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Sommerweine im CheckWenig Alkohol im Glas wegen Durcheinander im Rebberg

Der gemischte Satz, eine eigentlich veraltete Methode des Weinbaus, taucht neu gleich mehrfach auf in der Schweiz.

In Österreich müssen es weisse Traubensorten sein, die als gemischter Satz ausgebaut werden – es geht aber auch anders.
In Österreich müssen es weisse Traubensorten sein, die als gemischter Satz ausgebaut werden – es geht aber auch anders.
Foto: Patric Spahni

Fast schon stechend rosa ist der gemischte Satz, der seit 2018 auf Schloss Salenegg in der Bündner Herrschaft gekeltert wird. Wie bei Weinen dieses Namens üblich werden dafür mehrere Traubensorten verwendet – wohlgemerkt alle aus dem gleichen Rebberg, am selben Tag gelesen und zusammen gekeltert.

Önologisch macht das auf den ersten Blick wenig Sinn, weil verschiedene Sorten eigentlich zu verschiedenen Zeiten reif sind. Trotzdem hat besagte Anbaumethode gerade in Österreich eine lange Tradition: Die Traubensorten sind nämlich meist so zusammengestellt, dass man ganz unkompliziert sowohl in kalten als warmen, in trockenen als auch feuchten Jahren einen passablen Wein hinbekommt. Zudem sorgen die verschiedenen Varietäten dafür, dass das Endprodukt aromatisch vielschichtig daherkommt. So weit die Theorie.

Das Endprodukt hat eine fruchtige Nase, ist am Gaumen aber knochentrocken.

«Wir haben unseren gemischten Satz abgefüllt», sagt Betriebsleiter Filas Hörler vom Schloss Salenegg aber, «weil wir vor einigen Jahren eine Versuchsparzelle mit neuen Sorten angepflanzt haben.» Die Chargen dieser jungen Reben einzeln zu keltern, wäre zu aufwendig. Notabene handelt es sich um fünf verschiedene pilzresistente Sorten, vier davon weiss, eine rot, die mit «null Milliliter» Pflanzenschutzmitteln behandelt werden müssen. Das Endprodukt hat eine fruchtige Nase, ist am Gaumen aber knochentrocken.

Die jährlich rund 500 Flaschen des aussergewöhnlichen Rosés seien schnell ausverkauft: «Wir möchten die Fläche mit gemischtem Satz darum noch vergrössern.» Der Wein sei – und dies gefalle der Kundschaft gerade im Sommer – eher alkoholarm und habe eine präsente Säure, «genau weil er Sorten enthält, die eher früh ins Fass wandern.»

Auch in Zürich hat man bei Landolt Weine erstmals einen gemischten Satz abgefüllt – beim «G’mischte Satz 2019» handelt es sich um einen reinen Weisswein. Wurden auch hier Kleinmengen zusammen verarbeitet? «Nein, das Traubengut stammt allesamt von unserem Vorzeige-Rebberg Burghalden», sagt Marc Landolt, der Geschäftsführer. Die drei Sorten Räuschling, Kerner und Gewürztraminer verkauften sich auch separat sehr gut.

«Wir sind gut befreundet mit der österreichischen Winzerfamilie Zahel, die auf Wiener Stadtboden auf gemischten Satz spezialisiert ist», so Landolt. Und von ihr sei quasi der Funken für den aussergewöhnlichen Wein gezündet worden. «Aber wir müssen noch dazulernen, mir ist der Gewürztraminer noch etwas zu sehr im Vordergrund.» Der Wein kommt vor allem bei Weinfreunden gut an, die nicht immer nur massentauglichen Pinot grigio trinken wollen.

Und wie schmeckt der gemischte Satz aus dem Herkunftsland Österreich? Empfohlen sei der schon etwas reifere 2016er «Mit Achtung» vom Weingut Loimer. Ein trockener Wein mit munterer Säure, viel Schmelz, Frucht und Würze. Er hat genug Kraft, um auch neben deftigen Speisen zu bestehen.

Bezugsquellen: www.schloss-salenegg.ch (21 Fr.); www.landolt-weine.ch (22 Fr.), www.kueferweg.ch (35 Fr.)