Winterthur

Die anderen «Blauen» hätten mehr gezogen

In der Winti-Arena sanken die Zuschauerzahlen um zwanzig Prozent. Schuld ist vor allem ein Team in blau, die Häme der Schweizer Fans und das frühe Aus vieler Favoriten.

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«Fratelli d’Italia, l’Italia s’è desta!…» Mit legendärer Inbrunst sang der Goalie Gigi Buffon die italienische Nationalhymne vor einem Länderspiel der Azzurri jeweils mit, mit ihm eine ganze Nation, mit ihm eine (meist) ausverkaufte Winti-Arena. Doch diesmal bekanntlich nicht. «Die italienischen Fans haben gefehlt», bilanziert Oliver Wyss vom OK des grössten und bekanntesten Public Viewing in der Region. 20 Prozent weniger Eintritte verkaufte man im Vergleich zur WM 2014. Fünfmal war die Arena vor der Reithalle mit 3000 Fans ausverkauft, viermal als die Schweiz spielte, einmal am Final, im Durchschnitt kamen täglich gegen 1500.

Die französische Weltmeister-Equipe «Les bleus» konnten den Italien-Malus also nicht kompensieren. Wyss sieht auch das frühe Ausscheiden von Grossen wie Spanien, Portugal oder Deutschland als Grund für den Besucherrückgang. Deren Fans feiern gerne gemeinsam und in der Masse. «Die Deutschen Fans kommen leider nicht mehr so gerne...», ergänzt er. Dass die Schweizer Fans bei jedem Gegentor noch immer jubeln, als zöge die Nati in den Viertelfinal ein, mögen diese offenbar nicht mehr hören. Die Dynamik bei den Kroaten sei erst ab dem Halbfinal spürbar geworden. Füllen konnte das die Lücke auch in der Fanzone der Superlative nicht, mit ihrer 66-Quadratmeter-Leinwand.

«Die Umsätze stimmen»

In die roten Zahlen ist die Winti-Arena aber nicht gerutscht. «Die Umsätze stimmen, wir sind zufrieden», sagt Wyss. In den 12 Jahren haben die Organisatoren vieles optimiert und das Catering selber übernommen. Das Bier beispielsweise teilte man am Anfang in Dosen aus, zapfte man später aus Kegs (50 Liter) und nun direkt von zwei Kühlwagen mit je vier 1000-Liter-Tank. Das Fässer-Wechseln entfällt und ein grosses Bier ist in nur vier Sekunden gezapft. Beides verkürzt die Wartezeit. «Wir versuchen immer wieder, bei der Qualität und dem Event-Charakter zuzulegen», sagt Wyss. Diesmal musste man dank des gedeckten «Arena Cube» mit Galerie beispielsweise die Toiletten nicht länger ausserhalb des Areals aufstellen.

«Was, 1:0?!» – «Nei, Uno!»

Zu wüsten Pöbeleien oder andern Zwischenfällen sei es gar nie gekommen. «Es war auffällig friedlich», bilanziert Wyss. Auffällig auch, was die Stimmung heruntertemperierte: In der Pause, zwischen, aber auch während der Spiele wurden die Karten offenbar kaum mehr weggelegt. «Wie wild» wurde offenbar gejasst, aber auch Uno gespielt. «Die Jungen scheinen Kartenspiele zu lieben!»

Ein Kranwagen fährt heran, um die ersten Traversen des «Arena Cube» abzutransportieren. Zwei Wochen Aufbau, fünf Tage Abbau. Doch Ferien gibt es für Oliver Wyss und Matthias Bühler, die zusammen eine Event-Firma führen, erst im Herbst. Die Gedanken kreisen bereits um die Südhalbkugel, wo 2022 in Katar die nächste WM stattfindet. 35 Grad Celsius herrschen dann nur auf dem Spielfeld, in der Schweiz ist Winter. Wie Après-Ski geht, wissen die zwei Organisatoren zumindest schon. Das Fondue-Chalet «wintialp» auf dem Merkur-Platz haben auch sie auf die Beine gestellt. ()

Erstellt: 16.07.2018, 18:16 Uhr

Zwei Public-Viewings in Töss

Geräumig gestaltete sich das Public Viewing in der ehemaligen Lokwerk-Kesselschmiede, der Halle 1012 in Töss: Neben den 1000 Sitzplätzen standen in der Familiy-Arena eine Torwand, ein Fussballfeld, eine Hüpfburg und mehrere Imbiss-Stände bereit. Zwischen 300-400 Zuschauerinnen seien durchschnittlich gekommen, am Nachmittag laut Veranstalter vor allem Mütter mit ihren Kindern, am Abend ganze Familien und dies von jeder Nation. «Wir werden dieses Konzept für die EM 2020 weiterziehen», kündigt der Event-Manager an.

«Werden vom Quartier getragen»

Mit der neuen Kinder-Bar ist auch der Fussballschuppen im Güterschuppen beim Bahnhof Töss familiärer geworden. Mit total 15 000 Fans lag man auf dem Niveau der letzten WM. Gut angekommen seien erneut das Rahmenprogramm mit Konzerten, Filmabenden und Talkrunden. Die 110 freiwilligen Helfer waren 1800 Stunden im Einsatz. «Das Quartier zieht wunderbar mit», sagt OK-Mitglied und SP-Gemeinderat Markus Steiner. Die EM könne kommen. Aber auch in Töss findet man: Mit Italien bitte, und mit Holland. hit

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