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Aufgefallen im WeinlandWenn das Fasnachtsfeuer im Wohnzimmer brennt

Die fünfte Jahreszeit fällt in Winterthur und im Weinland praktisch aus. Die Fasnachtsfeuer aber werden mindestens in Marthalen und Stammheim brennen. Die Zuständigen werden kreativ.

Solche Bilder wird es dieses Jahr nicht geben – dicht an dicht schauen sich Menschen eines der Feuer im Stammertal an. Abgebrannt werden die Feuer aber, sie sollen aus der Ferne betrachtet werden, bittet die Gemeinde.
Solche Bilder wird es dieses Jahr nicht geben – dicht an dicht schauen sich Menschen eines der Feuer im Stammertal an. Abgebrannt werden die Feuer aber, sie sollen aus der Ferne betrachtet werden, bittet die Gemeinde.
Foto: Enzo Lopardo

Es flackert, lodert und verbreitet Wärme. Wenn auch vielleicht nur gefühlte, denn mangels eigenem Cheminée kann man einem Feuer auch auf dem Bildschirm zusehen. Sei es gratis auf einem TV-Kanal, auf Youtube oder für die Hardcore-Fans des virtuellen Kaminfeuers auf einer gekauften DVD.

Für die einen pure Erholung, für andere das langweiligste Programm der Welt. Ganz sicher nicht langweilig wird aber, was die Pappenmannli aus Marthalen planen. Die Pappenmannli sind Schüler ab der 4. Klasse, die jedes Jahr Holz und Christbäume zusammentragen, um den grossen Holzhaufen inklusive Böögg auf der Spitze anzuzünden. Am 21. Februar hätte das Spektakel in Marthalen stattfinden sollen – wurde aber wegen der Corona-Pandemie verschoben auf den 20. März. «So besteht mindestens die Hoffnung, dass wir das Feuer im kleinen Rahmen mit unseren Familien entzünden dürfen», schreiben die Pappenmannli in einer Mitteilung. Und eben: «Für jene, die nicht dabei sein können, werden wir einen Livestream einrichten.»

Nach dem Hilari zu Hause ist das wieder eine kreative Aktion, um lokales Brauchtum auch in Zeiten einer Pandemie der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Wie und wo genau das Feuer übertragen wird, darüber werden die Organisatoren noch informieren.

Oder gleich auf dem Hügel

Brennen werden an diesem Sonntag die Fasnachtsfeuer des Stammertals. In Guntalingen, Ober- und Unterstammheim werden die Fasni-Buben ihre grossen Holzhaufen entzünden – wenn es die Witterung zulässt.

Ein öffentlicher Anlass in diesen Zeiten? Ja, denn: «Das Abbrennen der Feuer ist möglich, da bei kulturellen Anlässen für unter 16-Jährige keine Einschränkungen durch den Bund gemacht wurden», das schreibt die Gemeinde auf ihrer Website – und darunter fallen die Schüler, die den Fasni-Buben angehören. Die Gemeinde schreibt aber auch: «Wir bitten die Bevölkerung, zur Einhaltung der Hygiene-, Abstands- und Versammlungsregeln das Fasnachtsfeuer aus der Ferne zu geniessen.»

Die Feuer im Stammertal.
Die Feuer im Stammertal.
Foto: Enzo Lopardo

Bei drei Feuern ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass man mindestens eines gut sieht. Das hätte auch anders sein können: An der Gemeindeversammlung vom vergangenen Juni hatte jemand aus der Bevölkerung angefragt, ob nach der Gemeinde- nicht auch eine Feuerfusion zu prüfen wäre. Der Gemeinderat antwortete mit einem Auszug aus Alfred Farners «Geschichte der Kirchgemeinde Stammheim»: Es habe immer wieder kritische Stimmen gegen die Feuer gegeben. Im Jahr 1700 habe die Kirchenpflege gar – wohl halb im Ernst – gedroht, «die Knaben, die ihre Belustigung dabei suchen, zur Metzg zu führen. Mit welchem Erfolg, lehrt der Augenschein. Jedes Jahr lodern die riesigen Fasnachtsfunken fröhlich in den Himmel.» Die Entscheidung über eine Fusion des Feuers wurde dem Jungvolk überlassen – das Ergebnis wird am Sonntag sichtbar.