Winterthur

Chatbots und digitale Stadtpläne sollen Winterthur «smarter» machen

Wer den Schweizer Pass will, bekommt es in Winterthur künftig mit einem Roboter zu tun. Auch andere Smart-City-Projekte laufen bald an.

Es gab und gibt viele kleine Baustellen in Winterthur: Über den Stadtmelder kann man sie der Verwaltung online melden.

Es gab und gibt viele kleine Baustellen in Winterthur: Über den Stadtmelder kann man sie der Verwaltung online melden. Bild: Printscreen

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Sensorgesteuerte Strassenlampen, intelligente Parkleitsysteme oder eine App, über die man der Verwaltung via «Stadtmelder» Schäden und Defekte im öffentlichen Raum schicken können: Winterthur will eine besonders smarte Stadt sein und seine Infrastruktur clever und effizient vernetzen. Das Label «Smart City» hat sie sich deshalb gross auf die Fahnen geschrieben. «Wir sehen uns als Testlabor. Funktioniert etwas in einem Quartier, weiten wir es auf weitere aus», erklärte Vicente Carabias diese Woche am Swiss Green Economic Symposium an der ZHAW. Er leitet seit August die neue städtische Fachstelle.

Was als Konzept lange eher luftig und papieren daherkam, wird nun immer fassbarer. Diesen Herbst starten neue Smart City-Pilot-Projekte, die am Symposium vorgestellt wurden.

Über Roboter zum Schweizer Pass

Wer den Schweizer Pass will, kann sich in Winterthur künftig online an einen Chatbot wenden. Dieser automatisierte Sprechcomputer wird auf der Webseite die Erstanfragen der Antragssteller übernehmen, 24/7, zu jeder Tages- und Uhrzeit. Deutschkenntnisse? Sauberer Leumund? Steuern bezahlt? Der Chat-Roboter hätte beim Einbürgerungsprozedere eine Filter- und Infofunktion, um zu klären, ob die Kriterien für eine Einbürgerung überhaupt gegeben sind. Doch auch individuelle, etwas komplexere Fragen soll er beantworten können und letztlich, so die Idee, die Angestellten am Schalter entlasten. Sie sollen mehr Zeit für vertiefte Gespräche bekommen. Chatbot soll helfen, das gesamte Verfahren verkürzen. Das sind die Chancen. Doch Thomas Bolleter von der Stadtkanzlei, sieht auch Risiken, etwa beim Datenschutz. Zudem stelle sich die Frage, wie gut sich die Antragssteller im Chat mit dem Bot tatsächlich informieren können.

Auch die Sprache sei eine allenfalls zu hohe Hürde. Gut möglich sei auch, dass die Kandidatinnen und Kandidaten von Anfang an eine persönliche Beratung vorziehen. «Denn bei einer Einbürgerung muss man doch ziemlich die Hosen herunterlassen.» Rund 450 Personen werden in Winterthur jährlich eingebürgert. Bis Ende Jahr ist der Roboter chatbereit, ab 2020 wird ausgewertet, wie nützlich der «neue Mitarbeiter tatsächlich ist. Der Live-Chat mit Sachbearbeitern des Steueramtes, der vor knapp einem Jahr lanciert wurde, ist nach wie vor online. Die Testphase wurde bis im November verlängert, um das Angebot weiter zu verbessern. Vorläufiges Fazit: Text-Chats sind wesentlich beliebter, als ein Gespräch per Video.

Digitale Stadtpläne, statt Plakate

Vor ein paar Wochen hat das Baudepartement den Prototyp einer «digitalen Informationsstelle» vorgestellt. Auf einem fast zwei Meter hohen Touchscreen kann man sich beim Hauptbahnhof über die derzeitige Mega-Baustelle der Gleisquerung Nord informieren: über historische Aufnahmen, Panoramen und 3D-Ansichten. Nun könnten auch die Stadtpläne digitalisiert werden. Routen planen, Strassen und Hotels finden, sich durch das Kulturangebot klicken und wischen, das alles soll über die neuen E-Panels möglich sein. Ein Vorteil: «Die Oberfläche können wir laufend aktualisieren», sagt Projektleiter Markus Baumann vom Tiefbauamt.

Doch wäre eine die Investition eine starke Mobile-App in Zeiten von 5G und Flat Rate nicht zeitgemässer? Die Panels, so Baumann, sollen eine Ergänzung zum Smartphone sein, über QR-Codes zum Beispiel, die einen weiterverlinken.

Die Stadt Zürich hat mit seinen «City-Plänen» diesem Sommer 15 solcher E-Panels aufgestellt, in St. Gallen und Luzern stehen sie schon länger. Dort werden sie offenbar gut genutzt. Im November startet der Testlauf, mit einer Panele am Hauptbahnhof. Sie soll eine «moderne Visitenkarte für Winterthur sein.» Neben technischen Herausforderungen sieht Baumann auch rechtliche Hürden. In Zürich sind offenbar Einsprachen eingegangen.

Die heute 29 analogen Stadtpläne werden unter anderem über die Werbeflächen auf der Rückseite finanziert. 2021 werden sie neu ausgeschrieben werden. Sofern sich das Winterthurer EPanel bewährt, könnten es dann auch digitale Flächen sein.

Oskar die Eule flattert weiter

Von zwei weiteren Smart City-Projekten konnte man bereits lesen. Zum einen von Oskar der Eule, die einen über eine 3D-Brille auf eine virtuellen Ballonfahrt über die Stadt mitnimmt. Man steuert verschiedene Orte und Quartiere an und knobelt sich in Quiz quer durch die Stadt. Oskar ist bereits an verschiedenen Messen und Ausstellungen im Einsatz.

Die Quartier-App GreenGo wird ab Herbst in Neuhegi getestet. Über einen Veranstaltungskalender, einer digitalen Pinnwand oder einem Buchungssystem für Gemeinschaftsräume etwa können sich die Bewohner absprechen und koordinieren. Auch das Experiment «Parkband Neuhegi» soll über die App gesteuert werden. Der Park führt parzellenweise von der Ida-Sträuli-Strasse über die Sulzerallee bis zum S-Bahnhof. Das Spezielle daran: Die Hälfte des parzellierten Parkes gestalten die Anwohner nach eigenem Gusto. Ihre Ideen dafür geben sie per GreenGo ein.

Erstellt: 04.09.2019, 12:51 Uhr

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