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Winterstürme bedrohen Pfahlbauten im Zürichsee

Das Unesco-Weltkulturerbe im Zürichsee ist gefährdet: Stürme wie das Tief Burglind vor einem Jahr legen heute die Pfahlbauten im Seegrund schneller frei als all die Jahrtausende davor.

Ein Feld aus Pfählen: Die Fundstelle Schellen bei Meilen.
Ein Feld aus Pfählen: Die Fundstelle Schellen bei Meilen.
PD/Unterwasserarchäologie Zürich, Amt für Städteba
Bei der Fundstelle Röhrli in Rüschlikon wirbeln Schiffswellen die Sedimente auf und verstärken so die Erosion.
Bei der Fundstelle Röhrli in Rüschlikon wirbeln Schiffswellen die Sedimente auf und verstärken so die Erosion.
PD/Unterwasserarchäologie Zürich, Amt für Städteba
Gekippter Pfahlschuh mit zugehörigem Pfahl an der Fundstelle Rapperswil-Jona Kempraten.
Gekippter Pfahlschuh mit zugehörigem Pfahl an der Fundstelle Rapperswil-Jona Kempraten.
PD/Unterwasserarchäologie Zürich, Amt für Städteba
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Über 5000 Jahre haben mehrere prähistorische Siedlungsreste im Zürichsee überdauert, nun sind sie aber je länger je mehr bedroht. Starke Stürme wie das Tief Burglind vor einem Jahr richten nämlich nicht nur in Wäldern grosse Schäden an. Auch unter Wasser hinterlassen sie Spuren: Sie ziehen die Überreste der Pfahlbauten in Mitleidenschaft.

Dem Schutz der archäologischen Stätten, von denen einige zum Unesco-Weltkulturerbe zählen, kommt deshalb eine immer grössere Bedeutung zu. Dies legt eine kürzlich erschienene Publikation der Unterwasserarchäologie Zürich nahe. Sie hat darin ihre Aktivitäten der vergangenen zwei Jahre aufgelistet. Daraus geht hervor, dass die Fachstelle des Zürcher Amts für Städtebau an rund 15 Stellen am Zürichsee Kontroll-Tauchgänge wegen der fortschreitenden Erosion durchführt hat.

Freigespülte Pfähle

Eindrücklich dokumentiert ist, welche Folgen Burglind für die Pfahlbaureste in Winkel bei Erlenbach hatte. Die durch den Sturm verursachten Strömungen haben einen sogenannten Pfahlschuh komplett freigespült. Dabei handelt es sich um eine hölzerne Konstruktionsplatte, welche die Last auf dem Boden verteilte und das Einsinken eines Pfahls verhinderte. Ein Teil des Holzstücks war zwar schon vor dem Sturm freigelegt, nach Burglind lag es aber gänzlich offen auf dem Seegrund.

Leitungsgräben, Häfen und Wellen von Schiffen haben die schützenden Seesedimente abgetragen und die Kulturschichten ans Tageslicht gebracht.

Dass einzelne Stürme eine solche Wucht entfalten können, ist ein neueres Phänomen. Bis Ende des 19. Jahrhunderts hatten Ruinen, Siedlungsabfälle, Werkzeuge, Keramik und Schmuck die Jahrtausende fast unbeschadet in den Seeablagerungen überstanden. Seit der Industrialisierung hat sich dies jedoch geändert, da der Mensch immer mehr in den Naturraum eingegriffen hat: Leitungsgräben, Häfen und Wellen von Schiffen hätten die schützenden Seesedimente abgetragen und die Kulturschichten ans Tageslicht gebracht, heisst es im Bericht «Forschen & Schützen».

Wirbel wegen Ufermauern

Besonders tückisch sind die vielen Uferverbauungen. Früher, als das Seeufer noch fast überall flach war, liefen die Wellen mit abnehmender Wassertiefe aus. Heute donnern sie mit voller Wucht gegen die Ufermauern, sodass Verwirbelungen entstehen, die den Seegrund abtragen. Stürme wie Burglind haben deshalb eine besonders grosse Zerstörungskraft. «Die alljährlichen Winterstürme – welche es zweifellos bereits früher gegeben hat – haben heute viel grössere Auswirkungen auf die archäologischen Fundstätten», schreiben die Autoren.

Die Archäologen versuchen das historische Erbe auf verschiedene Art und Weise zu schützen. Bei Häfen versehen sie beispielsweise die Ketten von Bojen mit Schwimmern, damit diese nicht über den Seegrund schleifen. Oft erstellen sie auch Schutzabdeckungen mit Kies. Für viele Stätten braucht es aber ein umfassenderes Schutzkonzept. Ein solches erarbeiten die Forscher derzeit für die Fundstelle bei der Halbinsel Au.

Video: Eine Tür in die Vergangenheit der Zürcher Pfahlbauer

Mitten auf dem Zürcher Sechseläutenplatz, wo heute ein unterirdisches Parkhaus steht, gab es vor 5000 Jahren eine grössere Pfahlbauersiedlung.

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