Winterthur

Zahlenmaterial für die Grossdorf-These

Der neuste statistische Städtevergleich zeigt: In Winterthur leben eher wenig Akademiker. Und punkto Bildung herrschen bei Paaren und Familien eher klein- statt grossstädtische Verhältnisse vor.

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Mit Statistiken, heisst es, könne man alles beweisen, ausser die Wahrheit. Mag sein. Und doch fördert der gestern erschienene Band «Statistik der Schweizer Städte», ein paar Zahlen zutage, die dem viel zitierten Bild Winterthurs als «Grossstadt mit Dorfcharakter» einen Rahmen geben. Zum Beispiel beim Thema Bildung. Viele Akademiker, das ist bekannt, zieht es in die Städte. In den grössten sechs der Schweiz mit über 100000 Einwohner haben durchschnittlich 41,3 Prozent der Einwohnerinnen und Einwohner nach der regulären Ausbildung ein Diplom angehängt (Tertiärstufe).

Die «Bildungsstadt» Winterthur liegt mit 33,3 Prozent schweizweit lediglich auf Platz 7, knapp hinter Luzern, und weit hinter Zürich (45,5) und Genf (42,2) – ein wenig urbaner Wert.

Gender-Gap bei Bildung

Bei der Bildung haben der Schweizerische Städteverband und das Bundesamt für Statistik haben auch Zahlen aus der Gender-Perspektive erhoben. Dort zeigt sich: In keiner Grossstadt ist der Anteil an Haushalten, in denen der Mann eine bessere Ausbildung hat als die Frau, höher als in Winterthur. Bei kinderlosen Paaren beträgt der Anteil der besser ausgebildeten Männer bei über 29 Prozent, in Familien mit Kindern bei 27 Prozent. Damit liegt Winterthur zwar im nationalen Städteschnitt. Die Unterschiede zu den anderen Grossstädten sind aber frappant. Diese liegen in der Bandbreite zwischen 18,6 (Lausanne) und 23,5 Prozent (Bern).

Analysen und Interpretationen zu den «(Ehe-)paaren auf Augenhöhe» liefert der Statistik-Band nicht. Zudem sind die Daten nicht ganz neu, sondern kumuliert über den Zeitraum von 2012 bis 2016. Und: Auch in Winterthur haben die meisten Paare mit Kinder einen gleichwertigen Abschluss. Zudem – auch das liegt in der Natur der Statistik – liesse sich die mögliche These, dass in Winterthur ein etwas wertkonservatives Rollenverständnis vorherrschen könnte, mit einer anderen Zahl anfechten: Dem Frauenanteil im Parlament (Stand August 2018). Mit 41,6 Prozent ist dieser immerhin der zweithöchste, klar tiefer als in Bern (55), aber auch klar höher Zürich und Basel (je 32).

Wenig Ausländer, viele Autos

Andere Zahlen stärken die Grossdorf-These wieder: In keiner Grossstadt ist der Ausländeranteil tiefer (24,2 Prozent, Genf: 47,9), nirgends die durchschnittliche Haushaltsgrösse höher («Familienstadt») und nirgendwo kommen auf 1000 Einwohner mehr Autos, nämlich 406, fast 20 Prozent mehr als in Basel.

Ein Phänomen, das die Stadtkassen bekanntlich immer stärker belastet, sind die hohe Sozialhilfequoten. Die Stadt Winterthur pocht beim Kanton seit Jahren auf einen «fairen Soziallastenausgleich», der inzwischen absehbar ist. Der Grossstadt-Vergleich zeigt: Winterthur hatte 2017 mit 5,6 Prozent lediglich die vierthöchste Quote, allerdings eine, die seit 2011 laufend stieg (wie in Basel). In Lausanne ist die Sozialhilfeqote mit 8,7 zwar nach wie vor ungemein höher, sank über die Jahre jedoch leicht. Auch der Blick auf die Arbeitslosenquote lässt vermuten, dass in der «Arbeiterstadt Winterthur» (nur in Basel arbeiten mehr Leute in der Industrie) der soziale Frieden halten wird: Diese liegt bei rund 3,5 Prozent und ist in keiner Grossstadt tiefer. (landbote.ch)

Erstellt: 16.04.2019, 19:08 Uhr

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