Winterthur

Die Stadt sucht private «Schlossherren»

Nach dem Abbau des städtischen Personals sucht die Stadt nach privaten Trägerschaften. Im Schloss Hegi steht der Schlossverein bereit, in der Mörsburg solls der Schlosshaldenwirt richten.

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«Aus Spargründen bleibt das Schloss Hegi ab Oktober bis auf weiteres geschlossen», steht auf einem Zettel beim Schlosseingang. Aufgehängt hat ihn der Schlosswart von Hegi und der Mörsburg als eine Art stiller Protest. Ihn und seine drei Mitarbeitern, die sich 140 Stellenprozente teile, kostet die städtische Spar­aktion – es geht um jährlich 110 000 Franken – die Stelle.

Bisher unterhielt die Stadt in ihren zwei Schlössern von März bis Oktober einen Museumsbetrieb. Von Dienstag bis Donnerstag standen sie nachmittags drei Stunden offen, am Wochenende fünf Stunden. Je rund 3800 Besucher zogen die Mörsburg und das Schloss Hegi jährlich an, darunter viele Schulklassen. Die Angestellten kümmerten sich neben dem Kassenbetrieb und den Führungen auch um Umgebungsarbeiten wie Laubrechen und kleinere ­Reparaturen im Schloss.

Hegi: «Logischer Partner»

Sind sie nicht mehr da, sollen die historischen Gemäuer aber nicht verlottern. «Die Stadt bleibt ­un­terhaltspflichtig und wird die ­Gebäude regelmässig kontrollieren», sagt Stadtpräsident Michael Künzle (CVP). Ein Verkauf sei nicht geplant, und generell sei, was die Zukunft der Schlösser betrifft, noch nichts spruchreif. Ei­nes ist aber klar: Wenn es weiterhin einen Museumsbetrieb geben soll, müssen ihn Private anbieten.

Im Schloss Hegi existiert seit einigen Jahren ein sehr aktiver Schlossverein. Die ehrenamt­lichen Mitglieder pflanzen im Schlossgarten alte Gemüsesorten an, betreiben die Besenbeiz «Schloss-Schenke» und organisieren eine Vielzahl von Anlässen im Schlosskeller, Burghof und Garten. Co-Präsident Jürg Rohner bestätigt, dass die Stadt den Schlossverein angefragt hat, den Betrieb des Schlosses zu übernehmen. «Da wir bereits das ganze Drumherum managen, waren wir der logische Ansprechpartner.»

Der Schlossvereinsvorstand habe bereits ein erstes Mal über das Geschäft beraten und sei grundsätzlich interessiert. «Es ist aber klar, dass wir nicht einfach alle Arbeitsstellen durch Freiwilligenarbeit ersetzen können», sagt Rohner. Die Pflege des Schlossparks sähe der Verein etwa weiterhin als Aufgabe der Stadt. Noch gebe es viel zu klären, doch könne man sich vorstellen, das Museum an Wochenenden zu öffnen, wenn auch die «Schloss-Schenke» in Betrieb ist. Für Schulklassen und angemeldete Gruppen seien auch Führungen unter der Woche denkbar. Dass das Schloss Hegi für die Öffentlichkeit ganz geschlossen bleibt, hält Rohner für «sehr unwahrscheinlich».

Mörsburg: «Nicht gesucht»

«Aus heiterem Himmel» kam für den Pächter des benachbarten Restaurants Schlosshalde, Mathias Wehrli, die Anfrage der Stadt, ob man sich vorstellen könne, den Betrieb der Mörsburg zu übernehmen. Er betont, man habe diese ­Situation nicht gesucht. Ein erstes Treffen fand vor einigen Tagen statt, entsprechend frisch seien die Eindrücke. «Wir sind noch dabei, uns ein Bild zu machen und Fragen an die Stadt zu formulieren.»

Zu klären sei insbesondere, welche Nutzungen im historischen Bau möglich sind und unter welchen Umständen eine Eingangskontrolle kostendeckend betrieben werden kann. «Wir können uns kein finanzielles Risiko erlauben», sagt Wehrli. Es sei aber sicher so, dass eine offene Mörsburg der «Schlosshalde» zugutekomme – und umgekehrt. Apéros im Schlosssaal oder Führungen mit anschliessendem Dinner seien schon bisher möglich gewesen. Der Historische Verein Winterthur, der die Ausstellung in der Mörsburg betreut, war gestern Nachmittag nicht erreichbar.

Erstellt: 15.07.2015, 08:19 Uhr

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Historische Gemäuer

Je knapp 4000 Besucher pro Jahr: Die städtischen Schlösser Hegi (oben) und Mörsburg (unten). Zum Vergleich: Die Kyburg zieht rund 40 000 an. mad/ngu

Das Schloss Hegi kam 1947 in den Besitz der Stadt Winterthur und diente zwischen 1953 und 2000 als Jugendherberge. Noch heute rufen gelegentlich Nostalgiker an und versuchen Zimmer zu buchen. Erbaut wurde der spätgotische Herrschaftssitz im 13. Jahrhundert von den Herren von Hegi, Vasallen des Bischofs von Konstanz.

Das Schloss Mörsburg erhielt seine dicke Steinummantelung unter den Grafen von Kyburg, deren letzter männlicher Vertreter Hartmann IV. hier 1264 kinderlos starb. 1598 gelangte die Mörsburg in den Besitz der Stadt Winterthur. Nach 60 Jahren Leerstand richtete der Historisch-Antiquarische Verein 1901 hier ein Museum ein.

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