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Blütezeit für «Cannabis light» hat auch in Winterthur begonnen

THC-armes Cannabis ist gefragt wie nie. Inzwischen ist es selbst an Kiosken erhältlich. Der Headshop an der Technikumstrasse bekommt schon bald Konkurrenz im Neuwiesenquartier.

«Die Kundschaft,die CBD-Hanf kauft und sich dafür interessiert ist breit», sagt Jan Zelisko vom Winterthurer Headshop Tamar.
«Die Kundschaft,die CBD-Hanf kauft und sich dafür interessiert ist breit», sagt Jan Zelisko vom Winterthurer Headshop Tamar.

Was Hanfbauern in Ossingen erst letzten Herbst als Pioniere lanciert haben, hat inzwischen zig Trittbrettfahrer auf den Plan gebracht: Anbau und Absatz von sogenanntem Cannabidiol-Hanf (CBD) wachsen rasant. Grossverteiler beliefern inzwischen Kioske und Tankstellen, und neue Online-Shops und Läden kommen laufend dazu.

In drei Wochen eröffnet die Ladenkette Green Passion nach Zürich und St.Gallen auch in Winterthur eine Filiale, an der Wartstrasse mitten im Neuwiesenquartier. «Das Interesse nach CBD-Hanf ist bereits gross und wir sind sicher, dass es weiter steigen wird», sagt die Winterthurerin Agi Petrova, die in der Geschäftsleitung von Green Passion sitzt.

Benebelt nicht. Beruhigt.

Bei CBD-Gras, das unter gewissen Auflagen legal gehandelt werden darf, liegt der THC-Gehalt unter einem Prozent. Damit fällt dieses «Cannabis light» seit letztem August nicht mehr unter das Betäubungsmittelgesetz und gilt neu als Tabakersatz. Denn anders als THC berauscht Cannabidiol nicht, es wirkt beruhigend. In Ländern wie den USA oder Israel wird es heute auch als entkrampfendes, entzündungshemmendes und angstlösendes Medikament eingesetzt.

«Zu uns kommen die 85-jährige Rheumatikerin, der Sportler mit Muskelkater oder der Kravattenträger mit Schlafstörungen, um sich zu informieren»

Jan Zelisko, Headshop Tamar

«Zu uns kommen die 85-jährige Rheumatikerin, der Sportler mit Muskelkater oder der Kravattenträger mit Schlafstörungen, um sich zu informieren», sagt Jan Zelisko vom Headshop Tamar an der Technikumstrasse, wo seit rund zwanzig Jahren Hanfprodukte und Zubehör verkauft werden. Eine medizinsche Beratung werde es dort aber nicht geben, da verboten. Und klar sei ohnehin auch: «Die meisten Kunden rauchen CBD-Gras nach wie vor zum Spass.» Auch der Technikum-Kiosk wenige Meter in Richtung Hauptbahnhof hat es vor zwei Wochen ins Sortiment aufgenommen.

Handel in der Grauzone

Inzwischen liegen bei Tamar sieben Sorten CBD-Ganja in der Auslage, darunter auch das C-Pure Fedtonic aus Ossingen, 3 Gramm für 25 Franken. Die Nachfrage wachse zwar laufend. Mit rund zehn Prozent Marge sei das Geschäft aber nicht die Goldgrube, für die sie viele hielten, sagt Zelisko. Vor allem dann nicht, wenn man die behördlichen Auflagen einhalte. Vollständig notifizierte zugelassene Ware wird im Labor auf Schadstoffe geprüft und mit der Mehrwerts- und Tabaksteuer belastet. «Viele Online-Händler drücken derzeit mit pseudo-zertifiziertem Import-Gras auf die Preise», sagt er. Man blicke aber entspannt in die Zukunft. Mit cbd.ch hat sich die Tamar-Crew bereits eine eingängige Domain gesichert, die sie als einen von mehreren Vertriebskanälen nutzt, auch für andere Hanfprodukte wie Kosmetika.

«CBD-Hanf gilt inzwischen nicht mehr als Sucht-, sondern als Genussmittel.»

Den Ossinger Hanf-Bauern von BioCan setzte die Konkurrenz rasch zu, die sich in der gesetzlichen Grauzone bewegt. Nachdem die Umsätze in den ersten Monaten durch die Decke gegangen waren, brachen sie zwischenzeitlich wieder empfindlich ein, wie Hans Peter Kunz von BioCan sagt. Weil in der Romandie die Nachfrage seit kurzem rasant steige, habe sich der Umsatz nun aber wieder auf dem Anfangsniveau eingependelt. Um ihn mittelfristig zu vervielfachen, werde man das Angebot des heutigen Gewächshaus-Gras um edelere Indoor- und günstigere Outdoor-Sorten erweitern. Indoor bautBioCan bereits in Brütten an, im Kanton Schaffhausen sind weitere Gewächshäuser geplant.

Dass auf den sich abzeichnenden CBD-Boom bald die vollständige Cannabis-Legalisierung folgt, bezweifelt Tamar-Geschäftsführer Roman Bärtschi: «Aber CBD hilft sicher, die allgemeine Akzeptanz von Cannabis zu erhöhen.» Angemessen fände er, wenn die heutige Tabaksteuer von einer Hanfsteuer abgelöst würde. «Schliesslich gilt CBD-Hanf inzwischen nicht mehr als Sucht-, sondern als Genussmittel.» «Rund 500 Ordnungsbussen betreffend Cannabis» hat die Stadtpolizei 2016 ausgesprochen, heisst es auf Anfrage. Bis zur vollständigen Legalisierung geht bisherige Katz-und-Maus-Spiel vorerst weiter.

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