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Verständnis und KampfansageWie Schweizer Ultras auf die neuen Stadion-Regeln reagieren

Am Samstag beginnt in der Schweiz die neue Fussballsaison. Nun äussern sich erstmals die organisierten Fans zu den verschärften Sicherheitsregeln.

Ohne Ultras in die neue Saison: Die Fangruppierungen werden vorerst nicht gemeinsam  ins Stadion zurückkehren.
Ohne Ultras in die neue Saison: Die Fangruppierungen werden vorerst nicht gemeinsam ins Stadion zurückkehren.
Foto: Keystone

Es kommt selten vor, dass die Schweizer Fanszene sich auf ein gemeinsames Communiqué einigt und geschlossen nach aussen auftritt. Dazu braucht es schon besondere Umstände. Zum Beispiel ein Saisonstart während einer Pandemie.

Am Samstag beginnt die neue Fussballsaison, coronabedingt zuerst ohne Fans. Doch ab dem 3. Spieltag anfangs Oktober wird alles anders. Plötzlich sind wieder Fans im Stadion erlaubt, die Stadien dürfen wieder zu zwei Drittel gefüllt werden. Deswegen ist aber noch lange nicht alles beim Alten. Am Eingang werden die Kontaktdaten der Fans erfasst, es herrscht eine Sitzplatzpflicht und Gästefans werden keine zugelassen.

Nun haben sich die Ultras – darunter auch die Anhänger des FCZ, des FC Basel und der Young Boys – zu den neuen Regeln geäussert. In einer Mitteilung schreiben sie: «Die grossen Schweizer Fanszenen haben gemeinsam beschlossen, unter diesen Voraussetzungen bis auf Weiteres nicht im Stadion in Erscheinung zu treten.» Der Besuch von Fussballspielen bedeute für sie Emotionen, Leidenschaft und lautstarken Support und gemeinsame Reisen an Auswärtsspiele. Dies sei aber aktuell in dieser Form nicht möglich.

«Use mit de Stüehl»: Um ihrem Anliegen Nachdruck zu verleihen, montierten FCZ-Fans die Sitze in der Südkurve im Stadion Letzigrund vor einem Spiel gegen St. Gallen im Jahr 2010 gleich selber ab.
«Use mit de Stüehl»: Um ihrem Anliegen Nachdruck zu verleihen, montierten FCZ-Fans die Sitze in der Südkurve im Stadion Letzigrund vor einem Spiel gegen St. Gallen im Jahr 2010 gleich selber ab.
Foto: Steffen Schmidt (Keystone)

Massnahmen sollen mit Pandemie enden

Personalisierte Sitzplätze, Spiele ohne Gästefans, ohne Stehplätze – diese Massnahmen sind für Fans nichts Neues. Sicherheitspolitiker bringen sie immer wieder ins Spiel, wenn sie etwas gegen Pyrofackeln oder Ausschreitungen im Umfeld von Eishockey- oder Fussballspielen unternehmen möchten. Bisher scheiterten solche Massnahmen stets am Widerstand der Fans, die um Freiräume in den Fankurven kämpfen.

Nun bestimmt aber eine globale Pandemie den Alltag. Und die Fans zeigen Verständnis für die neuen Regeln. Zwar gehen sie nicht geschlossen als Gruppierung an die Spiele, aber sie verzichten auch auf einen Boykott-Aufruf aus Protest.

Die Fussballfans stellen in ihrer Mitteilung allerdings klar, dass diese Akzeptanz mit der Pandemie ende. Die Massnahmen dürften ausschliesslich an die Bekämpfung der Ausbreitung des Coronavirus gekoppelt sein. «Wir werden sie entschieden bekämpfen, sollten sie von dieser Zielsetzung entkoppelt und schleichend in Repressionsinstrumente überführt werden.» Die Behörden und Politik täten gut daran, die aktuelle Situation nicht zu missbrauchen, schreiben die Fans weiter.