. Der 73-Jährige erkundete für sein erstes Buchprojekt über 200 Giessen im Tösstal. Dafür stieg er über entwurzelte Bäume, folgte wilden Bachläufen und seilte sich sogar über eine Felswand ab, um die für das Gebiet typischen Wasserfälle zu fotografieren.

Das Resultat ist eine 132-seitige Hommage an das Tösstal. Mit vielen Bildern und liebevollen Texten dokumentiert Bolliger die meisten Wasserfälle zwischen Winterthur und Tössstock, die über fünf Meter hoch sind und deren Wasser in die Töss fliesst.

Ausflüge zu jeder Jahreszeit

Im Buch «Giessen im Tösstal» gibt es auch für ortskundige Leser viel Neues zu entdecken. Oder wer war schon am 18 Meter hohen Sädelbach-Giessen in der Nähe von Fischenthal? Jeder Wasserfall ist mit einer Nummer versehen und lässt sich dadurch auf einer Karte und dank der angegebenen Koordinaten auch im Gelände finden.

Der Giessen am Tobelbach in der Nähe von Wildberg ist als Badeplatz beliebt.
Der Giessen am Tobelbach in der Nähe von Wildberg ist als Badeplatz beliebt.
Foto: Rudolf Bolliger

Einzelne Giessen haben den Autor so fasziniert, dass er sie zu verschiedenen Jahreszeiten aufsuchte.

Am eindrücklichsten seien viele Wasserfälle im frühen Frühling, sagt Bolliger. Denn während der Schneeschmelze führten sie mehr Wasser, und der Blick sei frei, bevor die Bäume Blätter trügen.

Im Hochsommer und im Herbst sei die Landschaft hingegen farblich spannend. «Im Winter entstehen durch Eiszapfen unglaublich schöne Formen.» Kurz: Ein Ausflug lohnt sich zu jeder Jahreszeit.

Einem Giessen auf der Spur

Ein ähnlich umfassendes Werk über Tösstaler Giessen gab es bislang nicht. Bolliger hatte während der Recherche Kontakt mit dem Höhlenforscher Richard Graf. Dieser veröffentlichte unlängst das Buch «Höhlen im Zürcher Oberland» und hat dafür ebenfalls zahlreiche Tobel im Tösstal erkundet.

Rudolf Bolliger suchte wie Graf auf Landkarten nach immer neuen Abstürzen und machte sich dann auf den Weg, sie im Gelände zu finden. «Ich fühlte mich dabei wie ein Jäger», sagt er. Oft habe er die Giessen zuerst nur gehört, bevor er sie dann zwischen den Bäumen schimmern sah wie einen verborgenen Schatz. «Je länger ich mich mit dem Thema befasste, desto mehr faszinierte es mich.»

Fünf Jahre lang arbeitete der ehemalige Gemeindepräsident von Weisslingen am Buch. Die meisten Expeditionen unternahm er allein, an besonders abgelegene oder steile Orte begleiteten ihn aber seine Frau oder Freunde.

Der Giessen im Schwämmibachtobel mit seinen mehrstufigen Abstürzen gefällt Rudolf Bolliger besonders.
Der Giessen im Schwämmibachtobel mit seinen mehrstufigen Abstürzen gefällt Rudolf Bolliger besonders.
Foto: Rudolf Bolliger

Mit dem Buch will der «Wahl-Tösstaler» die ortstypischen Giessen zugänglicher machen. «Ich war überrascht, wie wenig die Leute darüber wissen», sagt er. In einem Kapitel beschreibt er die erdgeschichtliche Entstehung des Gebiets. Immer wieder weist er auf Besonderheiten hin, so etwa auf die natürliche Steinbrücke oberhalb des Momilchgubels. Der Favorit des Autors ist aber der Giessen zuhinterst im Schwämmibachtobel in der Nähe des Tössstocks. Das Wasser stürzt dort über mehrstufige Nagelfluh-Bänke in die Tiefe, sodass es beim Zuschauen eine Freude ist.

Das Buch erscheint in einer Auflage von 500 Exemplaren und lässt sich über die Internetseite www.giessen-im-toesstal.ch bestellen.