Das Kantonsspital will hoch hinaus

Wachstum Ab 2019 tritt das Kantonsspital Winterthur als eigene Bauherrin auf und skizziert im revidierten Richtplan bereits, wie es sich in dreissig Jahren sieht: An Ort und Stelle, aber grösser, dichter und mit neuem Hochhaus. Ein Überblick.

Das neue Bettenhaus Didymos ist in gut zwei Jahren bezugsbereit. Zu Ende gebaut ist das Kantonsspital damit noch längst nicht. Wo heute entlang der Lindstrasse Pavillons sind, könnte bis 2050 ein Hochhaus stehen. Bild: Marc Dahinden

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Seit fast zwei Jahren blicken die Patientinnen und Patienten des Kantonsspitals Winterthur (KSW) von ihren Betten aus auf eine der spektakulärsten Baustellen der Stadt. Im Frühling 2021 wird das neue 10-stöckige Bettenhaus «Didymos» eingeweiht, und ab Herbst auch schon das alte Hochhaus abgerissen, das es dann nicht mehr braucht. Und dann? Ist das KSW gebaut und gerüstet für die nächsten dreissig Jahre? Mitnichten, wie die Ausbaupläne zeigen, welche die Spitalleitung in den kantonalen Richtplan eintragen lassen will. In ihrem «Masterplan 2030+» blickt die Spitalleitung im Norden hinüber aufs Haldengut-Areal und im Süden auf den Lindspitz in der Gleisspange.

Die Ausgangslage:

Mit dem neuen KSW-Gesetz wird das Spital ab 2019 zur eigenen Bauherrin, das Management plant und baut selbstständig. Mit dem Eintrag der Pläne in den kantonalen Richtplan spurt die Direktion nur vor für einen schrittweisen und allenfalls raschen Ausbau. Das Bewilligungsverfahren wird deutlich kürzer. Für jeden neuen Baustein (siehe Grafik, Neubauten A bis G) reicht künftig eine Baubewilligung auf der Basis eines langfristig gültigen Gestaltungsplans. «So können wir langfristig planen», sagt Daniel Signer, der leitende Organisationsentwickler beim KSW.

Die Spitalleitung geht davon aus, dass die Anzahl Patientinnen und Patienten weiterhin um ein bis zwei Prozent pro Jahr ansteigt. Die Bevölkerung wächst und altert. Stimmen die Prognosen, müsste man die Geschossfläche mittelfristig um ein Drittel auf total 200 000 Quadratmeter aufstocken. Womit die neuen Flächen gebraucht würden, werde massgeblich von den Trends in Medizin und Pflege gesteuert – und der scheint klar. Immer mehr Patienten werden ambulant behandelt, statt stationär. Das ist politisch gewollt, damit die Kosten sinken. Operiert, würde aber trotzdem. Kurzum: Künftig braucht es wohl weniger Platz für Betten, dafür mehr für medizinische Geräte und Operationssäle.

Vom neuen Bettenhaus A, dem Ersatz für das heutige Hochhaus, nach B und nach C hinüber auf das Haldengut-Areal: Im Gegenuhrzeigersinn würde das Spital wachsen, wenn überhaupt nötig. Grafik: KSW/Hochbauamt

Richtung und Tempo:

Wachsen, aber hauptsächlich durch Verdichtung auf dem heutigen Spitalgelände, lautet die Devise. «Dieser Ansatz hat uns in der Testplanung überzeugt, und daran richten wir uns aus», sagt Signer. So wachse das KSW als Einheit zusammen, die internen Wege blieben kurz und das Spital franse nicht ins Quartier aus. Räumlich entwickelt es sich Stück für Stück im Gegenuhrzeigersinn. 2021 steht mit dem neuen Bettenhaus steht im südlichen Teil des Areals der erste neue Baustein (siehe Grafik, Bau A). Danach folgt auf der künftigen Brache des alten Bettentraktes – in 10 bis 15 Jahren– das nächste Gebäude, bis es schliesslich ennet der Brauerstrasse weitergehen soll, auf dem Haldengut-Areal.

Neuland im Norden:

Ganz ohne zusätzliche Landfläche ginge es definitiv nicht, betont man beim KSW. Das Haldengut-Areal hat der Kanton vor fast neun Jahren als strategische Landreserve gekauft. 2029 läuft der Vertrag mit dem Brauereikonzern Heineken aus. Am wahrscheinlichsten ist, Stand heute, dass das Spital unter anderem seine Logistik mit An- und Ablieferung dorthin verlagert. Das in den 1960ern erbaute Haldengut-Lagerhaus würde abgerissen und ersetzt, nicht aber die historischen Klinkerbauten der alten Brauerei. Sie umrahmen den Platz, sind schützenswert und kommunal inventarisiert. Gemäss Richtplan-Eintrag würden sie für «spitalnahe Nutzungen» gebraucht. Offen bleibt, wie die Strasse überbrückt würde, ob ober- oder unterirdisch. Doch so konkret sind die Pläne selbst in den Köpfen noch nicht.

Mit dem Skalpell an Herz...

Per 2050, sofern der Bedarf da ist, würden die Planer den heutigen Haupttrakt um- oder neubauen (Grafik E und F). Wie, bleibt offen. Doch räumlich sollen sich künftig zwei sich kreuzende Hauptachsen das Spital prägen (siehe Visualisierung). Wachsen Winterthur und die Region wie erwartet weiter, würde die Stadt um ein Hochhaus reicher, direkt an der Lindstrasse. Ein solches solle dann das «Erscheinungsbild» des KSW nach aussen stärken. Zeithorizont: 2040/50.

...und Lunge:

Damit würde auch der heutige Spitalpark verschoben, vom Süden in den Westen und damit zur grünen Pufferzone zum Wohnquartier hin. «Wir hoffen das damit, aber auch, dass wir vor allem auf dem heutigen Areal wachsen, der Masterplan auch bei den Anwohnerinnen und Anwohnern gut ankommt», sagt Signer.

An zwei sich kreuzenden offenen Hauptachsen sollen das Kantonsspital Winterthur künftig durchlässig machen. Quelle: Visualisierung KSW/Kanton

Neuland im Süden:

Das KSW ist zwar zentral gelegen, aber nicht besonders gut an den Bahnhof angebunden. Besucher, Personal und Patienten müssen am Roten Turm vorbei, die Treppe hoch zur Lindstrasse und danach über die Strasse, ehe sie aufs Areal gelangen. Der KSW-Führung schwebt eine Direktverbindung über das Gleisfeld Lindspitz vor. Ob ober- oder unterirdisch, ist offen. Der Vorschlag einer Seilbahn wurde nicht vertieft.

Die SBB starten im nächsten Jahr mit einer städtebaulichen Studie auf diesem Gebiet. «Wir sind mit der SBB in Kontakt», sagt Sacha Wiesner vom kantonalen Hochbauamt, das die Masterplanung leitet.

Wie geht es weiter?

Ab nächstem Montag liegt der revidierte Richtplan mit Mitte April 2019 öffentlich auf. Stadt und Anwohner waren bei der Testplanung mit im Boot. Wer will, kann sich zur Revision äussern. Der Regierungsrat verabschiedet den Richtplan, der Kantonsrat setzt ihn fest und der Bundesrat genehmigt ihn als letzte Instanz.

Erstellt: 14.12.2018, 10:26 Uhr

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