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Corona und private Anlässe Wie eine Hochzeit mit 55 Personen zu 177 Ansteckungen und 7 Todesfällen führte

Nachlässigkeit resultierte im US-Bundesstaat Maine in einem Super-Spreading-Event mit zahlreichen Opfern. Brisant: Keine der hospitalisierten oder verstorbenen Personen war an der Hochzeit.

Corona-Massnahmen wurden nicht eingehalten: Im Big Moose Inn feierten am 7. August über 50 Personen.
Corona-Massnahmen wurden nicht eingehalten: Im Big Moose Inn feierten am 7. August über 50 Personen.
Foto: Robert F. Bukaty (AP/Keystone) 

Es war ein sonniger Freitag Anfang August im Örtchen Millinocket im US-Bundesstaat Maine. Perfektes Wetter für den wohl glücklichsten Tag im Leben der beiden Brautleute. Nach der Zeremonie in einer Baptisten-Kirche kehrten die 55 Gäste in eine Herberge rund 20 Autominuten davon entfernt ein. Der Anlass sollte zum Superspreader-Event mit 177 Neuinfektionen werden. Sieben Menschen werden im Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung hospitalisiert, sieben sterben. Keine dieser Personen gehörte zu den Hochzeitsgästen.

Die Seuchenbehörde des Bundesstaates, das Maine Center for Disease Control and Prevention (MeCDC), hat den Corona-Ausbruch in Millinocket in einem Bericht rekonstruiert. Sie kommen zum Schluss: Die Hochzeitsgäste hielten sich nicht an die vorgeschriebenen Corona-Massnahmen, und manche Infizierte gingen trotz Symptomen weiterhin zur Arbeit.

Keine Gästeliste geführt

Im Big Moose Inn, einer Herberge im Westen des Bundesstaates Maine, kamen am 7. August 55 Personen zum Hochzeitsmahl zusammen. Das waren fünf mehr, als im Bundesstaat eigentlich erlaubt gewesen wären. In der Herberge sassen alle Gäste an Tischen zu vier bis sechs Personen. Am Eingang wurde jedem Gast die Temperatur gemessen. Keine Auffälligkeiten. Drinnen wiesen Schilder auf die Maskenpflicht und weitere Schutzmassnahmen wie etwa Abstandhalten hin. Gemäss dem Bericht des MeCDC hielt sich jedoch lediglich das Personal an diese Vorgaben.

Eine Liste mit allen Teilnehmern zur Kontaktverfolgung wurde ebenfalls nicht geführt. Das MeCDC erhielt die Informationen zur genauen Zahl der Gäste von einer Person, welche die Hochzeit besucht hatte. Diese habe jedoch nicht die Kontaktdaten der anderen Gäste mitgeteilt, schreibt die Seuchenbehörde. Ansteckungen im Zusammenhang mit der Hochzeit mussten somit über das sogenannte Backward-Tracing ermittelt werden.

Personen arbeiteten trotz Symptomen noch mehrere Tage weiter

Das MeCDC befragte dazu nachweislich Infizierte oder Personen mit Corona-typischen Symptomen. Es ging etwa darum, wann ihre Symptome eingesetzt hatten und ob sie seit Beginn der Symptome oder eines positiven Corona-Tests an einer Veranstaltung gewesen waren.

Als Index-Patient macht das MeCDC eine Person aus der Gegend aus, welche einen Tag nach dem Besuch an der Hochzeit Symptome bekam. Die Person erhielt erst am 13. August ein positives Testresultat. Unklar ist, wann sie sich testen liess. Das Brautpaar sowie deren Familien waren vor der Hochzeit zwar in Kalifornien, machten jedoch nach der Einreise einen Corona-Test, welcher bei allen negativ ausfiel. Die ersten beiden Infektionen wurden fünf Tage nach der Hochzeit festgestellt; zwei Personen, die sich wegen Fieber, Husten und Halsschmerzen hatten testen lassen.

Ausgangspunkt eines grossen Corona-Ausbruchs im Bundesstaat Maine: Das Big Moose Inn in der Nähe des Örtchens Millinocket.
Ausgangspunkt eines grossen Corona-Ausbruchs im Bundesstaat Maine: Das Big Moose Inn in der Nähe des Örtchens Millinocket.
Foto: Robert F. Bukaty (AP/Keystone) 

In den Tagen nach der Hochzeit steckten sich immer mehr Personen an. Das MeCDC konnte in der Zeitspanne vom 7. bis am 20 August rund 30 (potenzielle) Ansteckungen auf das Event zurückführen. Das waren Personen, die an der Hochzeit anwesend waren. Weitere 27 Fälle konnte die Behörde in den Zusammenhang mit der Hochzeit bringen. Nur gerade 10 Prozent der bis dahin möglichen Infizierten waren asymptomatisch, wiesen also keinerlei Symptome auf.

Im weiteren Verlauf kam es auch zu Ansteckungen in einer Pflegeeinrichtung, einer Justizvollzugsanstalt sowie einer Schule. In den meisten Fällen wurde das Virus durch einen Mitarbeiter, welcher die Hochzeit besucht hatte, eingeschleppt. Die Personen arbeiteten teils trotz Symptomen noch mehrere Tage weiter. Sechs der sieben Todesfälle ereigneten sich in der besagten Pflegeeinrichtung, ein weiterer gemäss Bericht bei den Hochzeitsgästen oder deren Kontaktpersonen.

Zahl könnte noch höher sein

Bis 14. September haben die Ermittler 177 Ansteckungen auf die Hochzeit am 7. August zurückgeführt. Da eine Liste mit allen Gästen gefehlt habe, könnte die Zahl auch höher sein, schreiben die Autoren. Zudem könnten sich die Corona-Ausbrüche in den anderen Einrichtungen nicht zweifelsfrei auf die Hochzeit zurückführen. Die Mitarbeitenden hätten sich auch Ausserhalb anstecken können.

Aufgrund der Ergebnisse raten die Ermittler des MeCDC, grosse Versammlungen zu meiden, sich an die Corona-Massnahmen zu halten und bei Symptomen zu Hause zu bleiben. Personen, welche Kontakt zu Infizierten hatten, sollten sich testen lassen, empfehlen die Autoren. «Nahe Kontakte sollten sich auch für 14 Tage in Selbstquarantäne begeben – ungeachtet des Vorliegens von Covid-19-typischen Symptomen.»

sho

29 Kommentare
    Rolf Helbling

    Das sind auch realitätsferne Vorschriften laubt denn irgendjemand ernsthaft, auf einer Hochzeit würden die Gäste Masken tragen? Wenn schon müsste man solche Anlässe verbieten.