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Abgang bei SRF-SatiresendungWegen Kürzungen: Gagschreiber Karpi verlässt «Deville»

Im Jahr der «Comedyoffensive» spart SRF massiv an der Satire. Eine Late-Night-Show beim SRF sei nicht mehr möglich, sagt Showrunner Patrick Karpiczenko.

Als Headwriter war Patrick Karpiczenko verantwortlich für die Gags, seit zwei Staffeln trat er auch als Sidekick auf.
Als Headwriter war Patrick Karpiczenko verantwortlich für die Gags, seit zwei Staffeln trat er auch als Sidekick auf.
Foto: SRF

Eine einzige Satiresendung leistet sich das SRF im Fernsehen noch – und jetzt verliert auch die ihren Headwriter und Sidekick. Weil SRF «substantielle Kürzungen» plant, tritt Patrick Karpiczenko alias Karpi bei «SRF Deville» ab. SRF habe dem Team bereits das Büro weggestrichen und wolle nun Kürzungen im «zweistelligen Prozentbereich» des Budgets umsetzen.

Die Sendung habe man seit dem Start 2016 mit unverändertem Budget produziert, dieses aber immer «dünnergestrichen», sagt Karpiczenko, der die Sendung als Showrunner und Regisseur prägte und seit zwei Staffeln als Sidekick neben Gastgeber Dominic Deville auftrat. «Ich sehe nicht, wie man unter diesen Umständen eine Sendung herstellen kann, die nicht schlechter wird.» Eine Late-Night-Show mit Publikum liege bei SRF eigentlich nicht mehr drin.

Das ist insofern erstaunlich, als das SRF 2020 zum Jahr der «Comedyoffensive» erklärte und «Deville» als «Flaggschiff am Sonntagabend» ausrief, auf Kosten von «Late Update» mit Michael Elsener. Kein Widerspruch, SRF? Man setze weiterhin auf «Deville», heisst es dort. «Wir haben die Anzahl Episoden in diesem Jahr stark erhöht und die zehnte Staffel folgt bereits im September.»

«Mein Kind»

Unter dem Kostendruck werden bei «Deville» vor allem die Tätigkeit der Autoren sowie die Einspieler leiden, sagt Karpiczenko. «Es wird gerade dort gespart, wo man online etwas ausprobiert, auch seltsame Dinge versucht.» Grössere Bekanntheit erlangte «Deville» mit dem Trump-Video «Switzerland Second», das auf Youtube mittlerweile fast 13 Millionen Views zählt.

Traurig ist Karpiczenko dennoch. «Ist schwer, mein Kind gehen zu lassen», schrieb er auf Twitter vor seiner letzten Sendung am Sonntag. Nun werde er weiterhin als Regisseur und Autor tätig sein; zusammen mit der Regisseurin Natascha Beller («Die fruchtbaren Jahre sind vorbei») betreibt er die Firma Apéro-Film.

Was wird nun aus «Deville»? «Karpi hat die Sendung zusammen mit mir entwickelt, laufend vorangetrieben und natürlich auch geprägt», sagt Dominic Deville. Karpis Weggang werde eine weitere Veränderung der Sendung bedeuten, aber nicht das Ende. So hatte Karpiczenko die Aufgabe als Regisseur und Headwriter bereits vor Aufzeichnung der letzten Staffel an andere weitergegeben.

Dominic Deville wird die Kürzungen mit seinem Team nun umsetzen müssen. Noch ist unklar, was das genau heisst. Immerhin kann Gastgeber Deville sicher sein, dass ihm Sidekick Karpi nie wieder die Show stehlen wird, indem er über einen Witz gluckst. Deville: «So ist es! Ich halte es wie die fantastische Band Spinal Tap mit ihren Schlagzeugern. Sobald sie aufmüpfig werden, müssen sie gehen! Karpi soll froh sein, dass er nicht explodiert ist mitten in der Show!»