Zum Hauptinhalt springen

Kolumne LomoWas unten hinkommt

Der «Landbote»-Kolumnist Johannes Binotto muss sich kürzer fassen. Wegen eines Inserats, das unten auf die Zeitungsseite gedruckt wird.

Eine Kolumne zur verzweifelten Suche nach einer günstigen Wohnung passt wohl eher nicht zu einer Anzeige für teures Wohneigentum.
Eine Kolumne zur verzweifelten Suche nach einer günstigen Wohnung passt wohl eher nicht zu einer Anzeige für teures Wohneigentum.
Foto: Samuel Schalch

«Lomo muss ausnahmsweise etwas kürzer ausfallen, weil unten auf der Seite noch eine Anzeige hinkommt.» Mit diesen Worten rief mich gestern der Redaktor an, und ich hab natürlich sofort gesagt: «Kein Problem!»

Punktgenau auf eine fixe Länge zu schreiben, gehört schliesslich zu jenen professionellen Fertigkeiten dazu, die man nach nunmehr bald tausend Kolumnen draufhaben sollte. Ich hab dann auch nicht mehr länger drüber nachgedacht.

«Nicht mal übers Vatersein oder warum ich nicht zum Jäger tauge, kann man da noch schreiben.»

Johannes Binotto

Erst hinterher, als ich am Schreibtisch sass, ist mir aufgefallen, dass ich in der Eile zu fragen vergessen habe, um was für eine Anzeige es sich denn nun handelt, die da unten erscheinen wird. Zwar traue ich der Leserschaft zu, dass sie Kolumne von Werbung zu unterscheiden vermag, und doch kann es passieren, dass unbeabsichtigt plötzlich beides miteinander zu interagieren scheint.

Stellen wir uns nur mal vor, ich schreibe eine Kolumne darüber, wie unbequem die neuen (und sicher sehr teuren) Designerstühle bei Bekannten sind, und unten steht dann die Anzeige für ein Möbelhaus. Könnte sein, dass die mich dann wegen Geschäftsschädigung anzeigen.

Auch Politisches ist ohnehin heikel, jetzt aber ganz besonders, wo doch Abstimmungen anstehen. Nicht mal übers Vatersein oder warum ich nicht zum Jäger tauge, kann man da noch schreiben. Würde einem ja sofort als Propaganda ausgelegt.

Schreibe ich also am besten über etwas ganz Unverfängliches. Aber was ist denn heute noch unverfänglich, wo die Menschen sogar schon wegen nicht existenter Impfungen auf die Strasse gehen. Ich warte jetzt einfach mal ab und schau, was für eine Anzeige unten hinkommt. Dann weiss ich vielleicht wenigstens hinterher, worüber ich nicht hätte schreiben sollen.