Winterthur

Verkehrspolitik der Stadt ärgert Gemeinden

Winterthur will den Verkehr an der Stadtgrenze aufstauen, um ihn nach innen zu verflüssigen, und plant dafür neue Signalanlagen. Die Regionsgemeinden sind verärgert, sie fürchten einen massiven Ausweichverkehr.

So will der Stadtrat die Verkehrssituation enrschärfen: Mit Lichtsignalen an den Stadträndern.

So will der Stadtrat die Verkehrssituation enrschärfen: Mit Lichtsignalen an den Stadträndern. Bild: zvg

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der Zankapfel hat einen harmlosen Namen: «Regionale Verkehrssteuerung Winterthur» heisst das Konzept, das der Stadtrat verabschiedet und am Mittwoch im Rahmen einer Sitzung der Regionalplanung Winterthur und Umgebung (RWU) vorgestellt hat. Baustadtrat Josef Lisibach (SVP), der mit Stadtrat Matthias Gfeller (Grüne) in der RWU sitzt, sagt, die Diskussion sei sachlich und konstruktiv verlaufen. «Der Tenor war, die Massnahmen seien sinnvoll.»

Anders tönt es von Martin Lüdin (FDP), Gemeindepräsident in Zell und Präsident der RWU. Zwar seien er und die Gemeinden im Winterthurer Einzugsgebiet grundsätzlich für eine Verkehrssteuerung. Von den Plänen, den Verkehr an den städtischen Einfallachsen aufzustauen und nur noch dosiert in die Stadt zu lassen, hält er aber wenig. «Was uns am Mittwoch vorgestellt wurde, ist ein Zaun um Winterthur», sagt Lüdin. Und er wittert einen Etikettenschwindel: «Diese sogenannt regionale Verkehrsplanung ist keine regionale, sondern eine städtische Verkehrsplanung.»

Würden die Signalanlagen installiert, fürchtet Lüdin massiv mehr Ausweichverkehr in der Region. «Automobilisten wollen fahren, nicht an der Ampel stehen, auch wenn das einen Umweg bedeutet.» Wenn beispielsweise die Ost-West-Beziehung auf der Autobahn zum Erliegen komme, fahre heute ein Teil der Autos durch die Stadt, der andere Teil über Elgg, Waltenstein, Kollbrunn, Weisslingen und so weiter nach Zürich. Die Gemeinden seien durch den Ausweichverkehr stark belastet, sagt Lüdin. Anders als die regionalen Strassen seien die städtischen Hauptachsen für ein grosses Verkehrsaufkommen konzipiert. Eine Verlagerung von der Stadt in die Region sei vor diesem Hintergrund nicht vertretbar.

Gemeinden machen Druck

Kritisch, aber moderater im Ton, äussert sich Christoph Ziegler (GLP), Elgger Gemeindepräsident, Kantonsrat und ebenfalls Vorstandsmitglied der RWU: «Grundsätzlich finde ich die Stossrichtung, dass die Zirkulation innerhalb der Stadt verbessert werden soll, sinnvoll. Es ist ein hehres Ziel – und auch aus regionaler Sicht positiv.» Dass dies als «Regionale Verkehrssteuerung» bezeichnet werde, sei aber schizophren. «Es ist eine rein städtische Verkehrssteuerung. Ich vermisse die angrenzende Region total im Konzept.» Deshalb wolle man nun Druck machen, dass die Auswirkungen auf die Region untersucht werden.

Er sei enttäuscht, dass die Auswirkungen auf die Gemeinden nicht betrachtet wurden, sagt auch Kurt Roth (FDP), RWU-Vorstand und Gemeindepräsident von Wiesendangen. «Wenn es dadurch einfach mehr Schleichverkehr in den angrenzenden Gemeinden gibt, dann geht der Schuss nach hinten los. Verkehrspolitik ist nicht immer einfach nur Sache der Stadt Winterthur.»

Stadtrat Josef Lisibach zeigte sich gestern überrascht über die heftigen Reaktionen der Gemeindevertreter. Die Signalanlagen in der Stadt führten zu einer kalkulierbareren Fahrtzeit. «Davon profitieren alle Verkehrsteilnehmer in der Stadt, auch die von ausserhalb», sagt Lisibach. Dass es zu einer Verkehrsverlagerung komme, sei eine Annahme, die es erst noch zu beweisen gelte. Lisibach wehrt sich auch gegen den Vorwurf, die Stadt hätte die Region in der Planung aussen vor gelassen. «Ich nehme diese Äusserungen zur Kenntnis. Aber das Winterthurer Verkehrssystem plant immer noch Winterthur.

Erstellt: 12.06.2015, 21:18 Uhr

Sechs neue Lichtsignalanlagen

Die Autos sollen warten, die Busse freie Fahrt haben

Insgesamt sechs neue Lichtsignalanlagen will der Winterthurer Stadtrat bauen, um den Verkehr an den Einfallachsen zu stauen und auf Stadtgebiet zu verflüssigen. Raffael Noesberger, der städtische Verkehrsplaner, spricht von einem «Überlastungsschutz» und einer «Dosierung» des Verkehrs. «Was wir nicht im Sinn haben, ist eine Schikaniererei. Wir wollen vielmehr den Verkehr nach innen verflüssigen, das ist für alle ein Qualitätsgewinn.» Die Verkehrsdosierung sei auf Winterthurer Boden nichts Neues. Sie passiere etwa bereits beim Knoten Klosterstrasse/Zürcherstrasse, wo der Verkehr von der Autobahneinfahrt in Töss portioniert in die Zürcherstrasse fliesst. In dieser Art habe man sich die Dosierung der künftigen Signalanlagen vorzustellen. Dass man «ewig» werde warten müssen, sei also nicht zu befürchten, sagt Noesberger. Von den sechs geplanten Anlagen dienen vier der Verkehrsdosierung, wobei gleichzeitig der öffentliche Verkehr beschleunigt werden soll. Bei zwei Anlagen geht es um den Bus und die Verkehrssicherheit. Drei Anlagen sollen in den nächsten zwei Jahren gebaut werden (siehe Übersichtskarte), zwei weitere haben einen mittelfristigen Realisierungshorizont. Bis in zehn Jahren sollen alle Projekte umgesetzt sein. Insgesamt rechnet die Stadt mit Kosten von etwa 8 Millionen Franken, von denen Kanton und Agglomerationsfonds rund 90 Prozent übernehmen werden. Der Stadtrat wird jedes Projekt einzeln dem Gemeinderat vorlegen, dessen Entscheid ist referendumsfähig.

Die dringendsten Projekte seien kurz skizziert: Dazu gehört die Lichtsignalanlage beim Schloss Wülflingen, wo der Verkehr auf die Salomon-Hirzel-Strasse zurückgestaut werden soll. Die
Signalanlage und ein «Bypass» sorgen dafür, dass Busse zügig durch den Knoten kommen, auch für die Buswendemöglichkeit beim Schloss ist die Ampelanlage zentral. Ebenfalls prioritär: der Knoten Steig- und Dättnauerstrasse. Hier erhöht die Anlage die Verkehrssicherheit und verbessert die Durchfahrt für den Bus. Die Linie 5 soll zudem weiter stadteinwärts ohne Behinderungen in die Rosenaustrasse einbiegen können. Dafür ist ein Bussignal geplant, das sich, nachdem der Bus durch ist, selbst ausschaltet. mcl

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles