Zum Hauptinhalt springen

Kolumne Christian SeilerWas ist eigentlich gutes Essen?

Wer sich in der Küche ans Kochen macht, nimmt Teil an einer imaginären Gerichtsverhandlung. Und die Anklageschrift ist lang.

Egal, was man kocht, einen moralischen Strick lässt sich aus praktisch jedem Gericht drehen.
Egal, was man kocht, einen moralischen Strick lässt sich aus praktisch jedem Gericht drehen.
Foto: Silvio Knezevic

Könnte ja sein, dass Sie sich vorgenommen haben, in diesem langsam, verhangen anbrechenden Jahr 2021 endlich gut zu essen. Als Vorsatz kann ich das selbstverständlich nur gutheissen. Aber ich muss zugeben, dass es gar nicht so einfach ist, eine gültige Übereinkunft zu erzielen, was gutes Essen eigentlich ist.

Was gut ist, hängt nämlich nicht nur – aber auch – von der beseelten Pflege der eigenen Genussbereitschaft ab. Kann schon sein, dass wir sehr zufrieden mit uns sind, wenn uns ein hervorragendes Ragout vom Ochsenschwanz gelungen ist, das wir mit winzigen Würfeln von der Karotte und Staudensellerie veredelt haben, sowie, wichtig, mit einem Schuss Essig und reichlich Zitronenschale, die wir mit dem neu angeschafften Microblade-Zestenreisser wie frischen Schnee ins Ragout rieseln ließen. Dazu gibt es Spiralnudeln, die wir noch ein paar Minuten im Ragout ziehen lassen, kein Parmesan, keine Butter, nur ein leichtes, schwebendes Aroma vom säuerlich veredelten Schmorfleisch – gutes Essen, gar keine Frage.

Um diesen Artikel vollständig lesen zu können, benötigen Sie ein Abo.