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Debatte um Hilfskredite Warum die SNB Banken für die Kreditvergabe bezahlt

Wenn Banken einen Covid-Kredit vergeben, bekommen sie das Geld von der Notenbank zurück – und einen Zusatz obendrauf. Die SNB will damit die Zusatzkosten ausgleichen. Doch diese fallen nicht bei allen Banken in gleicher Weise an.

Sie haben das Kreditprogramm gemeinsam vorgestellt: Bundesrat Ueli Maurer und SNB-Präsident Thomas Jordan.
Sie haben das Kreditprogramm gemeinsam vorgestellt: Bundesrat Ueli Maurer und SNB-Präsident Thomas Jordan.
Foto: Alessandro della Valle (Keystone)

In wenigen Tagen hatten Schweizer Banken, der Bund und die Schweizerische Nationalbank das Programm für die Covid-19-Hilfskredite auf die Beine gestellt. Es ist ein riesiger Erfolg; bis dato haben Schweizer Mittelständler über 15 Milliarden Franken dieser Kredite beantragt.

Der Erfolg hat bisher die Konstruktionsdetails des Hilfsprogramms überstrahlt, die nun für Debatten sorgen. Es geht um die Rolle der Banken und ob diese am Ende an den Hilfskrediten sogar verdienen.

Dabei tragen die Institute kein Risiko, denn der Bund bürgt zu 100 Prozent für die Kredite bis zu einem Volumen von 500’000 Franken. Die Banken können sich die ausgereichten Kredite im Nachhinein von der SNB zurückholen. Und bekommen auf diese Liquidität einen Zins von 0,75 Prozent gutgeschrieben.

Wozu braucht es diese Extrazahlung an die Banken? Bei einer Summe von 10 Milliarden Franken, die die SNB den Banken bislang an Liquiditätsspritzen zugeschossen hat, geht es immerhin um 75 Millionen Franken an Zusatzeinnahmen für die Bankenbranche pro Jahr.

SNB sieht für die Branche ein Nullsummenspiel

Eine einheitliche Erklärung für den Zusatzzins gibt es nicht. Die SNB begründet die Zinszahlung mit dem Ausgleich von Kosten, welche den Banken durch die zusätzliche Liquidität entstehen würden. Denn wenn eine Bank einen Covid-Kredit vergibt, kann sie die entsprechende Summe bei der SNB zurückbekommen, um ihre Liquiditätsreserven wieder aufzufüllen.

Durch diese Refinanzierung der Hilfskredite steigen also die Guthaben der Banken bei der SNB. Und auf diese Guthaben werden Negativzinsen von 0,75 Prozent fällig. Sprich: Steigen die Guthaben, steigen die Lasten aus den Negativzinsen.

Mit dem zusätzlichen Zins auf die refinanzierten Kredite – ebenfalls im Umfang von 0,75 Prozent – soll dies ausgeglichen werden. Das Ziel: Banken sollen auf die refinanzierten Hilfskredite keinen Strafzins zahlen – also weder draufzahlen noch etwas verdienen. Durch den Zins ist «die Nettobelastung des Bankensystems als Ganzes insgesamt null», erklärt daher die SNB.

UBS und Credit Suisse bekräftigen, dass sie einen allfälligen Gewinn spenden wollen.

Doch für die einzelnen Institute kann die Rechnung durchaus unterschiedlich ausfallen. Zu den Gewinnern dürften tendenziell die Kantonalbanken zählen. Denn Banken bezahlen erst ab einem gewissen Freibetrag Negativzinsen. Nach der jüngsten Erhöhung dieser Freibeträge dürften die Kantonalbanken zusammengenommen diesen Betrag nach Einschätzung von Analysten noch nicht ausgeschöpft haben.

Das legen auch Daten der SNB nahe. Und wer keine Negativzinsen bezahlt, kann den Zusatzzins der SNB als Bruttogewinn einstreichen. Rückschlüsse auf einzelne Institute kann man bei dieser Betrachtung jedoch nicht ziehen.

Bund will Verwaltungskosten abdecken

Der Bund wiederum hat eine ganz andere Erklärung für die Zinszahlung an die Banken präsentiert: Bundesrat Ueli Maurer hatte die Zahlung mit den Verwaltungskosten begründet, die den Banken durch die Kreditvergabe entstehen. «Ich glaube nicht, dass die Banken hier ein Geschäft machen», hatte er auf einer Pressekonferenz Ende März erklärt. «Unter dem Strich werden die Banken hier eher Geld bringen als verdienen», hatte Maurer gesagt.

Wie die Gesamtrechnung ausfällt, dürfte sich wohl erst in einigen Jahren zeigen. Der Verband Schweizerischer Kantonalbanken erklärte, man könne nicht alle Institute über einen Kamm scheren. «Die Ausgangslage bezüglich Ausschöpfung der Freibetragsgrenzen bei der SNB ist für jede Kantonalbank unterschiedlich.» Mit dem Zins solle der Zusatzaufwand der Banken gedeckt werden. «In der Praxis liegen Refinanzierungsertrag und Aufwand nahe beisammen. Die Kantonalbanken wollen von der aktuellen Situation nicht profitieren», erklärte der Verband.

Auch UBS und Credit Suisse bekräftigten am Freitag erneut, dass sie einen allfälligen Gewinn spenden wollen. Beide Institute kündigten gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters an, die Rechnungen hierzu von einem unabhängigen Wirtschaftsprüfer überprüfen lassen zu wollen.

2 Kommentare
    Rolf Rothacher

    Zuerst einmal handelt es sich bei den Summen, welche die Banken sich hier zusätzlich "verdienen" können, (sie haben ja auch Kosten), um Brosamen. Sie fallen nicht ins Gewicht. Vor allem, wenn man sich überlegt, welcher Aufwand dem Staat entstanden wäre, hätte er die Kredite z.B. über die Steuerverwaltungen ausbezahlen wollen.

    Der Staat war auf die Banken angewiesen und er bezahlt ihnen deshalb einen Obulus. Wegen den paar Kröten hätten die Banken aber kaum die Arbeit übernommen. Doch weitaus mehr ins Gewicht als die Brosamen fallen die Corona-Kredite selbst, welche den Banken mehr Sicherheit bei ihren eigenen Darlehen bringen, da die Volkswirtschaft mit ihnen insgesamt stabilisiert wird.