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Neue Nutzungsbedingungen Was steckt hinter dieser Whatsapp-Meldung?

Wer dieser Tage Whatsapp öffnet, muss erst mal neue Bedingungen akzeptieren. Wir erklären die Hintergründe – und ob man wirklich zustimmen muss.

Auffällig: Die Meldung kommt in Facebook-Blau und nicht im Whatsapp-üblichen Grün daher.
Auffällig: Die Meldung kommt in Facebook-Blau und nicht im Whatsapp-üblichen Grün daher.
Foto: Rafael Zeier

Wir wissen langsam, wie es geht. Immer wenn irgendwo Nutzungsbedingungen oder Änderungen davon angezeigt werden, sausen wir nach unten und drücken auf «O.K.», «Zustimmen» oder «Akzeptieren». Augen zu und durch.

Denn wir wollen ja nur schnell das neuste E-Mail lesen, ein Foto verschicken oder ein Kochrezept anschauen. Die wenigsten von uns sind Juristen. Und so haben wir schon unzählige Male auf «Zustimmen» gedrückt.

Ein beiläufiger Klick ist eines von Milliarden Puzzlesteinchen im grossen Masterplan von Facebook.

Doch jetzt taucht beim Öffnen von Whatsapp erstmals eine blau-weisse Meldung auf. Irgendwas mit Nutzungsbedingungen. Da es unten keine Auswahlmöglichkeit und nur einen grossen und einladenden «Zustimmen»-Knopf gibt, wird da geklickt, die Meldung schnell vergessen, und der Alltag kann weitergehen.

Facebook verknüpft seine Produkte immer mehr.
Facebook verknüpft seine Produkte immer mehr.
Foto: Keystone

Tatsächlich geht – nachdem man auf «Zustimmen» gedrückt hat – der Whatsapp-Alltag wie gewohnt weiter. Bloss: Unser beiläufiger Klick war eines von Milliarden Puzzlesteinchen im grossen Masterplan von Facebook.

Vernetzen, verbinden und verweben

Der Social-Media-Gigant ist gerade daran (obwohl er versprochen hat, das nicht zu tun), Whatsapp und Instagram enger mit den Kerndiensten von Facebook zu verbinden. Anders als früher gibt es auch keine Möglichkeit mehr, ein Teilen von Daten mit Facebook zu verhindern. Nicht zuletzt darum sind die neuen Nutzungsbedingungen und die Zustimmungsanfragen nötig geworden. Alle Details dazu findet man direkt bei Whatsapp.

In den Fragen und Antworten gehen Whatsapp und Facebook noch etwas weiter ins Detail: «Whatsapp arbeitet auch mit den anderen Facebook-Unternehmen zusammen und teilt Informationen mit diesen, damit sie uns dabei helfen können, unsere Dienste zu betreiben, bereitzustellen, zu verbessern, zu verstehen, anzupassen, zu unterstützen und zu vermarkten.»

Wie man von Whatsapp wegkommt, erklärt der Kollege Matthias Schüssler.
Video: Matthias Schüssler

Was Datenschützern ein Albtraum und den meisten Nutzerinnen und Nutzern offensichtlich herzlich egal ist – schliesslich nutzen sie die App weiterhin –, dient einerseits dazu, die Dienste und Prozesse von Facebook effizienter, besser und einträglicher zu machen. Die fortschreitende Integration und Vernetzung von Instagram und Whatsapp hat aber einen spannenden Nebeneffekt: Sie macht eine mögliche Abspaltung eines der Dienste immer komplizierter.

Kein Wunder, reagiert Facebook gereizt. Schliesslich gehts um das grosse Ganze, das Kerngeschäft.

Denn die Rufe nach einem Aufbrechen von Facebook und nach Rückgängigmachung der Übernahmen von Whatsapp und Instagram sind längst kein Nischenphänomen mehr. Immer mehr Regierungen, Politiker und Behörden diskutieren solche Massnahmen. (Löblich, aber zu spät und nicht nutzerfreundlich)

Spielverderber Apple

Facebooks neue Nutzungsbedingungen für Whatsapp kommen zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Apple hat dieser Tage in seinem App Store neue Warnhinweise eingeführt, die anschaulich zeigen, welche App welche Daten sammelt und welche davon mit der eigenen Person verknüpft werden.

Auch sonst wird auf iPhones künftig häufiger gefragt, was für Rechte man Apps gewähren möchte. In den USA hat Facebook ganzseitige Zeitungswerbungen geschaltet, um dagegen zu protestieren. (Warum Facebook grosse Angst vor einem kleinen Pop-up hat)

Kein Wunder, reagiert Facebook so gereizt. Schliesslich gehts um das grosse Ganze, das Kerngeschäft. Unser «Zustimmen» zu den Nutzungsbedingungen ist da nur ein kleines Puzzlesteinchen davon.

Übrigens: Man muss bei der Whatsapp-Meldung nicht zwingend auf «Zustimmen» drücken. Oben rechts findet man ein diskretes X. Drückt man darauf, verschwindet die Meldung ebenfalls. Aber die Vermutung liegt auf der Hand, dass sie in den nächsten Tagen einfach noch mal erscheint. Die Regelungen gelten erst ab dem 8. Februar, und steter Tropfen hat noch jeden Stein gehöhlt.

74 Kommentare
    Bianka

    Irgendwo habe ich gelesen, dass für Europa gemässigte Regelungen gelten, und auf Twitter soll Niamh Sweeney (Director of Policy von Whatsapp) verneint haben, dass Europäer die App nicht mehr nutzen können, wenn sie die aktualisierten Bedingungen und Richtlinien nicht akzeptieren. Also was gilt nun? Und wenn wir schon von "vernetzen, verbinden, verweben" sprechen: gibts bei uns in der Schweiz doch auch: nennt sich SwissID. Da scheint man bald auch keine zwei Optionen mehr zu haben. Beispiel: Die Post. Derzeit hat man die Wahl zwischen Login SwissID und Kundenlogin Post. Auf der Info-Seite SwissID findet sich dann u.a. dieser Satz: Als Kunde der Post werden Sie schrittweise per E-Mail zur Verknüpfung Ihres Post-Benutzerkontos mit SwissID informiert. "Informiert", so wird beschönigend mitgeteilt, dass man ab einem gewissen Zeitpunkt dazu genötigt wird. Und ich sehe es schon kommen: die Post wird als Ausrede für diesen schleichenden Verknüpfungs-Zwang der Post-Konten mit der SwissID wohl vorbringen, dass dies administrative Gründe habe, und zum Wohl der Kunden sei. Man muss nichts zu verbergen haben, um diese Entwicklung abzulehnen.