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Gut trainierte NaseWie ich mich wegen Corona mit meinem Geruchssinn versöhnte

Unsere Autorin gehört zu den Menschen mit besonders gutem Riechvermögen. Während der Pandemie ging sie dem Phänomen auf den Grund.

Gibt es Menschen, die den Geruch von Tannenzweigen nicht mögen?
Gibt es Menschen, die den Geruch von Tannenzweigen nicht mögen?
Foto:Photocase/Imago

Wenn man etwas gut kann, ist das angenehm. Ausser es handelt sich bei dem Etwas um Riechen. Wenn andere am Morgen zur Bäckerei spazieren, sehen sie einen süssen Hund, einen freundlichen jungen Mann, eine elegante ältere Dame; vor der Bäckerei riechen sie vielleicht: Gipfeli. Ich gehe aus dem Haus und rieche die Kacke, die dem Hund noch am Hinterteil klebt, den Knoblauch, den der junge Mann gestern Abend ass, die Vanillebodylotion der älteren Dame, gemischt mit viel von ihrem Parfüm. Vor der Bäckerei ist mir schlecht.

In der Vergangenheit habe ich meinen Geruchssinn deswegen oft verflucht. Zu viel rieche ich, dauernd, zu stark. Könnte ich ihn nur loswerden!, dachte ich. Dann kam Corona. Und mit steigenden Fallzahlen hörte ich immer häufiger von einer geheimnisvollen Begleiterscheinung der Erkrankung: totaler Geruchsverlust. Mittlerweile gilt der als eines der häufigsten und eindeutigsten Symptome von Covid-19. Ich schäme mich für meine Verwünschungen und beschliesse, meinen Geruchssinn schätzen zu lernen. Gerade die Adventszeit bietet dafür ja reichlich Gelegenheit; sogar diese Adventszeit, die sich sonst wenig festlich anfühlt, einsamer, verlorener, kälter.

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