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Historisches Bild Winterthur 1895, eine Stadt im Ausnahmezustand

Für das Eidgenössische Schützenfest putzte sich die Stadt heraus – und stiess mit 789 Hektoliter Bier an.

Festzug vor dem Gabentempel des Schützenfests 1895: Eines von rund 60’000 Bildern, die im
Onlinebildarchiv der Winterthurer Bibliotheken frei betrachtet werden können.
Schützenfest 1895.
Festzug vor dem Gabentempel des Schützenfests 1895: Eines von rund 60’000 Bildern, die im
Onlinebildarchiv der Winterthurer Bibliotheken frei betrachtet werden können.
Foto: Bildarchiv.winterthur.ch

Im Sommer 1895, vor exakt 125 Jahren, herrschte in Winterthur Ausnahmezustand: Die Stadt trug das 34. Eidgenössische Schützenfest aus! Aus der ganzen Schweiz reisten während zweier Wochen täglich bis zu 20'000 Schützen und Begleitpersonen an die Eulach, verschossen gemäss Schlussbericht 1'632'239 Gewehr-
und Revolverpatronen, tranken in der Festwirtschaft 111'513 Liter Wein und in den drei
Bierhallen 789 Hektoliter Gerstensaft.

Die Stadt wusste diese einmalige PR-Chance zu nutzen und machte sich für den Anlass schön:
An der Tösstalstrasse, etwa im Gebiet des alten Busdepots, baute sie eine prunkvolle Feststadt mit Festhütte, Gabentempel und 200 Schiessständen auf, die Altstadt wurde reich beflaggt und der Weg vom Bahnhof zum Festplatz mit Girlanden und Triumphbogen geschmückt.

180 Ehrengäste mit 4 Bundesräten

Gezielt hübschte man vernachlässigte Ecken in der Stadt auf, und die Nordostbahn eröffnete pünktlich auf das Fest hin das erweiterte Bahnhofgebäude. Das Festprogramm war reich an Darbietungen im patriotischen Schwulst der Zeit. Höhepunkt war die offizielle 1.-August-Feier mit der Enthüllung des Denkmals für Jonas Furrer, den ersten Bundespräsidenten – 180 Ehrengäste waren anwesend, darunter 4 Bundesräte.

«Winterthur, das diesjährige schweizerische Olympia, hat zwei Festwochen hinter sich, wie sie
erhebender und schöner auch die kühnste Phantasie nicht ausdenken kann», schwärmte ein
Korrespondent im «Landboten». Noch heute erinnert die mächtige, am Fest gepflanzte
«Schützenlinde» an der Mattenbachstrasse (beim Haus Nr. 45) an den damaligen Mega-Event.