Embrach

Von der Haustür direkt in die Klinik

Seit vier Jahren ist die Tage- und Nachtklinik des Kompetenzzentrums Pflege und Gesundheit in Betrieb. Dennoch sei vielen Interessierten noch nicht bewusst, dass ein Fahrdienst Teil des Angebotes ist.

Die beiden Fahrer Werner Zimmermann (links) und Peter Graber  brauchen nebst Flexibilität auch Geduld und Einfühlungsvermögen –  zu ungewohnten Situationen kann es im Fahrdienst immer kommen.

Die beiden Fahrer Werner Zimmermann (links) und Peter Graber brauchen nebst Flexibilität auch Geduld und Einfühlungsvermögen – zu ungewohnten Situationen kann es im Fahrdienst immer kommen. Bild: PD

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3,5 Milliarden Franken: So viel würden alle Pflege- und Betreuungsstunden kosten, die Angehörige in der Schweiz jedes Jahr leisten, wenn sie entlöhnt würden. Eine Studie des Spitex Verbandes Schweiz aus dem Jahr 2013 errechnete rund 64 Millionen Arbeitsstunden, die Zehntausende, hauptsächlich Familienangehörige, in diesem Zuhause leisten. Das Thema bewegt und wirft Fragen auf: Wie vereinbare ich Betreuung und Beruf? Was, wenn ich plötzlich ausfalle?

Das Kompetenzzentrum Pflege und Gesundheit (KZU) in Embrach hat auf solche Bedürfnisse reagiert: Im Februar 2014 ging die Tages- und Nachtklinik in Betrieb, in denen pflegebedürftige Menschen tageweise oder eben über Nacht bleiben können. Ausgerichtet ist das Angebot auf Personen im Anfangsstadium der Demenz sowie Menschen nach einem Unfall – also Personen, die heute aufgrund medizinischer Fortschritte länger zuhause bleiben können.

«Wir haben gemerkt, dass Angehörige mit der Pflege dieser Personen an ihre Grenzen stossen können», sagt Rita Himmelhan, Kommunikationsverantwortliche des KZU. «Sie leisten Aussergewöhnliches und sollten darin unterstützt und entlastet werden.» Himmelhan betont ausserdem, dass die Angehörigen eine Expertenfunktion in der Betreuung der Bewohnerinnen und Bewohner haben. «Sie spielen in der Zusammenarbeit mit der Spitex, mit Hausärzten und anderen involvierten Stellen eine zentrale Rolle.»

Mobilität ist gewährleistet

Die Tages- und Nachtklinik ist jeden Tag im Jahr 24 Stunden geöffnet. Das Angebot wird über drei Stellen finanziert: von den 20 Trägergemeinden des KZU, der Bewohnerin oder dem Bewohner, sowie der Krankenversicherung. Die Auslastung der 16 Plätze sei aufgrund der hohen Flexibilität der Klinik unterschiedlich, sagt Himmelhan – zahlreichen Interessierten sei aber nicht bewusst, was das Angebot alles einschliesse. «Wir werden sehr oft gefragt, wie weniger mobile Personen die Klinik erreichen können – dabei haben wir auch einen eigenen Fahrdienst.»

Die beiden Fahrer Werner Zimmermann und Peter Graber teilen sich die Fahrten auf und vertreten sich gegenseitig in Ferien. Auf Voranmeldung stehen sie am Morgen und Abend für Fahrten zur Verfügung. Das Fahren sei das eine, schildert Himmelhan. «Die beiden brauchen dazu viel Einfühlungsvermögen, Geduld und Fingerspitzengefühl – etwa, wenn sich ein Gast plötzlich losgurtet und sie ihn dazu bewegen müssen, sich wieder zu setzen.»

«Wir haben gemerkt, dass Angehörige mit der Pflege dieser Personen an ihre Grenzen stossen können.»Rita Himmelhan

Der Mercedes verfügt über sieben Sitzplätze und ist über eine schräge Rampe rollstuhlgängig. Wer davon weiss, profitiert umso lieber vom Angebot, wie das Beispiel eines Paares aus Zweidlen zeigt. Der Ehemann besucht die Klinik seit bald fünf Jahren. «Wenn der Fahrer bei uns ankommt, sieht mein Mann ihm vom Fenster aus entgegen und strahlt», erzählt die Gattin. «Dann weiss ich: Er geht gerne in die Klinik.»

Nebst dem ambulanten Therapie-Angebot bietet das KZU auch verschiedene einige Aktivitäten an. Wer Zeit in den Embracher Strukturen verbringt, tut dies also nicht gelangweilt im stillen Kämmerlein: Spazierwege durch den Park und eine Dachterrasse laden zum Vitamin-D-Auftanken ein, wochentags am Vor- und Nachmittag können sich alle beim Gedächtnistraining, in Bewegungssessionen, in der Gestaltung, beim Kochen oder Musizieren beschäftigen.

(Zürcher Regionalzeitungen)

Erstellt: 09.02.2018, 14:13 Uhr

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