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Kolumne LandluftWer braucht schon ein Meer?

Das einstige Meer in der Region ist nicht mehr. Auch auf die Reise in den Süden verzichteten diesen Sommer einige. Doch wie schafft man es, das Verlangen nach Meer abzustreifen wie verbrannte Haut?

Die Landluft-Kolumne nimmt Themen aus der Region auf und macht sich Gedanken dazu.
Die Landluft-Kolumne nimmt Themen aus der Region auf und macht sich Gedanken dazu.
Cartoon: Ruedi Widmer

Man will ja meistens das, was man nicht hat: ein Meer zum Beispiel. Die schäumenden, rauschenden Wellen, der feine, nasse Sand, der dem Druck der Füsse leicht nachgibt. Hach, das fehlt leider in unser ansonsten schönen Region.

Nun war das diesen Sommer ja eher etwas schwierig mit dem Verreisen. Herr und Frau Schweizer verstopften deshalb lieber die regionalen Seen und Flüsse statt den Gotthard. Für einen Sommer mag ein Meeresverzicht ja mal gehen, aber was ist mit dem nächsten?

Hätte sich der Homo sapiens doch nur etwas schneller entwickelt, dann ginge es uns besser. Vor ein paar Milliönchen Jahren waren Winterthur und das Weinland nämlich mal Hailand (no Jesus). Ein Meer bedeckte damals die Region, noch heute findet man mit etwas Glück Versteinerungen aus jener Zeit. Da stellt sich die Frage: Corona-Medikament oder Zeitmaschine, was wohl einfacher zu entwickeln ist?

Sand auf dem Badetuch, die eng anliegenden, pinken Speedos beim beleibten Strandnachbarn, der unabsichtliche Schluck Salzwasser, bäh!

Aber man kann auch andere Strategien entwickeln, wenn man nicht bekommt, was man will: Das Bedürfnis abschwächen. Denn: Sand auf dem Badetuch, die eng anliegenden, pinken Speedos beim beleibten Strandnachbarn, der unabsichtliche Schluck Salzwasser, bäh!

Ich habe für dieses Jahr sogar eine noch drastischere Massnahme gewählt und auf Netflix sämtliche höchstwissenschaftlichen Haifilme geschaut: Mit dem weissen Hai, dem Urzeit-Hai Megadolon und anderen genmanipulierten Killermaschinen kenne ich mich nun so gut aus, dass ich die nächsten paar Jahrmilliönchen gut auf das Meer verzichten kann. Haiaiai!

Nur etwas hat mich nach den Filmen überrascht und beschäftigt mich seither: Wenn ich mir Haie vorstelle, sprechen sie immer mit französischem Akzent (’Allo, isch bin ein ’Ai). Warum auch immer. Vielleicht liegt meine Urangst ja darin begründet: nicht die Angst vor einem abgetrennten Arm, sondern einem überraschenden Französisch-Voci-Test mitten im Meer.