Was macht eigentlich Greta Thunberg in Amerika?

Die Klimaaktivistin hat die USA durchquert und in L.A. Prominente getroffen – nun steht sie vor einer grossen Herausforderung.

Ein Gespräch mit Leonardo DiCaprio, eine Velotour mit Arnold Schwarzenegger, ein Auftritt bei Ellen DeGeneres: Greta Thunberg hat in Los Angeles Prominente getroffen. Nun muss sie sich um die Rückkehr nach Europa kümmern. Video: Instagram, Youtube

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Die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg hat bewegte Wochen in Nordamerika hinter sich. Seit sie am 28. August mit einem Segelboot in New York gelandet ist, hat die 16-Jährige unzählige Prominente getroffen, an Klimademonstrationen teilgenommen und in knapp zwei Monaten den Kontinent durchquert. Sie reiste einerseits mit dem Zug und andererseits mit einem Elektroauto – ausgeliehen von Schauspieler und Ex-Gouverneur Arnold Schwarzenegger.

Den «Terminator»-Star hat Thunberg nun in Los Angeles wieder getroffen und eine Velotour mit ihm unternommen. In der Talkshow von Ellen DeGeneres sprach die 16-Jährige über Donald Trump. Sie bekräftigte nochmals, dass sie den US-Präsidenten nicht treffen möchte, das wäre eine Zeitverschwendung, sagte Thunberg (siehe Video oben). Auch mit Leonardo DiCaprio hatte die junge Schwedin ein Gespräch. Der Schauspieler engagiert sich seit 1998 mit einer eigenen Stiftung für den Umweltschutz.

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There are few times in human history where voices are amplified at such pivotal moments and in such transformational ways – but @GretaThunberg has become a leader of our time. History will judge us for what we do today to help guarantee that future generations can enjoy the same livable planet that we have so clearly taken for granted. I hope that Greta’s message is a wake-up call to world leaders everywhere that the time for inaction is over. It is because of Greta, and young activists everywhere that I am optimistic about what the future holds. It was an honor to spend time with Greta. She and I have made a commitment to support one another, in hopes of securing a brighter future for our planet. #FridaysforFuture #ClimateStrike @fridaysforfuture

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Von Los Angeles aus machte sich die 16-Jährige schliesslich wieder auf den Weg in Richtung Ostküste – entgegen ihren ursprünglichen Plänen.

Eigentlich sollte sie die Reise weiter nach Südamerika führen, wo am 2. Dezember die UNO-Klimakonferenz hätte beginnen sollen. Doch Chile sagte den Gipfel kurzfristig ab, weil das Land von Unruhen erschüttert wird. Eingesprungen ist Spanien, das Spitzentreffen findet nun in Madrid statt. Thunberg möchte trotz des Ortswechsels dabei sein, muss jetzt aber rasch eine Möglichkeit finden, ohne Flugzeug zurück nach Europa zu kommen.

«Es stellt sich heraus, dass ich um die halbe Welt gereist bin, in die falsche Richtung», schrieb Thunberg auf Twitter. Wenn jemand helfen könne, ein Verkehrsmittel zu finden, sei sie dankbar.

Die spanische Regierung hat ihr zwar bereits Hilfe angeboten, um die Teilnahme an der UNO-Klimakonferenz im Dezember zu ermöglichen. «Liebe Greta, es wäre toll, dich hier in Madrid zu haben», schrieb die amtierende Umweltministerin Teresa Ribera auf Twitter. «Wir würden dir sehr gern bei der Überquerung des Atlantiks helfen.» Wie die Reisehilfe aussehen könnte, sagte Ribera nicht.

Von Europa in die USA segelte Thunberg zusammen mit ihrem Vater und zwei Profis auf einer umweltfreundlichen Rennjacht, weil sie als Zeichen für den Klimaschutz generell auf das Fliegen verzichtet. Die Überfahrt wurde monatelang vorbereitet und dauerte zwei Wochen. Für den Rückweg kommt diese Variante aus Zeitgründen wohl nicht mehr infrage, das Boot ist zurück in Europa.

Mit einem Frachtschiff nach Spanien?

Die Nachrichtenagentur Reuters hat nach weiteren Optionen für die Rückkehr nach Europa Ausschau gehalten. Am sinnvollsten wäre demnach, auf einem Frachtschiff mitzufahren. Das hätte einen vernachlässigbaren Effekt auf den Schadstoffausstoss des Schiffs, und die meisten Reedereien böten beschränkten Platz für Passagiere, heisst es im Bericht.

Ganz allein steht sie mit ihrem Problem nicht da. Eine Gruppe Klimaaktivisten ist im Oktober auf einem Segelboot von Europa nach Brasilien gesegelt, um an der Konferenz in Chile teilzunehmen, und ist nun ebenfalls auf einem falschen Kontinent gestrandet. Ihr Segelboot ist zu langsam, um es rechtzeitig zurückzuschaffen, weshalb auch sie um Hilfe bitten.

Thunbergs Amerikareise wird also kürzer als geplant, was die Schwedin zwar bedauert, sie betont in einem Tweet aber, es gehe nicht um sie und ihre Erlebnisse, sondern um den Klimaschutz.

An Erlebnissen dürfte es der jungen Schwedin nach etwas mehr als zwei Monaten in Nordamerika trotzdem nicht mangeln. Sie sprach in New York vor den Vereinten Nationen und in Washington vor dem US-Kongress. Dort traf sie auch Ex-Präsident Barack Obama und war in der «Daily Show» von Trevor Noah, dem Halbschweizer Comedystar. In Montreal führte sie die Klimademonstration vom 28. September mit 500’000 Teilnehmern an.

Von Montreal aus reiste Thunberg zuerst in Kanada weiter, sah Wale in Québec und besuchte einen Gnadenhof in der Nähe von Toronto, bevor es zurück in die USA ging.

Nach einem Abstecher nach Chicago nahm sie an einer Klimademo in Iowa City teil und protestierte in Rapid City mit Ureinwohnern gegen die Keystone-Pipeline. Wie schon bei der umstrittenen Dakota-Access-Pipeline durch das Indianergebiet Standing Rock Reservation hatte US-Präsident Trump deren Bau kurz nach seinem Amtsantritt mit präsidialem Erlass ermöglicht.

Thunberg besuchte danach im Norden der USA Indianerstämme und gelangte über Colorado, Wyoming, Idaho und Montana zurück nach Kanada.

Die freitäglichen Klimademonstrationen besuchte sie in Denver, Edmonton und am 25. Oktober schliesslich in Vancouver, wo sie den Pazifik erreichte. Von der kanadischen Metropole aus machte sie sich auf den Weg nach Los Angeles.

Unterwegs feierte sie Halloween mit trockenem Humor und einem Seitenhieb an ihre Kritiker: Um einen Haufen wütender Klimakrisen-Leugner zu erschrecken, müsse sie sich nicht einmal verkleiden, schrieb sie unter einem Bild von sich auf Twitter.

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Nach der Klimademonstration vom letzten Freitag in Los Angeles, der Velotour mit Arnold Schwarzenegger und dem Treffen mit DiCaprio machte sich Thunberg auf den Rückweg an die Ostküste, nun durch die südlichen US-Staaten.

(anf/sda)

Erstellt: 05.11.2019, 12:13 Uhr

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