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Psychologie des MaskentragensBesser entscheiden dank Maske

Bietet der Mund-Nasen-Schutz einen Vorteil in Verhandlungen? Experimente legen das zumindest nahe. Masken dämpfen demnach emotionale Reaktionen.

Emotionen sind nur schwach erkennbar hinter einer Maske: Passanten in Japan.
Emotionen sind nur schwach erkennbar hinter einer Maske: Passanten in Japan.
Foto: Carl Court (Getty Images)

Mit einer Atemmaske vor Nase, Mund und Kinn verändert sich der Blick auf die Welt. Als Brillenträger erfährt man zunächst einen eintrübenden Effekt: Die Gläser beschlagen. Die warm-feuchte Abluft des Atemtrakts setzt eine Art Dampfsperre zwischen das Ich und die Umgebung, und so verwandeln sich die ersten Schritte mit Maske im Lebensmittelgeschäft zu einem halben Blindflug.

Selbst wenn die Brillengläser wieder klar sind, leidet der Blick auf die anderen maskierten Menschen um einen herum: Hat der Mann gerade gelächelt, als er einem den Weg frei gemacht hat? Oder hat die Maske einen grimmigen Ausdruck verborgen?

Wie sich Masken auf soziale Interaktionen auswirken, ist bislang noch weitgehend unklar. Die Forschung dazu setzt gerade erst ein, es ist ja noch nicht so lange her, dass Atemmasken zu einem alltäglichen Anblick geworden sind. Gerade haben nun Ramzi Fatfouta von der University of Applied Sciences in Berlin und Yulia Oganian von der University of California in San Francisco auf dem Preprintserver Psyarxiv.com eine Studie veröffentlicht, die sich dieser Frage widmet.

Das Ergebnis mutet zunächst seltsam an: Demnach akzeptieren Menschen eher ein unfaires Angebot, wenn dieses von einer Person mit medizinischer Atemmaske unterbreitet wirdund das sei auch noch rational, so die beiden Wissenschaftler. Das erfordert Erklärung.

Psychologische Distanz fördert das rationale Denken

Fatfouta und Oganian liessen ihre knapp 500 Probanden das sogenannte Ultimatumspiel spielen. Dieses funktioniert nach den folgenden, einfachen Regeln: Ein Spieler darf einen Betrag (zum Beispiel zehn Franken) nach Gutdünken zwischen sich und seinem Mitspieler aufteilen. Die zweite Person muss entscheiden, ob sie das Angebot annimmt oder nicht. Weist sie es zurück, gehen beide Spieler leer aus. Akzeptiert sie, erhalten beide den entsprechenden Betrag. Rational wäre es, jedes Angebot anzunehmen aus ökonomischen Gründen ist es schliesslich vernünftiger, wenig Geld statt gar keines zu bekommen. Aber so ticken die Menschen eben nicht: Erhalten sie unfaire Angebote, dann verzichten die meisten lieber auf Geld, Hauptsache, der Egoist auf der anderen Seite des Tisches kriegt auch gar nichts.

Atemmasken dämpfen diese emotionale Reaktion offenbar. Fatfouta und Oganian legten ihren Probanden Fotos der Person vor, von denen die Angebote im Ultimatumspiel vermeintlich stammten. Trug diese auf dem Bild eine medizinisch anmutende Atemmaske, dann akzeptierten sie unfaire Angebote eher, als wenn ihr Gegenüber keine Maske trug. Handelte es sich um ein eher sportlich gestaltetes Tuch, das anstelle einer Maske getragen wurde, stellte sich dieser Effekt hingegen nicht ein.

Daraus liesse sich ableiten: Hat man mit einem Menschen mit Schutzmaske zu tun, dann reagiert und handelt man eventuell ein kleines bisschen weniger emotional. Womöglich, so spekulieren die beiden Wissenschaftler, liege dies daran, dass durch die Atemmasken «psychologische Distanz» geschaffen werde und dadurch das rationale Denken etwas mehr Raum erhalte.

59 Kommentare
    Roland Mayer

    Seit wann erhöht die Angst die Fähigkeit zum rationalen Denken? Der Artikel beweist das pure Gegenteil!