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Verschärfung der Corona-MassnahmenWarum Basel im Alleingang in den Mini-Lockdown geht

Die Ansteckungszahlen sind so hoch, dass der Regierungsrat sich zum Handeln gedrängt sieht und mehr Polizeikontrollen fordert.

Ab Montag wird es in Basel einsam: Bars und Restaurants müssen schliessen, zu Veranstaltungen sind höchstens 15 Personen zugelassen.
Ab Montag wird es in Basel einsam: Bars und Restaurants müssen schliessen, zu Veranstaltungen sind höchstens 15 Personen zugelassen.
Foto: Lucia Hunziker

Eine Kurve hat Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger (CVP) so aufgeschreckt, dass er handeln will. «Die Situation präsentiert sich heute schlechter als vor acht Tagen», sagte Engelberger im Rahmen einer virtuellen Informationsveranstaltung am Freitagnachmittag. «Die Infektionszahlen steigen weiter, und die zweite Welle betrifft bedeutend mehr Menschen als die erste Welle im Frühling.» Gross seine Sorge, dass die Situation sich weiter verschärfen und somit das Gesundheitssystem an seine Kapazitätsgrenze gelangt. Das, so Engelberger, müsse unbedingt verhindert werden. Die Basler orientieren sich beim Entscheid an der Westschweiz, die bereits Mitte Oktober ihre Restaurants dicht machten und nun wieder sinkende Fallzahlen haben.

Ab kommenden Montag bis am 13. Dezember müssen nun alle Restaurants, Cafés und Bars schliessen. Ausnahmen gelten nur für Gassenküchen, Betriebs- und Schulkantinen und Hotelküchen, die Hotelgäste bedienen. Nicht betroffen von den Massnahmen sind Lieferdienste, Take-aways und Food-Trucks, allerdings dürfen diese nur tagsüber ausliefern. Weiter werden Turnhallen, Tanzstudios, Fitness- und Wellnesszentren, Eissportanlagen und Innenräume von Sportanlagen und Sportstadien, inklusive Garderoben, geschlossen. Ebenso müssen Spielsalons und Casinos und Unterhaltungsräume wie Bowlingcenter ab Montag schliessen. Der Profisport ist von den Massnahmen nicht betroffen.

Die anderen Kantone in der Nordwestschweiz ziehen nicht mit (siehe Box). Engelberger gab keine Details bekannt, warum diese nicht zur gleichen Lageeinschätzung kommen wie er, der Basler Gesundheitsdirektor verwies nur darauf, dass es Gespräche mit den drei Kantonen Basel-Landschaft, Aargau und Solothurn gegeben habe. (Lesen Sie in der Box die Reaktion aus dem Baselbiet). «Föderalismus heisst für sich handeln», so Engelberger.

«Enormer wirtschaftlicher Schaden»

Obwohl die meisten, die in Basel-Stadt positiv auf Corona getestet werden, ohne grössere Probleme bleiben, so steigt die Zahl jener, die im Spital behandelt werden müssen. Zurzeit brauchen 29 Patienten eine Beatmung. Unter den Corona-Intensivpatienten befinden sich nicht nur Hochbetagte, wie Engelberger sagte, sondern auch jüngere, inzwischen auch Kinder und Jugendliche von 9 bis 14 Jahren. «Die Situation auf den Intensivstationen im Kanton verschärft sich, auch wenn noch ausreichend Kapazitäten vorhanden sind», sagte Engelberger. Deshalb wolle man rechtzeitig abbremsen, um Schlimmeres zu verhindern. Die Lage sei aber noch nicht so, dass Basel-Stadt nicht Patienten aus anderen Kantonen aufnehmen könne, auch sei keine Hilfe von ausländischen Spitälern nötig. Zwei Drittel jener, die sich in den vergangenen Tagen angesteckt haben, können nicht sagen, wo das passiert ist. Bei 38 Prozent war es in der Familie, bei 15 Prozent bei der Arbeit oder durch einen Patientenkontakt, inwiefern Menschenansammlungen wie vergangenes Wochenende in der Steinenvorstadt eine Rolle spielen, ist unklar. Nun soll die Polizei ihre Kontrollen verschärfen, Maskenverweigerer büssen und Ansammlungen von mehr als 15 Personen gezielter auflösen. Engelberger hat jedenfalls mehr Polizeipräsenz in der Innenstadt angekündigt. Ab nächsten Montag sollen Arbeitgeber wenn immer möglich ihren Mitarbeitern Homeoffice aus zu gewähren.

Mit dem bereits installierten Krisenfonds will Basel-Stadt die betroffenen Branchen stützen, auch mit A-fonds-perdu-Beiträgen. Dazu stehen 22,5 Millionen Franken bereit. Im Gegensatz zu früheren Hilfspaketen gilt der Rettungsschirm nicht nur für die Hotelier- und Gastrounternehmen, sondern auch für Reisebüros, Schausteller und Marktfahrer. Der Gewerbeverband Basel-Stadt kritisiert «den erneuten Lockdown von ganzen Teilen der Wirtschaft» und verweist darauf, dass der wirtschaftliche Schaden in Basel-Stadt ist enorm sei.

Nun zittern die Innenstadtgeschäfte um das wichtige Weihnachtsgeschäft und die Sonntagsverkäufe. Brutschin versucht zu beruhigen, wenn er sagt: «Es bringt nichts, die Kunden zu verunsichern. Hoffentlich bleiben die Folgen überschaubar.»

56 Kommentare
    Ronnie König

    Ich habe immer wieder ab Sommer und Frühherbst darauf hingewiesen, dass die Lage mit diesem Virus nicht entspannter sei, wie man eigentlich ab Mai hoffte, sondern dass die Lage wahrscheinlich gar ernster werden könne. Dazu hatte ich Informationen der BBC und "Nature". Nun ist es also doch so gekommen. Viele haben nicht begriffen wie dieses Virus tickt und was die Folgen sind. Man sagte ab Mai, der Staat sei wie eine Diktatur und gegen die Freiheit. Berset sei ein Diktator. Aber er beugte sich der Diktatur aus der Wirtschaft. Wenn schon. Die Wirtschaft hat aber etwas glaube ich noch nicht begriffen. Wenn durch ihren Druck zu viel Schadenentsteht, diese Pandemie dauert nämlich länger wie es einen Impfstoff gibt, der ja zuerst produziert und dann im Land verteilt werden muss, so verändert dies in den Köpfen vieler im Volk einiges. Und das wird gerade die Wirtschaft nicht freuen, weil die Sicht auf sie kritischer wird. Das Volk ist nämlich nicht so blöd sein Leben für Bilanzen opfern zu wollen. Aber man weiss um die Wichtigkeit der Wirtschaft. Diese wiederum hat sich nicht um Schadensbegrenzung bemüht, sie hat lieber lobbyiert. Und was wird sich noch rächen. Kommt tatsächlich noch diese dritte Welle, dann hat die Wirtschaft aber ein veritables Problem. Da sind die Lockdowns dann nicht mehr das grosse Problem. Wie sich das aber entwickeln wird mit den Veränderungen, dazu habe ich noch keine konkreten Vorstellungen.