Zum Hauptinhalt springen

Reaktion auf Corona-RegelnWeitere Kantone denken an Verbot von Grossanlässen

Kaum hatte der Bundesrat Maskenpflicht und Regeln für private Anlässe bekannt gegeben, platzte eine Nachricht aus dem Kanton Bern herein.

Zuschauer mit Schutzmasken bei einem Konzert des Sinfonieorchesters in der Tonhalle St. Gallen.
Zuschauer mit Schutzmasken bei einem Konzert des Sinfonieorchesters in der Tonhalle St. Gallen.
Foto: Gian Ehrenzeller (Keystone)

«Die zweite Welle ist da, und sie ist stärker als gedacht», sagte Gesundheitsminister Alain Berset nach der Sondersitzung des Bundesrats vom Sonntag. Die Landesregierung verordnet deshalb ab Montag landesweit einheitliche Regeln bei der Maskenpflicht in Innenräumen und empfiehlt wenn immer möglich Homeoffice (lesen Sie dazu auch den Kommentar: «Die Schweiz versucht einen hochriskanten Spagat»).

Zudem gilt für private Versammlungen und Feiern eine maximale Teilnehmerzahl von 15 Personen, sind mehr anwesend, gilt unter anderem eine Maskenpflicht (die Regeln im Detail). Die Kantone hatten formell den Bund darum ersucht, solche nationalen Regeln einzuführen. Ziel sei es, dass das «Gschtürm» ein Ende habe, sagte Bundesrätin Simonetta Sommaruga.

Keine generelle Maskenpflicht gilt am Arbeitsplatz. Für Büros und Arbeitsorte, die nicht öffentlich zugänglich sind, empfiehlt das Bundesamt für Gesundheit (BAG) das Maskentragen, wenn der Abstand nicht eingehalten werden kann. Berset begründete die Freiwilligkeit damit, dass viele Arbeitgeber bereits Schutzkonzepte hätten. Zudem seien die Firmen aus wirtschaftlichen Gründen interessiert an Präventionsmassnahmen, damit die Mitarbeiter nicht mit dem Virus angesteckt würden.

Schliessung von Bars und Restaurants?

Massnahmen, die eine Überlastung des Gesundheitswesens verhinderten, seien auch gut für die Wirtschaft, sagte Sommaruga. Der Bundesrat wird sich vor seiner nächsten Sitzung am Mittwoch mit Mitgliedern der wissenschaftlichen Corona-Taskforce treffen. Ob der Bundesrat bereits bei dieser nächsten Sitzung weitere Massnahmen berät oder beschliesst, ist offen. Die Wirkung der nun beschlossenen Schritte lässt sich innert zwei Tagen noch nicht messen. Allerdings könnten alarmierende Meldungen von Spitälern über volle Corona-Stationen rasch weitere Einschränkungen erfordern. Der Bundesrat sei vorbereitet, wenn es weitere einschneidende Massnahmen brauche, sagten Sommaruga und Berset.

Ab Mitternacht müssen in der ganzen Schweiz auf Perrons, in Bahnhöfen und in öffentlich zugänglichen Innenräumen Masken getragen werden.
Ab Mitternacht müssen in der ganzen Schweiz auf Perrons, in Bahnhöfen und in öffentlich zugänglichen Innenräumen Masken getragen werden.
Foto: Urs Jaudas

Die Entscheidungen des Bundesrats begrüsst Taskforce-Mitglied Matthias Egger. «Es ist der richtige Schritt in die richtige Richtung. Chapeau!» Allerdings hätte er sich gewünscht, dass der Bundesrat bereits sagt, welche weiteren Einschränkungen er plant, falls die aktuellen Massnahmen die Ausbreitung des Virus nicht genügend bremsen. Komme es in einer Woche nicht zu einer Verlangsamung der Ansteckungen, müssten sofort weitere Schritte erfolgen. Laut Egger müssten dann Clubs, Bars und Restaurants geschlossen werden. Für Egger wäre ein Stufensystem wie in Irland sinnvoll, wo die jeweiligen Einschränkungen bereits vorgegeben sind, falls die Situation sich verschlechtert.

Auch die FDP fordert von Berset einen nachvollziehbaren Massnahmenkatalog, der sich nach klar definierten Zahlen richte, so wie es Deutschland praktiziere. Die FDP akzeptiert jedoch die nun beschlossenen Massnahmen.

Von den Parteien äusserte sich einzig die SVP kritisch zum Eingreifen des Bundesrats. Es sei völlig unverständlich, dass für Familienanlässe wie Kindergeburtstage und Jubiläumsfeiern mit über 15 Personen eine Maskenpflicht gelte.

Kanton Bern geht noch weiter

Kaum war die Pressekonferenz des Bundesrats vorbei, da platzte eine Nachricht aus dem Kanton Bern herein: Die Berner Gesundheitsdirektion von Pierre-Alain Schnegg (SVP) teilte mit, dass sie ab Montag alle Grossanlässe und Sportanlässe über 1000 Personen wieder verbietet. Schnegg reagiert damit auf die «dramatisch steigenden Corona-Fallzahlen», wie es in einer Medienmitteilung heisst. Auch die Spitaleinweisungen in Bern würden rasch steigen. Das kantonale Ampelsystem sei auf «Rot».

Dem Vernehmen nach hatten die Berner zuvor dem Bundesrat geschrieben, es sei schwer verständlich, wenn er private Anlässe derart stark einschränke, während in Fussballstadien weiterhin Tausende Zuschauer zugelassen seien. Nachdem der Bundesrat diesbezüglich nicht hatte handeln mögen, erliess Schnegg das Verbot noch am Sonntagnachmittag in eigener Kompetenz.

Schon nächste Woche könnten weitere Kantone folgen. Auch in Basel-Stadt sei «eine Einschränkung von Grossanlässen ein akutes Thema», sagt Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger (CVP) und kündigt einen raschen Entscheid an. Davon betroffen wären allen voran Spiele des FC Basel, aber auch andere Grossanlässe. Zuvor will sich Engelberger aber mit dem Kanton Baselland absprechen. Denn die Region Basel sei derart verzahnt, dass es eine Koordination brauche. So liegt etwa die Basler St. Jakobs-Halle auf Baselbieter Territorium.

Genf will vorerst an Grossanlässen festhalten

Auch die Zürcher Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli (SVP) will Grossveranstaltungen ab 1000 Personen verbieten. «Aufgrund der epidemiologischen Lage und weil das Contact-Tracing an Grossanlässen aktuell nicht sichergestellt werden könnte», wie Rickli sagt. Allerdings entscheidet darüber die Zürcher Kantonsregierung, die zuerst mit dem Sonderstab Covid-19 die Massnahmen überprüfen will.

Einschränkungen für Grossanlässe wird überdies der Kanton Thurgau prüfen. Dem Thurgauer Gesundheitsdirektor Urs Martin (SVP) bereiten aber weniger Fussball- oder Eishockeyspiele Sorgen als vielmehr Messen, Weihnachtsmärkte und dergleichen. An solchen Anlässen seien die Abstandsregeln noch viel schwieriger einzuhalten als in einem Stadion. «Wir werden das nächste Woche anschauen», kündigt Martin an.

Vorerst an Grossanlässen festhalten will dagegen der Genfer Gesundheitsdirektor Mauro Poggia (MCG). Genf hatte sein Corona-Dispositiv bereits am Mittwoch verschärft und war damit dem Bundesrat vorangegangen. Nun wolle man zuerst schauen, ob diese Massnahmen nützten, bevor man weitere verabschiede, sagt Poggia.

Alarm aus Walliser Spitälern

Laut Berset ist die Schweiz auf die zweite Welle gut vorbereitet. Dennoch warnte er, dass die aktuelle Zahl von Hospitalisierungen trügerisch sei, weil die jetzt eingelieferten Patienten vor zwei bis vier Wochen angesteckt worden seien. Seither seien die Fallzahlen stark angestiegen. Derweil melden einzelne Spitäler aus den Kantonen bereits eine hohe Auslastung, etwa das Triemlispital in Zürich.

Das Spitalzentrum für das französischsprachige Wallis warnt, dass sich in den letzten drei Tagen die Zahl der Corona-Patienten täglich verdoppelt habe. Da bei jedem vierten hospitalisierten Covid-Patienten das Risiko bestehe, dass er auf die Intensivpflegestation verlegt werden müsse, sei bereits jetzt eine «dramatische Überlastung der Intensivstationen zu befürchten».

181 Kommentare
    Fabio Rossi

    Eigentlich hätte sich der Bundesrat viele Kosten sparen können. Es hätte gereicht eine Delegation aus Japan einfliegen zu lassen, um denen die sich absichtlich dumm stellen zu erklären, wie man eine Maske richtig trägt damit sie auch was nützt. Wenn die Masken in den Clubs/Discos gleich getragen werden wie in den Zügen wundert mich gar nichts mehr.