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Nachwuchs im ZooWie soll das Koala-Baby heissen?

Vor sieben Monaten ist das erste Koala-Jungtier im Zoo Zürich geboren. Doch erst jetzt kann man hie und da einen Blick darauf erhaschen.

Ab und zu getraut sich das Joey aus dem Beutel der Mutter, hält sich aber immer noch an ihr fest.
Ab und zu getraut sich das Joey aus dem Beutel der Mutter, hält sich aber immer noch an ihr fest.
Foto: Zoo Zürich, Enzo Franchini

Es braucht derzeit viel Geduld im Australienhaus des Zoos Zürich. Obwohl ein Tierpfleger frische Eukalyptusstauden bringt, bleiben die beiden Koala-Weibchen äusserst gelassen. Doch dann wacht Pippa auf, setzt sich mitten ins Futter und beginnt zu fressen. Den wartenden Medienschaffenden und Fotografen dreht sie aber erst mal den Rücken zu. Dabei interessiert doch, was sich da an ihrem Bauch festklammert.

Das erste im Zoo Zürich geborene Koala-Jungtier, das wie bei den Kängurus Joey genannt wird, wagt sich immer öfter aus dem mütterlichen Beutel hinaus. Derzeit klammert es sich aber immer noch an seine Mutter und ist deshalb schwer zu sehen.

Dank Geruchsinn in den Beutel

Erst nach einer kleinen Ewigkeit, als Pippa schon fast wieder eingeschlafen ist – Koalas schlafen mit 20 Stunden pro Tag mehr als Faultiere – streckt das Joey seinen Kopf an die frische Luft und klettert sogar auf den Rücken seiner Mutter. So wird Pippa ihr Junges nun immer öfter herumtragen.

Mit grossen Augen erkundigt das Koala-Joey seine Umgebung
Video: Keystone

Das Koala-Baby ist bereits sieben Monate alt. Nach nur 35 Tagen Trächtigkeit gebar Pippa ein zwei Zentimeter grosses und unter einem Gramm schweres pink Böhnchen. Der Koala-Embryo ist nackt, blind und hat noch keine Ohren. Entwickelt sind nur der Geruchsinn und seine Vorderpfoten. Damit findet es seinen Weg in den Beutel der Mutter, wo es sich an einer Zitze festsaugt und sechs Monate bleibt.

Im Alter zwischen sechs und neun Monaten gewöhnt sich das Jungtier immer mehr an die Aussenwelt und beginnt erste Eukalyptusblätter zu fressen. Damit es diese überhaupt verdauen kann, frisst es einen speziellen Kot der Mutter, den diese im Blinddarm produziert.

Wer entdeckt das Koala-Baby?
Wer entdeckt das Koala-Baby?
Foto: Keystone

«Ob das Joey weiblich oder männlich ist, wissen wir noch nicht», sagte Zoo-Kurator Pascal Marty am Mittwoch vor den Medien. So nahe heran seien die Tierpfleger noch nicht gekommen. Dennoch wird bereits ein Name für das Jungtier gesucht. Per Online-Voting kann man zwischen Undala (eine Eukalyptusart) und Umina (das Aborigines-Wort für Schlaf) für ein Weibchen und zwischen Uki und Uley (Ortschaften in Australien) für ein Männchen wählen.

Zwei Penisse und drei Vaginen

Koalas zu züchten, ist nicht ganz einfach. Zwar sind die anatomischen Bedingungen bei den Koalas hilfreich – das Männchen hat einen gespaltenen Penis und das Weibchen drei Vaginen und zwei Gebärmütter. Doch dass ein Jungtier die frühe Embryo-Phase übersteht, ist nicht selbstverständlich. Pippas Gefährtin Maisy hatte dieses Jahr ebenfalls ein Jungtier im Beutel. Es überlebte aber nicht.

Ein weiterer Faktor, der den Koalas das Leben schwer macht, ist ein Retrovirus, das die Tiere in Zürich und auch die meisten wilden Koalas in ihrem Erbgut tragen. An den Auswirkungen eines Virusschubs verstarben im Laufe des letzten Jahres beide Zürcher Koala-Männchen, Mikey und Milo, der Vater von Pippas Joey.

Auf mehr Koala-Nachwuchs kann deshalb im Zoo Zürich derzeit nicht gehofft werden. Aber erst mal werden sich die Besucher darüber freuen können, wenn Pippas Jungtier immer mutiger wird und mit knapp einem Jahr unabhängig von der Mutter in seiner eigenen Astgabel fressen und schlafen wird.