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Wie der Bund die Gelder verteilt Wer bekommt die 100 Millionen Nothilfe im Sport?

Ab Freitag können Vereine und Organisationen ihre Ansprüche in der Corona-Krise geltend machen. Allerdings ist die Hürde hoch. Die wichtigsten Fragen.

Der GP Bern, die grösste Laufveranstaltung der Deutschschweiz: Auch sie musste abgesagt werden und ist auf Hilfe angewiesen.
Der GP Bern, die grösste Laufveranstaltung der Deutschschweiz: Auch sie musste abgesagt werden und ist auf Hilfe angewiesen.
Foto: Peter Klaunzer/Keystone

Wer hat das Konzept erarbeitet und die Summe von 100 Millionen Franken festgelegt?

Swiss Olympic, Fussball- und Eishockeyligen sowie verschiedene Sportverbände haben dem Bundesamt für Sport (Baspo) Anfang März ihre Situation erläutert. Mit diesem Wissen wurde ein Aussprachepapier für den Bundesrat vorbereitet. Gestützt darauf hat dieser dem Baspo den Auftrag erteilt, eine Verordnung zu erarbeiten, die alle Details und den Prozess der Unterstützung regelt. Die vorgeschlagenen Beträge von je 50 Millionen Franken für den Profibetrieb (zinsloses Darlehen) und den ehrenamtlichen Sport (à fonds perdu) hat der Bundesrat dann gutgeheissen. Die Verordnung ist seit einer Woche in Kraft. Nun ist eine Taskforce aus Vertretern von Baspo, VBS, Eidgenössischer Finanzkontrolle, Swiss Olympic, der Profiligen im Fussball und Eishockey sowie Spezialisten der Wirtschaftsprüfungs- und Treuhandgesellschaften BDO und Ernst & Young (EY) daran, die Details festzulegen.

Welche ehrenamtlichen Organisationen im Breitensport haben Anspruch?

Das Baspo kann Hilfen in Form von nicht rückzahlbaren Geldleistungen an Organisationen ausrichten, die als Vereine organisiert sind und deren Zweck die Organisation und Durchführung von Veranstaltungen und Wettkämpfen ist. Voraussetzung ist, dass die Zahlungsunfähigkeit droht und die Organisation glaubhaft machen kann, dass diese in einem Kausalzusammenhang mit den Massnahmen des Bundes zur Bekämpfung des Coronavirus steht. Zudem muss die Organisation belegen können, dass sie die ihr zumutbaren Selbsthilfemassnahmen ausgeschöpft hat (bspw. Kurzarbeit beantragt und Verhandlungen über eine Stundung bzw. einen Schuldenerlass mit den grössten Gläubigern führt).

Welche Profi-Teams profitieren von einem zinslosen Darlehen und bis in welche Liga? Nur Fussball und Eishockey? Oder beispielsweise auch Volleyball und Unihockey?

Massgeblich ist die Beurteilung, ob die Organisation überwiegend im professionellen Bereich tätig und gewinnorientiert strukturiert ist. Gemäss den rechtlichen Vorgaben fallen die Clubs der jeweils beiden höchsten Ligen im Fussball und Eishockey unter diese Klausel. Aber auch diese Clubs, die um ein Darlehen bitten, müssen vorgängig die zumutbaren Selbsthilfemassnahmen getroffen haben. Zu den oben genannten Massnahmen kommt die Beantragung eines vom Bund verbürgten Corona-Notkredits ihrer Hausbank. Diese Möglichkeit steht seit Mittwoch auch den als KMU organisierten Clubs zur Verfügung.

Das Baspo wird die 100 Millionen Franken ausschliesslich dafür einsetzen, um vor Zahlungsunfähigkeit zu bewahren.

Wie schnell müssen die Clubs den Kredit abzahlen?

Innerhalb von fünf Jahren. Wenn das dem Schuldner nicht möglich ist, kann die Frist um zwei Jahre verlängert werden.

Was passiert, wenn das Geld für kostspielige Transfers verwendet wird?

Das ist aus zwei Gründen nicht möglich: Einerseits wird das Baspo die 100 Millionen Franken ausschliesslich dafür einsetzen, um vor Zahlungsunfähigkeit zu bewahren. Organisationen, die Ertragsausfälle haben, aber nicht zahlungsunfähig zu werden drohen, werden nicht entschädigt. Andererseits bekommen nur jene Hilfe, die aufzeigen, dass sie Sofortmassnahmen ergriffen haben, um einen Liquiditätsengpass zu verhindern. Damit ist insbesondere die Kurzarbeit gemeint. Wer diese nicht in rascher Frist anmeldet, wird keine Chance haben (mehr dazu auf der Website des Seco). Weitere mögliche Massnahmen sind das momentane Stoppen von staatlichen Abgaben (direkte Bundessteuer, Mehrwertsteuer etc.) und das Gespräch mit den grössten Gläubigern (bspw. Vermieter der Infrastruktur), um nach einvernehmlichen Lösungen zu suchen. Zudem müssen Vermögenswerte wie bspw. Aktien in zumutbarem Umfang veräussert werden. Art. 6 der Verordnung lautet: «Die Finanzhilfe überbrückt einmalig Liquiditätslücken bis zu zwei Monaten.» Diese Formulierung ist so zu verstehen, dass der Bundesrat jenen Sportorganisationen so rasch als möglich helfen will, die wegen der bis am 19. April befristeten Massnahmen in Notlage sind oder es bald sein werden. Entsprechend muss diese Unterstützung zum Schutz vor Zahlungsunfähigkeit verwendet werden – und nicht für Transfers.

Ist die Rechtsform des Veranstalters entscheidend für den Antrag auf Hilfe?

Ja, sie ist entscheidend, ob er A-fonds-perdu-Beiträge oder ein Darlehen beantragen kann. Bei A-fonds-perdu-Beiträgen muss es sich um einen Verein, also eine nicht gewinnorientierte Organisation, handeln. Gewinnorientierte Organisationen können ein Gesuch um ein Darlehen stellen.

Tour de Romandie 2020: Auch sie findet wegen des Coronavirus nicht statt.
Tour de Romandie 2020: Auch sie findet wegen des Coronavirus nicht statt.
Foto: Vanessa Cardoso

Können auch Verbände Anträge stellen wie beispielsweise der Tennisverband, dem Lizenzeinnahmen fehlen, weil die Interclub-Saison wohl ausfällt?

Die Systematik bleibt immer die gleiche: Die Frage ist, wird der Verband deshalb zahlungsunfähig?

Kann ein 5.-Liga-Fussballclub Hilfe erwarten, weil er das Grümpelturnier nicht durchführen kann, das ihm einen grossen Teil des Jahresbudgets garantiert?

Auch hier gelten die zuvor schon erläuterten Bedingungen, Voraussetzung ist, dass Zahlungsunfähigkeit droht.

Der Bund unterstützt auf Basis des Sportförderungsgesetzes ausschliesslich Sportorganisationen, jedoch keine Einzelsportler/innen.

Kann ein Einzelsportler einen Antrag stellen, weil Wettkämpfe ausgefallen sind, bei denen es um Preisgelder und letztlich Prämien ging?

Der Bund unterstützt auf Basis des Sportförderungsgesetzes ausschliesslich Sportorganisationen, jedoch keine Einzelsportler/innen und beispielsweise deren Masseure, Physiotherapeuten und Materialwarte. Dies gilt auch in dieser ausserordentlichen Situation.

Profitieren private Fitnessanbieter von der Nothilfe?

Diese können wie andere KMU im Rahmen des vom Bundesrat verabschiedeten Hilfspakets für die Wirtschaft Unterstützung beantragen.

An wen müssen sich Vereine und Veranstalter wenden, um Entschädigungen zu erhalten und: Ab wann können sie das tun?

Ab Freitagabend werden sie auf den Websites von Swiss Olympic und dem Baspo über den genauen Abwicklungsmodus orientiert und mit Unterlagen wie Gesuchsformularen bedient.

Wer bestimmt, wie die Gelder verteilt werden?

Das Baspo.

Er ist der Direktor des Baspo: Matthias Remund.
Er ist der Direktor des Baspo: Matthias Remund.
Foto: Sophie Stieger

Werden alle Gesuche geprüft?

Selbstverständlich. Die Zuständigkeit liegt beim Baspo. Swiss Olympic hat die Wirtschaftsprüfer BDO und EY beauftragt, die vorgeschriebene Triage – Dringlichkeit der Finanzhilfe, Aussicht auf finanzielle Gesundung – vorzunehmen. Diese Vorarbeiten werden es erlauben, die Gesuche rasch zu beurteilen.

Wie will man gegen Missbrauch vorgehen?

Unkorrekte Angaben werden mit Gefängnis oder einer Busse von bis zu 30’000 Franken bestraft. Bei der Eingabe des Gesuchs wird das dem Gesuchsteller mitgeteilt.

Was passiert, wenn die zweimal 50 Millionen Franken nicht reichen?

Dann müsste der Bundesrat gemäss der aktuellen Lage über weitere Massnahmen entscheiden.