Winterthur

Die Grünen verteidigen ihren Sitz im Stadtrat, Altwegg wird deutlich gewählt

Die Mitte-Links-Koalition aus SP, AL, Grünen und EVP hat bei den Stadtratersatzwahlen triumphiert. Gegen ihren Kandidaten Jürg Altwegg (Grüne) war Daniel Oswald (SVP) letztlich chancenlos.

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Um 12.30 Uhr waren gestern die ersten drei Wahlkreise ausgezählt, und die Spannung war weg: Im bürgerlichen Seen lag der SVP-Kandidat Daniel Oswald nur gerade zehn Stimmen vor Jürg Altwegg. In Töss und Mattenbach lag der Grüne weit voraus. Altwegg wusste: es wird reichen. Und als Daniel Oswald zehn Minuten später auch im Wahlzentrum auftauchte, schüttelte er als erstes seinem Gegner anerkennend die Hand und sagte: «Du bist gut unterwegs.» Fürs Eingestehen der Niederlage und fürs Gratulieren wars noch etwas zu früh.

Altwegg strahlte derweil in die Kameras und liess sich von seiner Partnerin Elly Brenner herzen, denn auch sie wusste: Diesen Sieg fährt Jürg jetzt heim. So kam es denn auch: Schon wenige Minuten nach 13 Uhr lagen die Resultate aller Stadtkreise vor (siehe Artikel unten), und damit war offensichtlich: Altwegg ist nicht nur der Sieger, er ist der klare Sieger.

Künzle: Es gibt zu diskutieren

Und so begann der Tanz der Medienleute um die Politiker und um die besten Statements, die möglichst schnell online verbreitet sein wollten. Bei der wichtigsten Frage freilich wichen die meisten aus: Welches Departement wird Altwegg im Stadtrat übernehmen? Er selber wiederholte, was er schon im Vorfeld gesagt hatte: Er würde gerne das Baudepartement führen oder von Parteifreund Matthias Gfeller die Technischen Betriebe (Stadtwerk, Stadtbus und Stadtgrün) übernehmen.

«Wir sind stolz, dass es gelungen ist, den grünen Input im Stadtrat zu halten, es braucht dort eine ökologische Stimme.»Reto Diener,
Präsident der Grünen

Doch das sei beides nicht möglich, wusste er bereits. Stadtpräsident Michael Künzle (CVP), der mit dem ganzen Gremium zum Gratulieren und zum Fototermin im Superblock erschienen war, sagte: «Wir werden in den nächsten Tagen über die Departementsverteilung reden», und fügte an: «Es gibt zu diskutieren.» Am ehesten wird wohl Schulvorsteher Stefan Fritschi (FDP) die Technischen Betriebe anpeilen. Altwegg wurde von seinen neuen Amtskollegen in den Kreis aufgenommen, der Stadtpräsident hatte einen Blumenstrauss für ihn, Yvonne Beutler (SP) ein Küsschen.

Das Endergebnis ist eindeutig

Und was sagen die Strategen?

Die Parteipräsidenten von Linksgrün jubilierten gestern, ohne allerdings in eine allzu grosse Euphorie zu verfallen. Der bürgerliche Vormarsch sei jetzt mal gestoppt, sagte SP-Präsident Christoph Baumann, das sei gut für die Stadt. Und was kommt nächstes Jahr? Mut zum Angriff auf die bürgerliche Mehrheit im Stadtrat? Das Ziel der SP bei den Wahlen 2018 sei primär, die Sitzzahl im Parlament zu stärken. Punkto Stadtratskandidaturen werde man sich mit den anderen Mitte-links-Parteien absprechen.

Reto Diener, Präsident der Grünen, freute sich über das «sehr gute Resultat»: «Wir sind stolz, dass es gelungen ist, den grünen Input im Stadtrat zu halten, es braucht dort eine ökologische Stimme.» Diener sieht sich zudem bestätigt: Es sei richtig gewesen, dass die linksgrüne Seite sich auf diesen Kandidaten habe einigen können. Massgeblich Anteil daran hatte die EVP-Präsidentin Barbara Günthard Fitze, die nach dem Rückzug der eigenen Kandidatin für den zweiten Wahlgang Altwegg empfohlen hatte, ohne auf das Einlenken der SP zu warten. Dass dieser Trick funktionierte und honoriert wurde, freute sie.

Die Frage des Mobilisierens

Im Vorfeld dieses zweiten Wahlgangs am Wochenende war viel darüber spekuliert worden, ob es eher der SVP oder den Grünen und der SP gelinge, die eigene Klientel zu mobilisieren. Gestern sagte SVP-Präsident Simon Büchi dazu: «Das gelang den Linken viel besser, am besten sieht man das am Wahlergebnis in Veltheim.»

Dass es Oswald nicht gelang, die ganze bürgerliche Seite abzuholen, will Büchi aber nicht der FDP anlasten: «Wir hatten die offizielle Unterstützung.» Auch FDP-Präsident Dieter Kläy mochte sich nicht auf Spekulationen einlassen, dass FDP-Wähler er Wahl ferngeblieben sein könnten.

Nicht anwesend am Wahltag im Superblock waren die Exponenten von CVP und Grünliberalen. Die Mitte geht derzeit sehr eigene Wege. (landbote.ch)

Erstellt: 02.04.2017, 15:51 Uhr

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